Teil 3

Fit für die berufliche Zukunft

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Özgür Simsek wird bei seiner Ausbildung von der Agentur für Arbeit unterstützt. © Manuel Jantos
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Özgür Simsek (links) und Peter Decher, der bei Vinci Facilities für den Elektrobereich zuständig ist und die Auszubildenden betreut. © Manuel Jantos

Neue Qualifizierungsmöglichkeiten für Beschäftigte

Seit Januar 2019 gilt in Deutschland ein neues Gesetz zur Weiterbildung von Beschäftigten. Das Ziel: Alle Beschäftigten – unabhängig von Ausbildung, Lebensalter und Betriebsgröße – dabei zu unterstützen, ihre beruflichen Kompetenzen zu erweitern. Die Arbeitsagentur informiert darüber, welche Möglichkeiten Unternehmen und Beschäftigte nun haben und welche finanziellen Förderungen es gibt.
 
Eigentlich wollte Özgür Simsek direkt nach seinem Schulabschluss eine Ausbildung beginnen, doch daraus wurde zunächst nichts. „Meine Noten waren nicht so gut und ich habe einfach keinen Ausbildungsplatz gefunden“, erzählt der 24-Jährige. „Also habe ich erst mal gejobbt, um Geld zu verdienen.“ Vor etwa einem Jahr kam Simsek schließlich über eine Zeitarbeitsfirma zu Vinci Facilities in Fellbach, einem Dienstleister im Bereich Facility Management, und arbeitete dort als Lagerist. Dabei wurde Peter Decher, der bei Vinci Facilities für den Elektrobereich zuständig ist und die Auszubildenden betreut, auf den jungen Mann aufmerksam. „Er hat seine Arbeit sehr gut gemacht. Als er da war, hatten wir plötzlich wieder Strukturen im Lager“, so Decher. „Und egal, wo wir ihn eingesetzt haben – es gab immer positives Feedback. Deshalb habe ich ihn gefragt, warum er eigentlich keine Ausbildung hat und ob er nicht noch eine machen möchte.“ Und Simsek wollte.

Gemeinsam überlegten Özgür Simsek und Peter Decher, welche Ausbildung in Frage käme. Denn um im Bereich Facility Management zu arbeiten, hatte Simsek die Wahl zwischen unterschiedlichen Fachrichtungen – vom Heizungs- und Sanitärbereich über Elektrotechnik bis hin zu Bau- und Sanierungstechnik. Simsek entschied sich für den Elektrobereich – und begann im September 2019 seine Ausbildung zum Elektroniker Energie- und Gebäudetechnik. Dabei konnte er direkt ins zweite Lehrjahr einsteigen und seine Ausbildung so auf zweieinhalb Jahre verkürzen. „Die Ausbildung macht echt Spaß“, sagt Simsek. „Und mein Ziel ist, später auch noch meinen Meister zu machen.“

Fachkräfte durch Weiterbildung

Bei der Realisierung seiner Pläne erfährt Özgür Simsek viel Unterstützung von seinem Arbeitgeber. Denn angehende Fachkräfte wie er werden derzeit von vielen Unternehmen händeringend gesucht. „Seit drei Jahren ist Herr Simsek der erste Azubi an unserem Standort in Fellbach und es ist generell schwierig, Fachkräfte zu finden“, erklärt Peter Decher. „Deshalb versuchen wir, durch Qualifizierungsmaßnahmen unsere eigenen Fachkräfte heranzuziehen – so wie Herrn Simsek.“

Der 24-Jährige ist indes nicht nur froh darüber, eine Ausbildungsstelle ergattert zu haben. Auch, dass er mehr als ein Azubi-Gehalt bezahlt bekommt, helfe ihm sehr, sagt er. Denn die Hälfte der Kosten seiner Ausbildung übernimmt die Agentur für Arbeit. „Ohne dieses Fördergehalt könnte ich nicht allein wohnen, da wäre die Miete zu hoch“, erklärt Simsek. „Die Ausbildung hätte ich zwar auch ohne das zusätzliche Gehalt gemacht, aber das Geld erleichtert einem natürlich vieles.“

Neues Gesetz zur Qualifizierung

Die Agentur für Arbeit unterstützt aber nicht nur Beschäftigte wie Özgür Simsek, die eine Berufsausbildung machen möchten. Seitdem am 1. Januar 2019 das Qualifizierungschancengesetz in Kraft getreten ist, können auch Weiterbildungen für alle Beschäftigten bezahlt werden, deren berufliche Tätigkeiten durch Technologien ersetzt oder vom Strukturwandel bedroht werden – unabhängig vom Alter oder von anderen Faktoren.

Ausschlaggebend für die Förderung ist also, dass die Weiterbildung dazu dient, Beschäftigte für die sich wandelnde Arbeitswelt fit zu machen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Handwerker bei einer Fortbildung lernt, wie Smart-Home-Geräte installiert werden. Oder wenn sich ein Kfz-Mechaniker zum Thema Elektroautos weiterbildet.

Hintergrund ist, dass sich die Arbeitswelt im Zuge des digitalen Wandels rasant verändert: Durch Automatisierung und neue Technologien fallen immer mehr Jobs weg, andere entstehen dafür neu. Zahlreiche Berufsbilder sind im Wandel. Um den Anschluss nicht zu verlieren, sollen alle Beschäftigten die Möglichkeit bekommen, sich weiterzubilden oder beruflich neu zu orientieren.

„Wer bei einem Unternehmen beschäftigt ist und sich weiterbilden will, kann beispielsweise einen Sprach- oder Programmierkurs oder eben eine Erstausbildung machen“, erklärt Birgit von Gosen vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Schorndorf. „Hier beteiligt sich die Arbeitsagentur an den Kosten der Weiterbildung und an den Kosten, die durch den Arbeitsausfall entstehen, wenn der Beschäftigte aufgrund der Fortbildungsmaßnahme nicht arbeitet.“

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Das Qualifizierungschancengesetz unterteilt die Unternehmen in verschiedene Größenordnungen: Firmen mit weniger als zehn Beschäftigten, mit bis zu 250 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Unternehmen mit bis zu 2.500 und mit mehr als 2.500 Beschäftigten. Dabei wird der Zuschuss immer geringer, je größer das Unternehmen ist, Kleinstunternehmen bekommen die größte Förderung. Neu ist auch, dass sogar Firmen mit über 2.500 Beschäftigten eine Weiterbildungsförderung bekommen können.

Um von der Förderung zu profitieren, sollten Unternehmen gemeinsam mit ihren Beschäftigten ihren Qualifizierungsbedarf analysieren und sich an den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit wenden. „Bei jeder Förderung müssen wir die individuellen Voraussetzungen prüfen und schauen, ob die jeweilige Weiterbildungsmaßnahme auch gefördert werden kann“, erklärt Birgit von Gosen. „All das ist sehr erklärungsbedürftig, deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen frühzeitig auf uns zukommen und sich beraten lassen.“

Caroline Friedmann

Informationen für Arbeitgeber

Arbeitgeber können sich unter der Rufnummer 0800 4 5555 20 an die Qualifizierungs-Hotline der Agentur für Arbeit wenden, Arbeitnehmer bekommen unter der Nummer 0800 4 5555 00 weitere Informationen und Unterstützung beim Thema Weiterbildung. Darüber hinaus ist die Weiterbildungsberatung der Arbeitsagentur immer montags von 8 bis 16 Uhr unter 0711 9202000 zu erreichen. Unter kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/ können Interessierte auf eine Datenbank mit mehr als zwei Millionen Weiterbildungskursen zugreifen und sich über Fördermöglichkeiten informieren. Allgemeine Informationen rund um Weiterbildung und Qualifizierung gibt es auf der Internetseite www.arbeitsagentur.de.