VfB Stuttgart

Nach Kieferbruch: So plant Kempf sein Comeback

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Hat nach seiner schweren Verletzung wieder gut lachen: VfB-Kapitän Marc Oliver Kempf. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Die linke Wange ist immer noch leicht geschwollen. „Aber es sah schon viel schlimmer aus“, versichert Marc Oliver Kempf. Der Kapitän des VfB Stuttgart war Anfang Februar im wo sich die ersten Befürchtungen bestätigten. Die schmerzhafte Diagnose: zwei Brüche am Kiefer, darunter ein Trümmerbruch und ein herausgerissener Zahn.

Hipp-Gläser, Suppen und pürierte Spiesen

Eine vierstündige OP im Stuttgarter Katharinenhospital und rund drei Wochen später absolvierte Kempf jetzt am Donnerstag (20.02.) wieder eine erste Laufeinheit auf dem Trainingsplatz. Mit vier Metallplatten und einem Draht zur Stabilisierung eines losen Zahns im Mund. In den ersten Tagen nach der Verletzung standen im Hause Kempf lediglich Suppe, Brei und pürierte Gerichte auf dem Speiseplan. „In der ersten Woche habe ich direkt zwei, drei Kilo abgenommen“, so der Verteidiger. Inzwischen gibt es wieder Pasta, weiches Gemüse und Kartoffeln. „Es gab auch ein paar Hipp-Gläser“, schmunzelt der Stuttgarter Kapitän. Neben der eingeschränkten Ernährung musste sich Kempf von seinen Teamkollegen auch den einen oder anderen Spruch anhören. Kempf: „Ich lisple immer noch ein bisschen. Da wurde direkt darauf rumgeritten, aber ich kann damit gut leben.“Von seinem Normalgewicht (88 Kilo bei 1,86 Meter Körpergröße) ist der Innenverteidiger mittlerweile nicht mehr weit entfernt. Mit leichtem Krafttraining, Stabi-Übungen und Radfahren hielt sich Kempf fit. Jetzt muss er die Trainingsumfänge langsam steigern und darauf achten, wie der Kiefer auf die Belastung reagiert bzw. die Heilung der Knochen voranschreitet. „Es wird jetzt relativ schnell gehen bis ich auf dem Platz wieder etwas mit dem Ball machen kann“, gibt der Ex-Freiburger eine optimistische Prognose im Hinblick auf sein Comeback. In dreieinhalb Wochen will er wieder voll belastbar sein.

Eine Gesichtsmaske ist keine Option

Doch wie reagiert der Kopf auf eine so schmerzhafte Verletzung? Kann sich ein Abwehrspieler mit frischverheiltem Kieferbruch direkt wieder voll in waghalsige Kopfballduell knallen? „Die ersten Tage waren schon ein bisschen schwierig. Die Beweglichkeit meines Kopfs war auch beeinträchtigt“, sagt Kempf, „ich hatte Angst, dass mich jemand im Gesicht oder am Kopf berührt.“ Er hofft, dass er „relativ schnell wieder Fuß fassen werde und keinerlei Beeinträchtigungen habe. Aktuell sehe ich kein Problem.“ Eine Maske, wie sie häufig nach Nasen- oder Jochbein-Brüchen getragen wird, sei keine Option. „Wir haben das angefragt, aber es ist nicht machbar“, so Kempf.

Die letzten Spiele der Mannschaft hat der Kapitän von der Couch bzw. der Haupttribüne aus verfolgt. „Wichtig ist im Moment, dass wir einfach die Punkte sammeln“, sagt Kempf, „mit zehn Punkten aus vier Spielen sind wir gut aus der Pause gekommen.“ Kempfs Kollegen in der Defensive verrichteten in seiner Abwesenheit bisher einen soliden Job. In den ersten vier Ligaspielen des Jahres gab es lediglich einen Gegentreffer. „Das liest sich ganz gut so weit“, findet Kempf. Trainer Pellegrino Matarazzo habe in der Vorbereitung den Fokus mehr auf die Abwehrarbeit gelegt – und auch das System umgestellt. „Das kommt uns zugute.“

Aktuell spielen Atakan Karazor und Nathaniel Phillips in der Stuttgarter Abwehrzentrale. In den nächsten Wochen werden mit Kempf, Marcin Kaminski (nach Kreuzbandriss) und Holger Badstuber (nach Adduktorenverletzung) nach und nach drei Innenverteidiger wieder spielfit. Ergibt sich daraus ein Problem? Nein, sagt Kapitän Kempf, der die Konkurrenzsituation in der Innenverteidigung durchweg positiv bewertet: „Das gefällt mir. Marcin und Holger haben unheimliche Qualität, die könnten ohne weiteres in der 1. Liga spielen. Es ist wichtig, dass wir solche Spieler in unseren Reihen haben.“