Kleine Kehrwoche

Sehnsucht des Zuschauers

Leuchtturm81 - extended-family-gae1bfc3f5_1920
Gemeinsam mit der Familie fernsehen, gemütliche Samstagabende - das sind die Gefühle und Erinnerungen, die uns das Nostalgie-Fernsehen zurückbringt. Und das geht weit über die eigentliche Show hinaus. © Pixabay

Seit des erfolgreichen Show-Abends mit „Wetten, dass ..?“ wird allenthalben diskutiert, ob eine zumindest jährliche Wiederaufnahme der Show wünschenswert wäre. Und ich frage jene, die dagegen sind: Warum denn nicht?

Bei jedem Menschen beginnt irgendwann der „Ernst des Lebens“. Man muss Prüfungen bestehen, Jobs finden, Miete und Steuern zahlen, sieht sich mit Single-Frust oder Beziehungskrise konfrontiert – und erinnert sich an Zeiten, als alles noch einfacher war. Die einzigen Pflichtprogramme waren damals Zimmer aufräumen und der Bravo-Starschnitt; und am Samstagabend durfte man mal länger aufbleiben, um „Wetten, dass ..?“ anzuschauen.

Sehnsüchte nach dieser Zeit ergreifen auch jene, die damals zwar nicht mehr selbst Kind waren, aber mit ihren Kindern die Show anschauten. Es ist das Bild einer Familien-Idylle, in der die Kinder glücklich mit den Eltern auf der Couch saßen. Vorwürfe wie „Boomer“, „Klimasünder“ oder „alte weiße Menschen“ spielten keine Rolle. Es war harmonisch, zumindest im Rückblick.

Letztlich geht es nicht um „Wetten dass ..?“, Gottschalk, schon gar nicht um das (stellenweise reichlich bemühte) Format. Es geht eher um ein Lebensgefühl, das sich viele Menschen zurückwünschen. „Nichts verlernt, aber auch nichts dazu gelernt“ titelte „Zeit Online“ in seiner Kritik. Stimmt. Aber genau das war’s, was die Zuschauer wollten: Das alte, unverfälschte Gottschalk-Gastspiel, samt platter Gags und Fettnäpfchen – wie man sie von früher kennt. Dieselbe Strategie fährt Pro7 mit der Neuauflage von „TV Total“, Sat1 mit „Geh’ auf’s Ganze“ – samt Jörg Draeger und Zonk – oder RTL2 mit „X-Factor“. Wer Nostalgie einschaltet, möchte genau das.

Ich hätte Wetten auf den Erfolg abgeschlossen, und dass das ZDF daraus den Auftrag zur Reprise ableitet. Und es ist richtig, diesen Testballon zu starten: Das Votum der Zuschauer war klar, ein öffentlich-rechtlicher Sender muss darauf reagieren – wenn es schon die Privatsender vormachen, steht eine mit Gebühren finanzierte Sendeanstalt umso mehr in der Pflicht. Die Zuschauer sehnen sich offenbar nach den „Feel-good“-Samstagabenden; und die kann nur das öffentlich-rechtliche Fernsehen liefern, die Privaten sind dafür noch nicht alt genug. Ich bin gespannt, welche Formate sonst noch zurückkehren. Erfolgreich werden sie alle sein. – Top, die Wette gilt!

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach