Kleine Kehrwoche

Viel Kritik an Model-Show

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Ein Model-Shooting, allerdings nicht aus der Klum-Sendung. © Pixabay

Neu ist die Kritik kaum. Schon seit der allersten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) im Jahr 2006 wird lebhaft diskutiert. Gebracht hat’s nix: Solange eine Sendung Quote und Werbeeinnahmen bringt, läuft sie weiter – dafür gibt’s noch ganz andere Beispiele.

„Finale in Heidis Folterkeller“ titelte am Freitag der Spiegel, als Anja Rützel die vortags ausgestrahlte Casting-Show auseinandernahm. Sie sprach von „Demütigungs-TV pur“. Viel mehr wahrgenommen wurde indes die Kritik des investigativen YouTubers Rezo. Und wenn ich auch behaupte, dass bei weitem nicht jedem YouTuber eine journalistische Seriosität gegeben ist – Rezo sticht da positiv hervor. Und er legt den Finger in viele Wunden.

Rezo holt aus zum großen Schlag. Es geht etwa um Nacktaufnahmen, zu denen die oft minderjährigen Mädchen in der Sendung gedrängt werden. Rezo vergleicht es mit der Casting-Couch: „Willst Du Deinen Traum leben, dann mach das jetzt.“ In dieselbe Kategorie fallen Aufnahmen mit männlichen Models, geforderte Kuss-Szenen, Body-Shaming, Manipulation und Lügen zur Provokation von Streitereien, Isolation der Mädchen, Trännen für Quote – alles belegt durch Videos einstiger Teilnehmerinnen, die so ihre Verträge brechen – weshalb ihnen Pro 7 offen mit juristischen Konsequenzen droht.

Wie eingangs schon ewähnt: Die meisten Vorwürfe gegen GNTM gibt es schon lange. Neu ist aber, dass sie nicht nur von Spiegel und Co. für ein Publikum präsentiert werden, das selten bis gar nicht diese Sendung einschaltet. Diesmal ist es einer, der sich an dieselbe Zielgruppe richtet, der von Zuschauern wie auch potenziellen Kandidatinnen der Sendung als Informationsquelle genutzt und akzeptiert wird – und dessen ordentlich belegte Kritikpunkte vom Sender nicht nur zerredet werden können.

Mir kam noch ein Gedanke: Heidi Klums Karriere begann 1992, sie war damals 18 Jahre alt. Wenn sie den Mädchen eintrichtert, dass all das „normal“ sei, man das eben tun müsse, um als Model Erfolg zu haben – hat sie das vielleicht selbst so erlebt? – Über GNTM wird ein verwerfliches Prinzip zwanghaft am Leben erhalten: Möchte frau erfolgreich sein, so hat sie sich unterwürfig der Männer-dominierten Model-Maschinerie auszuliefern. Dagegen sollten Medienwächter und Zielgruppe gemeinsam einstehen. – Nur so kann sich überhaupt etwas ändern.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach