VfB Stuttgart

Nürnberg im Check: Angst vor dem Absturz

1/3
_0
Beim letzten Aufeinandertreffer der Schwaben und der Franken gab's keinen Sieger.
2/3
Jubeltraube
Nürnbergs Spieler feiern Torschütze Hanno Behrens (unten, M) nach seinem Treffer zum 2:0 gegen Hannover 96. Foto: Peter Steffen © Peter Steffen
3/3
Vorgestellt
Nürnbergs Sportchef Robert Palikuca. Foto: Daniel Karmann © Daniel Karmann
Stuttgart/Nürnberg.

Zum Abschluss des 16. Spieltags empfängt der VfB Stuttgart am Montagabend (20.30 Uhr/ZVW-Liveticker) den 1. FC Nürnberg in der heimischen Mercedes-Benz-Arena. Die Schwaben haben aus den vergangenen sieben Ligaspielen lediglich zwei Siege eingefahren, bei den Gästen und Neu-Coach Jens Keller stellt sich die Gemengelage noch weitaus schlechter dar: Die Franken stehen aktuell auf Relegationsrang 16 und sind damit akut abstiegsgefährdet.

So verlief der Saisonstart

Beide Vereine waren zum Ende der letzten Saison sang- und klanglos aus derm Oberhaus des deutschen Fußballs abgestiegen und mussten gemeinsam den Gang in Liga zwei antreten. Bei den Ansprüchen und Möglichkeiten eines solch großen Vereins wie dem 1. FC Nürnberg konnte das Ziel für diese Spielzeit nur lauten: direkter Wiederaufstieg. Zumindest in diesem Punkt haben die Franken mit der Elf von Tim Walter etwas gemeinsam. 

Zum jetzigen Zeitpunkt – nach einem Drittel der Saison - stellt sich die Situation allerdings ganz anders dar. Während der VfB trotz der jüngsten Niederlagenserie weiterhin im Aufstiegskampf mitmischt, müssen die Franken aufpassen, nicht in Liga drei durchgereicht zu werden. Der Vorsprung auf Platz 17 beträgt momentan lediglich zwei Zähler. Für den „Fahrstuhl-Klub“ und dessen treue und leidgeprüfte Anhängerschaft würde ein weiterer Abstieg in die sportliche Bedeutungslosigkeit einem „Worst-Case-Szenario“ gleichkommen. 

Dabei war „der Club“ eigentlich ordentlich in die Saison gestartet. Nach neun Spieltagen stand das Team unter Ex-Coach Damir Canadi noch auf dem sechsten Tabellenplatz und damit in Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen. Mitte Oktober folgte dann der Einbruch: Von der Last-Minute-Pleite in einem total verrückten Spiel bei Erzgebirge Aue (3:4) erholte sich die Mannschaft bis heute nicht. Im Anschluss gab es fünf Niederlagen und ein Remis (inklusive Pokal-Aus in Kaiserslautern), sodass die Franken nunmehr seit dem 4:0-Sieg in Hannover Ende September auf ein Erfolgserlebnis warten. 

Jens Keller – eine lange Vergangenheit beim VfB

Als die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg nach dem Heim-Debakel gegen Arminia Bielefeld (1:5) Mitte November den Trainer wechselten, düften sich auch zahlreiche VfB-Fans die Augen gerieben haben. Denn: Der neue Coach des Zweitligisten ist bei den Schwaben kein Unbekannter. Geboren in Stuttgart, war Jens Keller dem VfB lange Zeit eng verbunden – als Spieler (49 Spiele, ein Tor) und als Trainer. Der 48-Jährige ist ein erfahrener Fußballlehrer, den nach Stationen auf Schalke, in Wolfsburg, Berlin und Ingolstadt nicht mehr viel aus der Ruhe bringen kann. Dennoch dürfte dem zweifachen Familienvater die Verantwortung seiner neu angetretenen Stelle bewusst sein. Für den traditionsreichen Club aus Franken sowie dessen stolze Fans geht es um das weitere Fortbestehen in Liga zwei – nicht mehr und nicht weniger. 

Abstiegskampf als mentale Belastung

Eigentlich hat „der Club“ allerbeste Voraussetzungen, um bessere Ergebnisse einzufahren, als das zuletzt der Fall war. Die Mannschaft von Jens Keller ist top besetzt - und das auf nahezu jeder Position. Gemessen am Marktwert (40,65 Millionen Euro, Quelle: transfermarkt.de) hat Nürnberg den viertbesten Kader der Liga. Nach den zuletzt gezeigten Leistungen wird die Keller-Elf sicher nicht mit dem größten Selbstvertrauen nach Stuttgart reisen, worauf sich die Schwaben allerdings nicht zu sehr verlassen sollten. 

Die Situation der Nürnberger verwundert beim Blick auf folgende Zahlen noch viel mehr: Im letzten Transfersommer hat Sportdirektor Robert Palikuca knapp 7,5 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Ein erheblicher Betrag, der nur vom Hamburger SV (12 Mio.) und dem VfB Stuttgart (21 Mio.) übertroffen wurde, sich seither aber nicht in den Resultaten niederschlägt. Zum Vergleich: Aufsteiger Wehen Wiesbaden, der am vergangenen Wochenende im Nürnberger Max-Morlock-Stadion mit 2:0 gewann, hat im Sommer keinen Cent für neue Spieler ausgeben. 

Trotz all der finanziellen, infrastrukturellen und individuellen Möglichkeiten schöpft die Mannschaft um Kapitän Hanno Behrens das vorhandene Potenzial zu selten aus. Auch wenn das Team mit einem Durchschnittsalter von knapp 26 Jahren zu den erfahrensten der Liga zählt, wirken die Spieler verunsichert und gehemmt, sobald sie den grünen Rasen betreten. Und auch die Tatsache, dass „der Club“ in dieser Saison nach einem Rückstand noch nicht dreifach punkten konnte, spricht nur bedingt für die Mentalität der Franken. 

VfB-Coach Walter warnt: „Der Club steht zu unrecht da unten“

Trotz der aktuell schwierigen Situation beim FCN warnt Stuttgarts Trainer Tim Walter nachdrücklich vor den Qualitäten der Franken: „Sie haben einige Spieler im Team, die den Anspruch haben, Bundesliga zu spielen.“ Nach der Einschätzung des Stuttgarter Trainers steht die Keller-Elf zu unrecht auf Platz 16. Ganz unabhängig davon sei der VfB ohnehin gut beraten, „sich davon nicht beeinflussen zu lassen und Stärke zu demonstrieren“ – darin liege der Schlüssel zum Sieg.