VfB Stuttgart

Nach Abstieg: Hauen ihnen die Mitglieder ab?

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Timo Scheufler ist der Vorsitzende des VfB-Fanclubs Schwaikheim. © Christine Tantschinez

Schwaikheim. Der Schwaikheimer VfB-Fanclub „Bermuda Schwoiga“ hat über 150 Mitglieder. Sie sind nach dem Abstieg ihres Herzensclubs aus Bad Cannstatt gerade nicht zu beneiden. Verzeichnet der Fanclub nun einen Mitgliederschwund? Diese und zwei weitere Fragen stellten wir Timo Scheufler, dem 35-jährigen Vorsitzenden des Fanclubs.

Hat sich der Abstieg des VfB in die Zweite Bundesliga auch in Ihrem Fanclub durch Austritte bemerkbar gemacht?

Bei uns, und ich hoffe, dass das auch in anderen Fanclubs so ist, überhaupt nicht. Im Gegenteil. Seit dem Abstieg haben wir sechs Mitglieder dazugewonnen. In unserem Fanclub hatten wir auch sehr viele Anfragen, was Dauerkarten für die kommende Zweitligasaison betrifft. Dementsprechend haben auch mehr Mitglieder eine Dauerkarte als in der letzten Saison. Es kann sein, dass das an einer „Jetzt erst recht“-Einstellung liegt. Diese Einstellung war aber, glaube ich, beim Abstieg 2016 extremer. In diesem Jahr haben viele frühzeitig mit dem Abstieg gerechnet. Und man muss einfach auch sagen, dass der VfB es sich nach dieser Saison und der Punktzahl, die sie erreicht haben, mehr als verdient hat. Beim Relegationsspiel in Berlin hat man natürlich trotzdem bis zur letzten Sekunde gehofft, dass noch irgendwie ein Ball ins Tor rutscht.

Präsident Wolfgang Dietrich gilt in der Fanszene als strittig. Wie steht denn Ihr Fanclub, Bermuda Schwoiga, zu dem 70-Jährigen?

Da muss ich zuerst einmal sagen, dass wir im Fanclub über ihn unterschiedliche Meinungen haben. Bei unserem Sommerfest Anfang Juni war der VfB natürlich das Hauptthema und auch über Wolfgang Dietrich haben wir lange gesprochen. Ich würde sagen, dass etwa 60 Prozent aus unserem Fanclub gegen ihn sind und 40 Prozent für ihn. Wobei: Für Wolfgang Dietrich ist eigentlich niemand. Die 40 Prozent möchten durch einen Rücktritt oder eine Abwahl des Präsidenten bloß keine weitere Unruhe im Verein haben. Ich persönlich bin zwiegespalten. Unruhe möchte ich auch nicht, aber eigentlich gehört Dietrich weg. Es ist jetzt einfach zu viel passiert. Er hat sehr viel versprochen und sehr wenig von den Versprechungen gehalten. Durch Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und Trainer Tim Walter denke ich außerdem, dass der VfB eine gewisse Zeit ohne Präsident auskommen könnte, da alle anderen Positionen besetzt sind. Ich habe in letzter Zeit mit vielen Fans gesprochen und die meisten, egal, ob jung oder alt, meinten: Der Umbruch, den der VfB in seiner Mannschaft gerade vollzieht, ist super. Zu diesem Umbruch gehört allerdings auch ein neuer Präsident.

Schafft der VfB Ihrer Meinung nach den sofortigen Wiederaufstieg?

Die Hoffnung stirbt zuletzt ... Ich persönlich glaube, dass der VfB es in der nächsten Saison nicht schafft. Es wird sehr, sehr schwierig. Die Konkurrenz ist mit Hamburg, Nürnberg und Hannover deutlich höher als vor drei Jahren. Außerdem kommen meistens noch ein paar Mannschaften dazu, die man am Anfang der Saison nicht auf der Rechnung hatte. Der neue Trainer Tim Walter will mutig und offensiv spielen. Das finde ich gut und ich hoffe, dass es klappt. Nachdem die Verträge mit Christian Gentner, Dennis Aogo und Andreas Beck nicht verlängert wurden und Torwart Ron Zieler weg ist, sind jetzt doch viele junge und damit auch unerfahrene Spieler in der Mannschaft. Das finde ich gut. Aber ich denke, dass sich diese Unerfahrenheit auch bemerkbar macht. Ich rechne damit, dass der VfB am Anfang wenige Punkte holen wird, bis sie vielleicht in einen Lauf kommen. Es bleibt zu hoffen, dass die Aufstiegseuphorie dann noch nicht weg ist.