Meinung

Kommentar zur Bundestagswahl: Sieger? Nun ja!

Christina Stumpp CDU
Freut sich auf ihre Arbeit in Berlin: Christina Stumpp hat das Direktmandat gewonnen. © Benjamin Büttner

Selten bei einer Bundestagswahl gab es im Wahlkreis Waiblingen ein so durch und durch ambivalentes, ein derart zwiespältiges Ergebnis: Fast niemand darf sich vorbehaltlos als Sieger fühlen und beseelt feiern.

Die CDU: Immerhin, Christina Stumpp hat als Nachfolgerin von Joachim Pfeiffer das Direktmandat verteidigt. Die Zweitstimmen-Bilanz aber ist ein Desaster: 25,7 Prozent, so schlecht wie noch nie; der Tiefststand von 1949 – damals waren es 27,5 – ist damit unterboten. Das ist nach dem Flop bei der Landtagswahl die nächste Klatsche. Und schon die Europawahl 2019 lief eher lausig. The trend is not your friend.

Die SPD: Sicher, die Freude über das bundesweit ausgezeichnete Abschneiden überwiegt. Direktkandidat Urs Abelein aber wurde für einen authentischen, sympathischen und beispiellos fleißigen, nämlich mit dem Lastenfahrrad heruntergekurbelten Wahlkampf nur mit einem Achtungserfolg belohnt. Die Niederlage verdient das Attribut „ehrenhaft“. Adieu, Berlin.

Die Grünen: Sicher, sie haben leicht zugelegt gegenüber den 12,2 Prozent im Wahlkreis 2017. Und doch ist das Ergebnis eine herbe Enttäuschung – auch wenn die Ökos bei ihrer Wahlparty in Winnenden noch so tapfer taten, als sei’s ein Erfolg.

Die AfD: Sie hat offenbar mittlerweile ihre Stammwähler, die sich auch nicht davon irritieren lassen, dass es kaum jemals einen dermaßen vogelwilden, oberpeinlichen Chaotenhaufen in einem Landtag gab wie die AfD-Fraktion zwischen 2016 und 2021 im Stuttgarter Landtag. Allerdings: Die Zeiten des Wachstums sind vorbei. Bei den Zweitstimmen ging es gegenüber 2017 runter von 12,9 auf 8,9 Prozent.

Die Linke: Sie hatte diesmal mit Luigi Pantisano einen in Waiblingen seit seinen Jugendtagen bestens bekannten Kandidaten, der obendrein unlängst bei der OB-Wahl in Konstanz sensationell abräumte und sich beinahe die Stadtkette umhängen hätte dürfen. Doch der Lorbeer welkt: Das Bundestagsergebnis ist brutal ernüchternd.

Kann also gar niemand vorbehaltlos zufrieden sein? Moment! Es gibt ja noch die FDP. Schon 2017 holte sie im Wahlkreis stattliche 16,1 Prozent Zweitstimmen – und packte diesmal gar noch was drauf: 17,7 Prozent. Drittstärkste Kraft: noch vor den Grünen!

Nicht genug damit: Dank eines hervorragenden FDP-Landeslistenplatzes 11 wird Kandidat Stephan Seiter wohl in den Bundestag einziehen.

Selten bei einer Bundestagswahl gab es im Wahlkreis Waiblingen ein so durch und durch ambivalentes, ein derart zwiespältiges Ergebnis: Fast niemand darf sich vorbehaltlos als Sieger fühlen und beseelt feiern.

Die CDU: Immerhin, Christina Stumpp hat als Nachfolgerin von Joachim Pfeiffer das Direktmandat verteidigt. Die Zweitstimmen-Bilanz aber ist ein Desaster: 25,7 Prozent, so schlecht wie noch nie; der Tiefststand von 1949 – damals waren es 27,5 – ist damit unterboten. Das ist nach

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