Russischer Angriffskrieg

Marktforscher: Digitalbranche in Russland schrumpft stark

Hochleistungscomputer
Ein Hochleistungscomputerin Stuttgart. In Russland ist die einst aufstrebende Digitalbranche seit dem Angriff auf die Ukraine spürbar eingebrochen. © Sebastian Gollnow

Berlin (dpa) - Die Digitalbranche in Russland ist nach dem Angriff auf die Ukraine eingebrochen. Die Umsätze der russischen IT- und Telekommunikationsunternehmen sanken nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens IDC um ein Viertel (25,1 Prozent). Der Digitalverband Bitkom veröffentlichte die Analyse am Donnerstag.

Vor dem Krieg galt die IT- und Telekommunikationsindustrie in Russland als ein aufstrebender Bereich. In den Vorjahren war der russische ITK-Markt regelmäßig stark gewachsen, 2021 sogar um fast 15 Prozent. Unternehmen wie der russische IT-Sicherheitskonzern Kaspersky waren auch international erfolgreich.

«Mit dem Angriffskrieg auf die Ukraine hat Russland seine IT- und Telekommunikationsbranche auf Talfahrt geschickt», sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Russland habe sich auch in der digitalen Welt zum Paria gemacht und von den globalen Innovationen abgeschnitten. «Der Trend zur digitalen Verzwergung Russlands wird sich fortsetzen. Allein Hacker haben in Russland noch Konjunktur.» Mit dem Exodus zig Tausender IT-Expertinnen und -Experten habe Russland auf absehbare Zeit keine Möglichkeit mehr, digital Anschluss zu finden.

Auch für das laufende Jahr rechnet der BItkom mit einem weiteren Rückgang. 2023 werde die russische Digitalbranche um voraussichtlich 5,6 Prozent schrumpfen. Lagen die Umsätze 2021 noch bei 43,4 Milliarden Euro, so waren es 2022 nur noch 32,5 Milliarden Euro und für 2023 werden noch 30,6 Milliarden Euro erwartet.

International befindet sich die Digitalbranche dagegen auf einem Wachstumskurs: Nach der aktuellen Bitkom-Prognose wird der ITK-Weltmarkt 2023 voraussichtlich um 4,8 Prozent auf 4,33 Billionen Euro wachsen. Im laufenden Jahr wird der Anteil Russlands am ITK-Weltmarkt auf nur noch 0,8 Prozent sinken, nach 1,1 Prozent 2021. Zum Vergleich: Die USA kommen auf 35,7 Prozent, die EU ohne Deutschland auf 11,8 Prozent und Deutschland auf 4,2 Prozent.