Meinung

"Jugend gegen Krieg" erhebt Vorwürfe per Plakat: Diskurs funktioniert anders

Plakat Jugend gegen Krieg gegen ZVW
Vorwürfe per Plakat. © privat

An der Eingangstür des ZVW-Gebäudes in Waiblingen hing am Montagmorgen ein Plakat, aufgemacht in Form einer Zeitungsseite. Unter der Schlagzeile „Stoppt die Kriegshetze der ZVW“ (wir geben es wieder wie gedruckt, auch wenn des ZVW, kurz für Zeitungsverlag Waiblingen, natürlich grammatikalisch korrekt wäre) schreibt sich darauf die „Jugend gegen Krieg“ ihre Wut von der Seele.

Diese Wut richtet sich zunächst gegen die Waffenlieferungen der Bundesregierung in die Ukraine sowie das Sondervermögen für die Bundeswehr. Dem hätten deutsche Medien „durch einseitige oder hetzerische Äußerungen den Weg bereitet“, weshalb die Wut sich ebenso gegen Journalisten richtet. Statt aufzuklären, spielten etablierte Printmedien mit der Angst der Menschen, vernebelten das politische Handeln Putins, schreiben die Verfasser, und weiter: „Dass die ZVW sich in dieser Hinsicht noch fragwürdiger und kriegstreiberischer verhält, verurteilen wir.“

Natofreundliche Pressearbeit?

Angeführt werden dann einige Textbeispiele, in denen die „Jugend gegen Krieg“ ihren Unmut über in den vergangenen Wochen veröffentlichte Inhalte äußert. Mal stören sich die Verfasser an den in einem Artikel wiedergegebenen Aussagen eines angesehenen Unternehmers, mal werfen sie einem Autor „Fehleinschätzungen“ und „die Verharmlosung offen faschistischer Regimente“ vor. Auch gehe der Zeitungsverlag nicht bewusst mit der deutschen Geschichte um und betreibe natofreundliche Pressearbeit.

Der ZVW distanziert sich von diesen Vorwürfen. Objektive und ausgewogene Berichterstattung zu liefern ist das, was alle Redakteure und Mitarbeiter in ihrer Arbeit täglich leitet. Auch wollen sie wissen, wo die Menschen im Verbreitungsgebiet der Schuh drückt, kommen gerne ins Gespräch mit den Leserinnen und Lesern. „Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, dass Sie sie äußern dürfen.“ Ob dieses Zitat nun tatsächlich vom Philosophen Voltaire stammt oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Doch inhaltlich gilt das auch für Journalisten.

Um in einen konstruktiven Dialog zu treten, ist eine andere Form der Kontaktaufnahme nötig als ein Plakat, dessen Verfasser sich nicht zu erkennen geben, sondern ihren Text mit „Von Jugend gegen Krieg“ überschreiben. Über die „Jugend gegen Krieg Rems-Murr“ lässt sich wenig herausfinden. Auf einem Instagram-Kanal teilen die Dahinterstehenden unter dem Namen roteinfos_lb_rmk Bilder von Demonstrationen, beispielsweise vom 1. Mai und 8. März. Der neueste Beitrag zeigt, wie das Plakat am Zeitungsverlag angebracht wird. Die beteiligten Personen sind in dem Video allerdings nur von hinten zu sehen.

Gängiges Vorgehen in der linken Szene

Plakate anzubringen und diese Aktionen übers Internet publik zu machen, ist laut der Polizei ein gängiges Vorgehen der linken Szene im Rems-Murr-Kreis, zu der die Polizei auch die Gruppierung „Jugend gegen Krieg Rems-Murr“ rechnet. Die Gruppierung sei der Polizei bekannt, sagt ein Sprecher. Das an der ZVW-Eingangstür angebrachte Plakat wurde bisher von keiner anderen Stelle gemeldet. Prinzipiell wäre es laut der Polizei denkbar, durch die Staatsanwaltschaft überprüfen zu lassen, ob das Plakat in irgendeiner Weise strafrechtlich relevant ist, dafür wäre eine Anzeige bei der Polizei erforderlich.

Doch zurück zu den Verfassern: Herausfinden lässt sich außerdem, dass die „Jugend gegen Krieg“ die „Offensive gegen Aufrüstung“ unterstützt, deren Aktionen im Internet nachzulesen sind und deren Homepage auf dem Plakat angegeben ist. Unter anderem hatte das Bündnis dort dazu aufgerufen, am 11. Juni gegen die 100 Milliarden Sondervermögen in mehreren deutschen Städten, darunter in Stuttgart, auf die Straße zu gehen.

Keine Telefonnummer auffindbar

Mehr war allerdings leider nicht herauszufinden, schon gar nicht über das am Verlagsgebäude aufgehängte Plakat, seine Inhalte und Tonalität. Denn auf die E-Mail mit diesen Fragen, die unsere Redaktion an die auf dieser Webseite angegebene Kontakt-Adresse geschickt hat, kam bis Redaktionsschluss keine Reaktion. Eine Telefonnummer war dort nicht zu finden.

Diverse Telefonnummern und weitere Kontaktmöglichkeiten zum ZVW sind sowohl online als auch in der Printzeitung zu finden. Für diejenigen, die einen konstruktiven Diskurs suchen, wäre dies sicher der Weg der Wahl gewesen, um ihre Meinung zu äußern.

An der Eingangstür des ZVW-Gebäudes in Waiblingen hing am Montagmorgen ein Plakat, aufgemacht in Form einer Zeitungsseite. Unter der Schlagzeile „Stoppt die Kriegshetze der ZVW“ (wir geben es wieder wie gedruckt, auch wenn des ZVW, kurz für Zeitungsverlag Waiblingen, natürlich grammatikalisch korrekt wäre) schreibt sich darauf die „Jugend gegen Krieg“ ihre Wut von der Seele.

Diese Wut richtet sich zunächst gegen die Waffenlieferungen der Bundesregierung in die Ukraine sowie das

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