Kleine Kehrwoche

Weniger lost in Jugendsprache

Endlich können „wir alten Säcke“ wieder einmal mitsprechen: Das „Jugendwort des Jahres“ ist zurück. Und es hat nichts von seinem Charme verloren. Egal ob man darüber den Kopf schütteln möchte oder einfach nur großes Interesse daran hat, wie sich die Jugendsprache so entwickelt – ich zähle als einstiger Student der Sprachwissenschaften zur zweiten Gruppe –, das „Jugendwort“ taugt doch auf jeden Fall für neuen Gesprächsstoff.

Drei Finalisten standen in der Endrunde der Abstimmung, die der Pons-Verlag heuer – nach einem Jahr Pause –wieder durchführte. Gewonnen hat: „Lost“. Und damit ist nicht die TV-Serie gemeint, sondern ein Adjektiv, das in der zeitgenössischen Jugendsprache offenbar synonym für „ahnungslos“ gebraucht wird. Etwa: Wie geht das nochmal mit dem Dreisatz? – „Alter, da bin ich total lost.“

Gleichfalls im Finale standen „Cringe“, was „fremdschämen“, „unangenehm“ oder „peinlich“ bedeutet; ebenso wie „Wyld“ oder „Wild“, womit „etwas Heftiges“ bezeichnet wird. „Lost“ gewann letztlich mit 48 Prozent aller Stimmen. Interessant ist aber auch ein Blick auf die weiteren sieben Begriffe, die vorab auch mit zur Wortwahl standen. So wird „Schabernack“ gesagt, um etwas sarkastisch abzutun und zu stoppen. Das Wort „Mashallah“ ist ein Kompliment ans Aussehen. Dass noch 2020 das Wort „Digga(h)“ für „Freund“, „Kumpel“ trendy ist, das bereits anno 2000 über den Song „Türlich, türlich“ von Das Bo beliebt wurde, hat mich doch überrascht. Selbsterklärend ist der „Sauftag“. Und der Ausdruck „no front“ bedeutet in etwa so viel wie „nichts für ungut“.

Dass es „Mittwoch“ auf die Liste schaffte, liegt am Youtuber Jimmy Here, der das Meme (ein Bild mit Spruch) eines Frosches mit den Worten „Es ist Mittwoch, meine Kerle“ bereits 2017 populär machte. Seither wurde das Ding millionenfach geteilt, neu interpretiert, künstlerisch verwertet – und es wird für sein absurdes und willkürliches Feiern eines Wochentages geliebt. Soviel dazu. Und dann ist da noch der „Köftespieß“: Eine Anspielung auf den Rapper Xatar, der noch aus dem Gefängnis die Eröffnung eines Imbiss-Ladens trotz Cornona ankündigte und dafür zurecht per Meme veralbert wurde: „Köftespieß – Das Lieblingsessen nach der Haftentlassung“.

Ich bin jetzt jedenfalls wieder weniger „lost“ in der Jugendsprache – und freu’ mich schon auf die Wahl 2021.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach