VfB Stuttgart

Mislintat über Gonzalez: „Ich glaube, dass er froh ist, dass er geblieben ist“

Fußball Bundesliga FC Schalke 04 vs. VfB Stuttgart
Auf Schalke, wo Nicolas Gonzalez nach auskuriertem Bündelriss in der Hüftmuskulatur zum dritten Mal in Folge eingewechselt wurde, bewies er, wie wichtig er für seine Mannschaft sein kann. © Pressefoto Baumann

Das Selbstbewusstsein beim VfB Stuttgart ist spürbar gewachsen. Richtig freuen wollte sich bei den Schwaben nach dem 1:1 (0:1) beim FC Schalke 04 zum Auftakt des 6. Spieltags der Fußball-Bundesliga aber niemand. „Man hat das Gefühl, dass wir zwei Punkte zu wenig bekommen haben für das, was wir geleistet haben“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat, nachdem er mit dem VfB-Tross in der Nacht zum Samstag nach Stuttgart zurückgekehrt war.

„Es sagt schon etwas aus, wenn wir nicht zufrieden sind, auf Schalke nicht drei Punkte geholt zu haben“, stellte der 47-Jährige fest. Der starke Saisonstart mit neun Punkten aus sechs Spielen hat der jungen Truppe des Aufsteigers eine breite Brust verschafft. Wie schon beim 1:1 gegen den 1. FC Köln eine Woche zuvor wären für die Stuttgarter auch am Freitag durchaus drei Punkte drin gewesen. Ihre Leistung sei „sehr, sehr, sehr gut“ gewesen, sagte Mislintat. Freunde hätten ihm berichtet, dass „wir Spaß gemacht und geil gekickt“ hätten.

Das galt vor allem für die zweite Hälfte, in der der VfB extrem dominant auftrat. Und mit Nicolas Gonzalez einen Joker ausspielte, der eigentlich längst weg sein wollte. „Nico hat ein Interview gegeben, das, glaube ich, ein bisschen fremdgesteuert war. Danach haben wir ganz sauber miteinander geredet und er sich vorbildlich verhalten“, sagte Mislintat über den Stürmer, der nach seinen 14 Toren in der Vorsaison im Sommer öffentlich auf einen Wechsel gedrängt hatte.

„Ich glaube, dass er froh ist, dass er geblieben ist“, erklärte Mislintat rückblickend auf den wochenlangen Transferpoker. „Er sieht, dass wir nicht das Stuttgart aus dem Abstiegsjahr sind. Das war so ein bisschen seine Sorge. Er fühlt sich sehr wohl in der Gruppe. Und das sieht man auch.“

Auf Schalke, wo er nach auskuriertem Bündelriss in der Hüftmuskulatur zum dritten Mal in Folge eingewechselt wurde, bewies Gonzalez, wie wichtig er für seine Mannschaft sein kann. Der argentinische Nationalstürmer belebte die Offensive des VfB sichtlich und traf wieder einmal souverän per Elfmeter (56. Minute). Weil den engagierten Stuttgartern „letztlich aber immer ein Stück weit die Präzision beim finalen Pass fehlte“, wie Trainer Pellegrino Matarazzo analysierte, reichte es für sie nach dem Rückstand durch Malick Thiaw (30. Minute) aber eben nicht zu mehr als diesem Ausgleichstor.

Zwar holte der VfB im dritten Auswärtsspiel der Saison den siebten Punkt und damit schon jetzt einen mehr in der Fremde als in seiner gesamten letzten Bundesliga-Spielzeit 2018/2019, die mit dem Abstieg endete. Dennoch wurde er auf der Rückreise aus Gelsenkirchen das Gefühl nicht los, gegen schwer angeschlagene und inzwischen seit 22 Liga-Partien sieglose Schalker etwas liegen gelassen zu haben.

Abgesehen vom Kopfball-Gegentor durch Thiaw, das ihr Kapitän Gonzalo Castro "dumm" nannte und aus einem unnötigen Freistoß entstanden war, hatten die Gäste in der ersten Hälfte hinten fast nichts zugelassen. Nach der Pause und dem 1:1 durch Gonzalez, dem ein Handspiel von Schalkes Salif Sané vorausgegangen war, übernahmen sie gegen zunehmend verunsicherte Königsblaue komplett die Kontrolle.

Wie mutig der VfB dabei auftrat und zum dritten Mal in dieser Saison einen Rückstand aufholte, ist bemerkenswert. Auch „durch Corona und die schwierigen Phasen in der zweiten Liga ist die Mannschaft in den letzten Monaten gewachsen“, sagte Mislintat. Und mit ihr das Selbstbewusstsein.