Kleine Kehrwoche

Was wird nun noch toleriert?

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Donald Trump als US-Präsident: Ein Bild der Vergangenheit oder der Zukunft? © Gerd Altmann / Pixabay

Ich erinnere mich noch gut an den Morgen des 9. November 2016. Ich hörte im Radio das Ergebnis der tags zuvor stattgefundenen Präsidentschaftswahlen in den USA – Gewinner: Donald Trump. Bei dessen Kandidatur hatte ihm keiner so wirklich Chancen eingeräumt, man hatte ihn belächelt – nun war er Präsident. Und als solcher spaltete er die USA in Lager wie kein Präsident vor ihm.

Nun nimmt genau er Anlauf auf eine zweite Amtszeit. Bei dem beispiellosen Narzissmus, dem Größenwahn, der Aggression, die seine Persönlichkeit prägen, kann das keinen überraschen. Jedoch sind die Rahmenbedingungen für seine Kandidatur andere: Er tritt nicht mehr als der „Heilsbringer“ an, seine Worthülsen haben ihren Hoffnungsschimmer verloren. Er hat inzwischen gezeigt, dass er weder regieren, noch gewinnen kann. Die Frage ist, ob solche Tatsachen überhaupt eine Rolle spielen.

Eigentlich hätte es– rein sachlich betrachtet – einen Präsident Donald Trump nie geben dürfen. Hillary Clinton war 2016 die Favoritin. Und hätte man sich nicht in dieser falschen Sicherheit gewogen, wäre man weniger naiv und lethargisch an die Wahl herangegangen, wäre allen der Schock des Wahlergebnisses erspart geblieben. Diesen „Fehler“ haben die Demokraten 2020 weitestgehend korrigiert. Da hat niemand Trump unterschätzt, man hat nicht mehr auf „das kann ja gar nicht sein“ gesetzt, sondern ihm nun beherzt alles entgegen gehalten, was man hatte – und die zweite Amtszeit abgewendet.

Donald Trump hat seine Wahl 2020 trotz Amtsbonus verloren. Er hat die Republikaner ebenso gespalten wie das Land, er hat sich nicht ansatzweise als der versprochene Heilsbringer erwiesen, als der er sich inszenierte. Und die Midterms haben gezeigt, dass die USA einen Joe Biden und seine Regierung nach wie vor mehrheitlich bevorzugt. Nicht so die von Trump unterstützten republikanischen Kandidaten. Warum also der Vorstoß?

Weil er es kann! Sachliche Argumente sind nicht Trumps Treibstoff, nur die Aufstachelung. Die Kandidatenkür wird geprägt sein von Kampfansagen, Drohungen, Beschwörung rechter Kräfte. Es sei denn, man verweigert Trump die Bühne. Die Republikaner haben gute Alternativen, bräuchten Trump nicht aufzustellen. Spannend wird sein, zu erleben, was sie alles zu tun und zu tolerieren bereit sind, um selbst wieder an die Macht zu kommen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach