Kleine Kehrwoche

Verantwortung statt Verbot

Verbote
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Wenn in amerikanischen Filmen und Serien jemand in einem Schnapsladen einkauft, bekommt er die Flasche in einer Tüte. Das liegt am dortigen Verbot eines öffentlichen Alkoholkonsums, wie es in den USA, aber auch in Australien üblich ist. Im Zuge der aktuellen Krise machen auch wir erstmals Bekanntschaft mit solch einer Einschränkung – aus anderen Gründen zwar, aber wie lang?

Freilich ist etwa das Verbot in Stuttgart noch moderat – zumal es ja weniger um den Konsum, als vielmehr um eine Verhinderung damit einhergehender Treffen geht. Jedoch gibt es anderswo in Deutschland auch Ansätze, die via Verbot auf eine Einschränkung des Alkoholkonsums abzielen. Seit 2011 ist es in HamburgFahrgästen von Bus und Bahn untersagt, alkoholische Getränke mitzuführen; 2017 hat Duisburg Alkohol aus der Fußgängerzone verbannt; kurz darauf verordnet Cottbus seiner Innenstadt die Null Promille. Aus mehreren Gründen.

Von solcherlei Maßnahmen erhofft man sich, den Konsum von Alkohol einzuschränken. In Deutschland sterben jährlich rund 74 000 Menschen an Folge-Krankheiten des übermäßigen Alkoholkonsums. Dessen Einschränkung oder Verbot soll sich ähnlich auswirken wie das Rauchverbot: Seit das aufkam, greifen laut Studien weniger Jugendliche zum Glimmstängel. Zudem würden Exzesse, Aggression oder andere negative Begleiterscheinungen von Alkoholkonsum so auch gleich noch mit eingedämmt.

Kritisch sieht etwa die Wissenschaftlerin Amy Pennay aus dem australischen Melbourne das Alkoholverbot: Ein Verbot verlagere das Trinken nur aus der Öffentlichkeit ins Private. Für sinnvoll erachtet sie höchstens ein Verbot beispielsweise im Stadion oder in der Öffentlichkeit. Dort, wo sich Gemüter leicht erhitzen und, durch Alkohol begünstigt, mitunter in Gewalt entladen könnten.

Es wäre nun zu einfach, all diese Überlegungen und auch den Ansatz in Stuttgart als Humbug abzutun – und auf jene zu schimpfen, die so ein Verbot verfügen. Zielführender wäre eher, den offiziellen Stellen zu zeigen, dass man ein erkanntes Problem auch ohne so ein Verbot in den Griff bekommt. Es liegt also an den Konsumenten, die oft eingeforderte Eigenverantwortung wirklich zu übernehmen; nicht nur hierbei. Noch sind wir weit weg vonAlkoholverboten à la USA. Diesen Abstand gilt es, wie so oft in den Corona-Zeiten, vernünftig zu wahren.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach