Kleine Kehrwoche

Uns’rer Omi ihr klein Auto

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Weil Omi nicht mehr fahren kann, wird ihr Rentnerauto verkauft: Und vor meinem geistigen Auge habe ich dieses Bild. © JayMantri / Pixabay

Es gibt immer wieder mal diese Momente, in denen ich mir überlege, Facebook zu verlassen. Wenn da mal wieder ein Alternativ-Argumentierer seinen geistigen Dünnpfiff verbreitet; wenn da mal wieder ein Internet-Betrüger meine Intelligenz durch plumpe Abzocker-Versuche beleidigt; wenn kurzum der Ärger die Freude am Medium überwiegt. Und dann gibt es kleine, aber feine Lichtblicke – über einen davon möchte ich heute erzählen.

Es geht um einen Beitrag, der so in der Gruppe „Schwarzes Brett Stuttgart“ eingestellt wurde. Die Flohmarkt-Gruppe tat sich in meiner Wahrnehmung bisher vor allem durch viele Abzock-Versuche hervor. Aber dieser Beitrag war einfach schön. Ein User wollte hier ein Auto verkaufen und schrieb dazu Folgendes: „Omi fährt nicht mehr so viel. Kupplung drücken fällt ihr nach der Knie-OP auch schwerer. Daher verkaufen wir ihr Rentnerauto aus Altersgründen.“ Es handelt sich um einen 16 Jahre alten VW Lupo mit 136.000 Kilometern auf dem Zähler. Indes stammen nur knapp 6000 davon von „Omi“, angesammelt über zwei Jahre, „gaaaanz slowlyyyyy“.

Wer noch etwas weiterliest, der erfährt, das „Omi“ inzwischen leider ins Krankenhaus gekommen ist und sich der Verkäufer samt Familie um die Pflege der Seniorin bemühen muss. Geduldig und immer sympathisch beantwortet der Inserent alle anfallenden Fragen, auch nach Winterreifen, Unfällen, Kratzern, postet Fotos, bleibt stets höflich, ehrlich und aufrichtig: „Wir wünschen uns, dass das Lupinchen in gute Hände kommt. Man kann zwar nix garantieren bei einem älteren Auto, doch Omi hat er gute Dienste geleistet und wir hoffen, dass das auch für den neuen Besitzer so ist.“ Ich glaube ihm das.

Das Ganze ist so sympathisch, dass man sich sogar als Nicht-Kaufinteressent schon fast überlegt, ob man die knapp 1300 Tacken vielleicht doch investieren will. Ich habe dem Verkäufer viel Erfolg und vor allem „Omi“ alles Gute gewünscht. Binnen der ersten Stunde gab es dafür gleich 30 Likes. Das zeigt mir, dass ich mit dem guten Gefühl bei diesem Posting wohl nicht ganz alleine bin.

Für mich ist das ein schönes Beispiel, wie man selbst heute noch in sozialen Netzwerken freundlich, menschlich, ohne fiese Hintergedanken miteinander umgehen kann. Solange sowas noch geht und ich solche Geschichten erzählen kann, bleibe ich noch ein bißchen bei Facebook.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach