Kleine Kehrwoche

„Slapping“ ist nie „happy“!

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Letztlich ist eine "Ohrfeige" immernoch dies: Ein Schlag ins Gesicht! © RyanMcGuire / Pixabay

Als ich noch in der Grundschule war, gab es in meiner Klasse das Gerücht, dass ein Mitschüler für Fehler im Diktat zuhause bestraft würde: Für jeden Fehler gäbe es eine Ohrfeige. Für uns Kinder ein Horrormärchen. Der Junge, den es betraf, widersprach nie. Und keiner, der das hier liest, wird sagen: „Es ist doch nur eine Ohrfeige.“

Egal, wie man sie nennen möchte – Ohrfeige, Backpfeife, Backenstreich, Maulschelle, Schelle, Watsche, „Satz heiße Ohren –, unterm Strich bleibt es doch immer dasselbe: ein Schlag ins Gesicht. Und das mit allen zu erwartenden Risiken und Auswirkungen, die ein solcher nun mal nach sich ziehen kann. Deshalb besteht für mich auch zunächst einmal in dem Angriff, den ein Chris Rock und ein Oliver Pocher jüngst erdulden mussten, kein wirklicher Unterschied. In der Sache bleiben beide falsch, es sind Körperverletzungen und sind so zu bestrafen.

Der Schlag ins Gesicht hat neben seiner rein physischen auch noch eine psychische Auswirkung. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass eine Ohrfeige, so „leicht“ sie auch geführt sein mag, der betroffenen Person stets schadet. Die hierdurch erfahrene Demütigung und Herabwürdigung kann bei Kindern und Jugendlichen zu langfristigen geistigen Schäden führen. Unter Erwachsenen galt die Ohrfeige lange gar als Ehrenbeleidigung. Der Satz „Fühlen Sie sich geohrfeigt!“ war gleichbedeutend wie der Schlag, würdigte herab – und verlangte Revanche.

Bei Will Smith, das muss man womöglich einordnen, war es eine im Affekt vollbrachte Tat, für die er sich inzwischen zumindest noch entschuldigt hat. Was Oliver Pocher widerfuhr ist einzuordnen in den „Trend“ des „Happy Slapping“: Passaten, Mitschüler, Lehrer, willkürliche Opfer werden im Vorbeigehen geohrfeigt; das Ganze wird gefilmt, die Reaktion zur Belustigung anderer ins Netz gestellt – wodurch das Opfer weiter erniedrigt wird. Die Idee geht zurück auf Formate wie „Jackass“, wo dies als Running Gag von den Protagonisten zelebriert wurde.

Eine Ohrfeige ist Körperverletzung! Folgerichtig haben sowohl Will Smith als auch der Angreifer Oliver Pochers nun mit Konsequenzen zu rechnen: Ersterer von der Academy, Letzterer durch die Justiz. Das ist richtig und wichtig, denn körperliche Gewalt, wie sie mir aus der „Legende“ von einst noch heute im Gedächtnis blieb, darf keinesfalls toleriert oder gar noch beklatscht werden.

Seid nett zueinander! Ihr Mathias Schwappach