VfB Stuttgart

Michael Reschke: Der realistische Rheinländer

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Ein Rheinländer im Schwabenland: Michael Reschke ist seit Anfang August Sportvorstand beim VfB Stuttgart. © Danny Galm

Stuttgart.
An den Dialekt müssen Sie sich beim VfB wohl erst noch gewöhnen. Wenn Stuttgarts Sportvorstand Michael Reschke spricht, dann kann der gebürtige Rheinländer seine Herkunft nur schwer verbergen. Im Clubheim der Schwaben klingt Reschkes rheinischer Singsang irgendwie unpassend, aber viel wichtiger sind die Inhalte seiner Ausführungen – und die passen zum schwäbischen Aufsteiger.

„Wir haben den Kader breiter aufgestellt“

Anfang August übernahm Reschke das Amt von Jan Schindelmeiser und musste zunächst dessen Werk weiterführen. „Auch Jan wollte den Kader noch abrunden. Diesen Ball haben wir weitergespielt“, erklärte der Sportvorstand am Dienstag in einem Pressegespräch im VfB-Clubzentrum. Folglich stand das Tagesgeschäft in den ersten Wochen seines Wirkens im Vordergrund.

So verpflichtete Michael Reschke mit Dennis Aogo (30) und Andreas Beck (30), zwei erfahrene Abwehrspieler und dazu mit Santiago Ascacibar (20) ein vielversprechendes Talent fürs defensive Mittelfeld. „Wir haben den Kader breiter aufgestellt“, sagt Reschke, „das war wichtig für uns.“ Aber auch die Abgänge von Green, Onguéné, Werner und Sarpei seien „sinnvoll“ gewesen, um den Kader zu verschlanken. 

Das Thema Kaderplanung vergleicht der Rheinländer gerne mit einem Puzzle-Spiel: „Es gibt immer unterschiedliche Ansichten und Kriterien, aber am Ende muss das Gesamtbild passen und da sehe ich uns auf einem sehr guten Weg.“

Reschke versprüht großen Optimismus

Vor allem Beck und Aogo sollen perfekt in das Personal-Puzzle beim Aufsteiger passen: „Wir sind sehr froh, dass wir zwei so erfahrene Spieler verpflichten konnten. Sie helfen uns mit ihrem Leistungsvermögen und ihrer Erfahrung – solche Jungs werden im Abstiegskampf nicht mehr nervös“, sagt Reschke.

Ein Stamm an erfahrenen Bundesliga-Spielern sei in jedem Fall kein Nachteil im Kampf um den Klassenerhalt. Wenn Reschke über "seine" Neuverpflichtungen spricht, dann ist der langjährige Kaderplaner von Bayer Leverkusen (2004 bis 2014) und Bayern München (2014 bis 2017) in seinem Element. Er gestikuliert, beschreibt leidenschaftlich Stärken und Vorzüge der Spieler und versprüht dabei großen Optimismus.

„Wir müssen drei Clubs hinter uns lassen"

Im Hinblick auf die bereits gestartete Bundesliga-Saison ist Reschke aber auch Realist. So prognostiziert er seinem neuen Club eine schwere Saison. Die Bundesliga sei so stark und ausgeglichen wie schon lange nicht mehr. Einen „klassischen“ Absteiger gebe es nicht. Reschke sagt: „Der Wahnsinn in dieser Saison ist: Du kannst seriös arbeiten und wirst vielleicht trotzdem nur 16. oder 17. werden.“

Den VfB sieht er dennoch gut aufgestellt und bereit für die große Herausforderung. „Wir müssen drei Clubs hinter uns lassen. Das wird schwierig, aber wir sind zuversichtlich, dass wir die Klasse halten.“

„Die Bewährungsprobe wird kommen, wenn wir dreimal hintereinander verlieren“

Die Saison 2017/18 ist Reschkes 39. Spielzeit im Fußball-Oberhaus. Der 59-Jährige kennt die Trainer, Spieler und Manager der Liga wie seine Westentasche und weiß, wie der Hase läuft. Er ist sich sicher, dass auf den Aufsteiger im Laufe der Saison auch Durststrecken warten werden.

„Die Bewährungsprobe wird kommen, wenn wir dreimal hintereinander verlieren. Wenn dann auch in dieser schweren Phase die Überzeugung da ist, dass wir auf einem guten Weg sind, ist die Chance eine solche Durstrecke zu überstehen am größten“, sagt Michael Reschke.

„Ein neuerlicher Abstieg wäre mehr als schmerzlich“

Dem Klassenerhalt in der Bundesliga misst der Sportvorstand eine eminent wichtige Bedeutung zu. Reschke weiß: Ein neuerlicher Abstieg für den schwäbischen Traditionsverein wäre mehr als schmerzlich. "Ich weiß nicht, ob das Umfeld so einen Kraftakt wie im letzten Jahr noch einmal bewältigen könnte.“

In Leverkusen und München agierte Reschke vornehmlich im Hintergrund, gab nur selten Interviews und war mit seiner Rolle als „Schatzsucher“, der Talente scoutet, den Markt im Blick hat und Transfers abwickelt, nicht unzufrieden.

„Ich bin angekommen“

„Für mich war von Anfang an klar, dass das jetzt vorbei ist. Meine neue Rolle beim VfB habe ich ganz bewusst angenommen“, erklärt Reschke den gravierenden Einschnitt in sein bisheriges Berufsleben. „Ich habe mich immer als „Diener“ meiner Clubs gesehen und so sehe ich mich auch hier in Stuttgart.“ 

Hinter Reschke liegt ein erster intensiver Monat beim Traditionsclub aus Bad Cannstatt. Dass der Rheinländer im Schwabenland so schnell und herzlich aufgenommen wurde, kann er selbst noch nicht recht glauben: „Als ich nach Stuttgart kam, kannte ich kaum jemanden persönlich. Dennoch wurde ich super aufgenommen und habe jetzt schon das Gefühl: Ich bin angekommen.“

Und an Reschkes rheinischen Singsang werden Sie sich in Bad Cannstatt sicherlich auch noch gewöhnen. 


Über Leverkusen und München nach Stuttgart

  • Michael Reschke wurde am 29. September 1957 in Frechen (Rhein-Erft-Kreis) geboren.
  • Von 1979 bis 1988 war er Trainer der U 19- und der U 17-Mannschaften von Bayer 04 Leverkusen.Nebenbei studierte er an der Sporthochschule Köln.
  • 1998 wurde er Nachwuchsleiter unterm Bayer Kreuz und löste 2004 Reiner Calmund als Manager der Profimannschaft ab.
  • Zur Saison 2014/15 wechselte Reschke zum FC Bayern München und übernahm dort die neugeschaffene Position des Technischen Direktors.
  • Am 5. August 2017 löste Reschke seinen Vertrag beim FC Bayern auf und einigte sich mit dem VfB Stuttgart auf einen Dreijahresvertrag als Sportvorstand.