Kleine Kehrwoche

Stimme für die nächste Ära!

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Noch drei Tage: Dann wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. Danach dauert es noch maximal einen Monat, dann endet die "Ära Merkel". © Simon Schmidt / Pixabay

Am Sonntag wird der 20. Deutsche Bundestag gewählt. In Deutschland sind rund 60,4 Millionen Menschen wahlberechtigt und haben die Wahl aus 47 Parteien. Rund 2,8 Millionen davon sind Erstwähler: Damit haben sie 4,6 wertvolle Prozente zu vergeben. Und sie werden es tun – denn für sie wird sich gefühlt mit am meisten ändern.

Ich erinnere mich noch gut an meine Grundschulzeit: Damals war es Helmut Kohl, der insgesamt sechste Bundeskanzler – und auch derjenige mit der längsten Amtszeit –, aber für uns Kinder eben der erste, den wir namentlich wahrnahmen. Und somit auch das Gesicht zum Amt, mit dem wir dann alle groß wurden. Tatsächlich war es schließlich jene Wahl 1998, als deren Folge die „Ära Kohl“ nach über 16 Jahren endete, bei der ich damals als Erstwähler meine Stimmen abgeben durfte. Ich kann also nachvollziehen, wie sich das wohl am Sonntag anfühlt.

Ich war vor der Wahl ziemlich aufgeregt. Es fühlte sich richtig und wichtig an, zu diesem Wahllokal zu laufen, sich dort auszuweisen, die Kreuzchen zu machen. Und es fühle sich endgültig und bedeutsam an, als ich meinen Umschlag damals in die Urne einwarf. Damit war es dann offiziell: Ich hatte mich nun also an einer Wahl beteiligt, hatte meine Zukunft mitbestimmt. Ein gutes Gefühl!

Jener Wahl gingen viele Gespräche voraus. Ich versuchte, mich bestmöglich auf das vorzubereiten, was da auf mich zukam. Ich wollte verstehen, wer wofür stand, fühlte eine gewisse Mitverantwortung und wollte das „Richtige“ tun. Dies wird vermutlich manchen Erstwählern heutzutage noch schwerer fallen. – Ungeachtet dessen, welche Parteien über die Jahre meine Stimmen erhielten, erinnere ich mich, dass es sich damals seltsam anfühlte, als der „Kanzler meiner Kindheit“ abgelöst wurde.

Nach weit über 15 Jahren im Amt wird nun bald Angela Merkel ihren Stuhl räumen. Und manch einen Erstwähler wird auch diesmal ein unruhiges Gefühl beschleichen – wenn die Ära der „Kanzlerin seiner Kindheit“ endet. Man kennt nur sie in diesem Amt und sie geht – was nun? – Wichtig ist vor allem, zur Wahl zu gehen, seiner Stimme „Gehör“ zu verschaffen. Es ist bedeutsam, diese Wahl zu treffen, eine Verantwortung für die nächste „Ära“ mitzutragen – und zu sehen, was die eigene Stimme bewirkt. Die gespannte Erwartung an der Urne, heute kann ich benennen, wonach sich das anfühlt: Demokratie.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach