Teil 4

Pflegekräfte gesucht!

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„Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung“, sagt Ramona Weyer, die derzeit eine Ausbildung zur Pflegefachkraft in der Altenpflege macht. © Heike Rost/Haus im Schelmenholz
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Wer sich für eine Pflegeausbildung interessiert, kann sich bei der Arbeitsagentur informieren. © Kzenon - Fotolia

Von 2020 an gibt es eine neue generalistische Pflegeausbildung

In der Pflege werden dringend Fachkräfte gesucht. Doch weil sich die beruflichen Anforderungen in den letzten Jahren verändert haben, hat die Bundesregierung die Pflegeausbildungen neu geregelt: Vom 1. Januar 2020 an gibt es den Pflegeberuf „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“. Die Agentur für Arbeit berät Interessierte und Arbeitgeber und informiert über Fördermöglichkeiten.

Mit über 30 noch mal einen ganz neuen Berufsweg einschlagen? Warum nicht, dachte sich Ramona Weyer – und begann 2017 eine Ausbildung zur Pflegefachkraft in der Altenpflege. Dass es so kam, war auch ein Stück weit Zufall. Denn Ramona Weyer hatte ursprünglich andere Pläne für ihr Berufsleben. „Ich habe die kaufmännische Schule besucht und daraufhin einen Ausbildungsplatz zur Erzieherin gefunden, aber weil ich mit meiner ersten Tochter schwanger wurde, trat ich diesen nicht an“, erzählt sie. „Also arbeitete ich nach der Elternzeit sechs Jahre lang ungelernt im Verkauf.“

Dann wurde Ramona Weyer mit ihrer zweiten Tochter schwanger. Während der Elternzeit suchte sie nach einem Minijob und erfuhr durch eine Bekannte, dass das Café des Pflegeheims „Haus im Schelmenholz“ Mitarbeiter suchte. Dort fing sie an zu arbeiten. „So kam ich zum ersten Mal in Berührung mit dem Pflegeheim“, sagt die 34-Jährige. „Und parallel habe ich eine Weiterbildung zur Betreuungskraft gemacht, um mir gegebenenfalls ein zweites Standbein zu ermöglichen.“

Ausbildung im Pflegeheim

Als der Direktor des Pflegeheims von ihrer Weiterbildung erfuhr, bot er ihr an, im Haus im Schelmenholz als Betreuungskraft zu arbeiten. Ramona Weyer nahm das Angebot an. Nach etwa einem Jahr wurde sie gefragt, ob sie nicht auch noch eine Ausbildung zur Pflegefachkraft in der Altenpflege machen möchte. Und sie sagte zu. Inzwischen ist sie im dritten Lehrjahr, im September 2020 schließt sie ihre Ausbildung ab.

Der Beruf gefalle ihr sehr, erzählt sie – auch wenn die Pflege älterer Menschen manchmal anstrengend sei. „Wir haben viele Hilfsmittel und unterstützen uns im Team gegenseitig, was vieles einfacher macht“, sagt Ramona Weyer. „Und von den Bewohnern bekomme ich Tag für Tag so viel zurück, dass ich mich jedes Mal auf meine Arbeit freue. Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung und mit dem Weg, den ich eingeschlagen habe.“

Neue Pflegeausbildung ab 2020

Wer sich, wie Ramona Weyer, für eine Ausbildung in der Pflege entscheidet, kann sich von der Agentur für Arbeit umfassend beraten lassen. Dabei bekommen Interessierte auch alle nötigen Informationen zur neu geregelten Pflegeausbildung. Denn die Bundesregierung hat die Ausbildung der Pflegeberufe reformiert. Demnach gibt es vom 1. Januar 2020 an in Deutschland den neuen Pflegeberuf „Pflegefachfrau“ oder „Pflegefachmann“.

Die dreijährige Ausbildung ist generalistisch ausgerichtet. Das heißt, die drei bisherigen Ausbildungen in den Bereichen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege werden in einem neuen, universellen Berufsbild zusammengefasst: dem Pflegefachmann oder der Pflegefachfrau. In dieser generalisierten Ausbildung werden künftig fachliche Schwerpunkte aus allen drei bisherigen Pflegebereichen gebündelt. Dadurch sind die zukünftigen Pflegefachmänner und -frauen beruflich flexibler, denn im Laufe ihres Berufslebens können sie problemlos den Arbeitsbereich wechseln. Hinzu kommt: Die Ausbildung ist künftig kostenfrei. Und auch das Arbeiten in anderen Ländern ist möglich. Die generalistische Pflegeausbildung wird im gesamten EU-Ausland anerkannt.

Ausbildungsförderung ist möglich

Wer sich für die Pflegeausbildung interessiert, kann sich bei der Arbeitsagentur näher informieren und unter gewissen Umständen auch eine Ausbildungsförderung beantragen. Diese Förderung zusätzlich zum Auszubildendengehalt gibt es beispielsweise für Berufstätige, die noch keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, oder für Menschen, die ihren ursprünglichen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. „Die meisten geförderten Pflegeausbildungen gibt es in der Altenpflege“, erklärt Birgit von Gosen vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Schorndorf. „Allerdings müssen Interessierte dafür gewisse Anforderungen erfüllen und beispielsweise ihre sprachliche und gesundheitliche Eignung für den Beruf nachweisen.“

Viele erkundigen sich nach diesen Fördermöglichkeiten und auch das Interesse an der neuen Pflegeausbildung sei groß, sagt Birgit von Gosen – seitens der Träger und seitens der potenziellen Auszubildenden. „Zu uns kommen oft Frauen, die bereits als Betreuerinnen im Alten- oder Pflegeheim gearbeitet haben, einige sind über 50 Jahre alt, viele aber auch jünger. Und natürlich kommen auch einige Männer, um sich zu informieren.“

Jana Schmidt von der Arbeitsagentur in Backnang berät vor allem Schülerinnen und Schüler bei der Wahl des passenden Berufs. „Wer die neue Pflegausbildung machen möchte, braucht entweder einen mittleren Bildungsabschluss oder muss nach dem Hauptschulabschluss zunächst eine Pflegehelferausbildung machen“, erklärt Schmidt. „Auf dem Pflegehelfer kann man dann mit der Ausbildung zum Pflegefachmann oder der Pflegefachfrau aufbauen.“

In ihren Beratungen erklärt Jana Schmidt auch, was die künftigen Pflegekräfte erwartet. „In einem sozialen Beruf muss man zum Beispiel damit zurechtkommen, andere Menschen zu waschen, und man muss auch Arbeitszeiten am Wochenende akzeptieren können“, erklärt Schmidt. „Deshalb sollten sich alle, die sich für einen Pflegeberuf interessieren, gut informieren und vielleicht auch ein Praktikum machen, damit sie wissen, was auf sie zukommt.“

Caroline Friedmann

Unter www.berufenet.arbeitsagentur.de sind Informationen zu allen Ausbildungsberufen zu finden – auch zur neuen Pflegeausbildung. Außerdem stehen die Beraterinnen und Berater der Arbeitsagentur Waiblingen bei den „Job- und Karrieretagen 2019“ am 29. und 30. November in der Schorndorfer Barbara-Künkelin-Halle für Fragen zur Verfügung. Wer sich für das Thema Weiterbildung interessiert, kann sich immer montags von 8 bis 16 Uhr telefonisch unter der Nummer 0711 9202000 an die Weiterbildungsberatung der Arbeitsagentur wenden. Allgemeine Informationen rund um Weiterbildung und Qualifizierung gibt es unter www.arbeitsagentur.de.