IMMO2020 - Themenwoche

Der Umwelt zuliebe

Solar Spinnler
Zu den möglichen Maßnahmen gehört auch der Einsatz von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung. © Gabriel Habermann

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind derzeit in aller Munde, auch beim Hausbau oder bei einer Sanierung legen immer mehr Menschen Wert auf eine besonders energieeffiziente Immobilie. Dabei gibt es jedoch einige Dinge zu beachten.

Mit moderner Architektur und ausgeklügelten technischen Lösungen lassen sich Häuser bauen, die relativ wenig Strom und Heizenergie verbrauchen. Das schont die Umwelt und den Geldbeutel – und zwar nicht nur durch niedrigere Energiekosten, sondern auch durch die Möglichkeit einer staatlichen Förderung. Diese orientiert sich am sogenannten KfW-Effizienzhaus-Standard. Als Referenz dient hierbei ein KfW-Effizienzhaus 100, das exakt den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) entspricht. Hiervon grenzen sich KfW-Effizienzhäuser mit den Werten 55, 40 oder 40 Plus ab.„Je kleiner der Wert ist, desto geringer ist der rechnerische Energiebedarf der Immobilie und desto mehr staatliche Förderung ist erzielbar“, erläutert Kevin Maier, Immobilienberater bei der Riker Wohnbau + Immobilien GmbH in Remshalden. „Bei Sanierungen werden zusätzlich das KfW-Effizienzhaus 55, 70, 85, 100 sowie 125 und das KfW-Effizienzhaus Denkmal gefördert. Hier bezieht sich die Förderung auf den KfW-Standard, der nach den Sanierungsmaßnahmen erreicht wird.“

Beratung zur Förderung

Energieeffizientes Bauen oder Sanieren kann sich für Bauherren finanziell durchaus lohnen. „Neben den zinsgünstigen Darlehen erhält man je nach KfW-Standard vom Staat 18.000 bis 30.000 Euro Tilgungszuschuss im Neubau und bei Sanierungen sogar 30.000 bis 48.000 Euro je Wohneinheit“, sagt Maier. Da sich die Fördermöglichkeiten nicht unerheblich unterscheiden, sollten sie im Rahmen einer Finanzierungsberatung detailliert besprochen werden. Informationen hierzu sind bei der KfW-Bank oder direkt bei der eigenen Hausbank erhältlich.Nicht nur bei den Fördermöglichkeiten, auch bei den rechtlichen Rahmenbedingungen gilt es, den Überblick zu behalten. Und das ist gar nicht so leicht, schließlich gibt es mittlerweile eine riesige Fülle an gesetzlichen Vorgaben zum energieeffizienten Bauen. Glücklicherweise, so Maier, habe sich eine große Anzahl an Ingenieurbüros darauf spezialisiert, die bauphysikalischen Berechnungen für die Vorhaben durchzuführen. Hier empfiehlt es sich also, frühzeitig einen Experten zu Rate zu ziehen.

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Eine effektive Wärmedämmung ist besonders wichtig. © Andrey Popov - stock.adobe.com

Wahl der Baustoffe

Bevor es mit dem Bau eines energieeffizienten Hauses losgehen kann, muss natürlich auch die Wahl der richtigen Baustoffe getroffen werden. Die Frage, welche Materialien sich für energieeffizientes Bauen am besten eignen, lasse sich pauschal aber gar nicht seriös beantworten, so Maier. „Hier ist es wichtig, das jeweilige Bauvorhaben beziehungsweise die jeweiligen Maßnahmen im Einzelnen zu betrachten. Die Materialien beim Wohnungsbau können sich von denen beim Einfamilienhausbau unterscheiden und bei der Sanierung einer bestehenden Immobilie kommen wiederum andere Materialien zum Einsatz.“ Es sei auf jeden Fall wichtig, bei der Auswahl der Materialien auf deren Entstehung und deren Dauerhaftigkeit zu achten sowie einen möglichen späteren Rückbau im Auge zu behalten.

Nicht übereffizient bauen

Bauherren, die einen bestimmten KfW-Standard erreichen wollen, können aus einer Fülle an bautechnischen Konzepten und Maßnahmen wählen. Dazu gehören unter anderem verschiedene Vorgehensweisen bei der Wärmedämmung, der Einsatz von Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung oder der Einbau von energieeffizienten Heizungen. Maier nennt hier als empfehlenswertes Beispiel die Pelletheizung, bei der auf einen zu 100 Prozent erneuerbaren Rohstoff zurückgegriffen werde.Wer nun jedoch angesichts der vielen Möglichkeiten in Aktionismus verfällt, sollte Vorsicht walten lassen. „Es sollte stets darauf geachtet werden, dass nicht übereffizient gebaut wird“, betont Maier. Denn es könne passieren, dass die Maßnahmen, mit denen man einen besseren KfW-Standard erreicht, mehr klimaunverträgliche Auswirkungen haben, als später durch den Betrieb der Immobilie eingespart werden kann. Oder aber es tritt der Fall ein, dass die Mehrkosten für einen höheren Energiestandard am Ende die erhaltenen Zuschüsse übersteigen. „Deshalb sollte man das Bauvorhaben klimabilanziell und wirtschaftlich ganzheitlich betrachten, also sowohl die Bauphase als auch die spätere Nutzungsphase“, so Maier. „Ein zu verbissenes Festhalten an einem Energiestandard kann ein Projekt auch verschlechtern.“