Kleine Kehrwoche

Wettschaufeln der Bestatter

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Wie schnell kann er wohl ein Grab ausheben? - In Russland gibt es dazu einen sportlichen Wettbewerb unter Bestattern. © Ian Hearse / Pixabay

So mancher wurde ja schon so richtig einfallsreich, um sich die Zeit während der Pandemie irgendwie zu vertreiben. Da vergisst man bisweilen fast, dass es auch ohne Pandemie bisweilen recht skurrile Veranstaltungen gibt, die nüchtern betrachtet womöglich schon irgendwie Sinn machen; wobei man aber trotzdem bei genauerem Hinschauen eine Gänsehaut bekommt. Urteilen Sie selbst.

So las ich kürzlich eine Meldung über einen recht ungewöhnlichen Wettbewerb in Russland: Dort haben sich Bestatter in der Disziplin „Grab ausheben“ gemessen. Die Aufgabe, welche im Wettbewerb zu meistern war: In möglichst kurzer Zeit ein zwei Meter langes, ein 80 Zentimeter breites sowie 1,60 Meter tiefes Loch zu graben.

Der Austragungsort jenes Wettkampfes war unweit eines Krematoriums in der sibirischen Großstadt Nowosibirsk. Auch lokale Medien waren anwesend und sind wohl die Urheber eines Videos, das später im Internet kursierte. Im Film ist zu sehen, wie mehrere Mannschaften auf einer Wiese mit Spaten und Schaufeln Löcher gruben. Aus dem anwesenden Publikum wurden sie mit heiteren Kommentaren angefeuert. Außer der Geschwindigkeit spielte bei der Platzierung auch die Präzision eine Rolle, wie genau die Maße der Grube getroffen worden waren. Und als Maßeinheit, um zu überprüfen, wie genau die Vorgaben eingehalten worden waren, diente nicht etwa ein Zollstock, sondern ein Sarg, den man in das ausgehobene Loch legte und die Passgenauigkeit testete.

Bei einer solchen Steilvorlage muss man als Berichterstatter aufpassen, nicht ins Absurde oder Verletzende abzudriften. Die Organisatoren hatten ein durchaus ernstes Anliegen: Sie wollten mit dem Wettbewerb den Beruf des Bestatters für jüngere Menschen attraktiver machen und das allgemeine Ansehen der Bestatter in der Bevölkerung erhöhen. In den sozialen Medien wurde die Ironie aufgenommen: „Wir warten nun auf neue Wettbewerbe wie die schnellste Autopsie und Einäscherung.“

Den Meistertitel holten sich gemäß lokalen Berichten die Bestatter einer Firma aus der Stadt Omsk, die nach 38 Minuten fertig waren. Stolz präsentierte sie ihre Urkunde wiederum auf Instagram. Das Preisgeld beträgt umgerechnet 334 Euro. Was übrigens mit all den Löchern geschah, ist nicht überliefert. Und vielleicht wollen wir das – bei so viel Hang zum Sarkasmus – auch nicht wissen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach