Netzwelt

Microsoft Solitaire wird 30 Jahre alt - und immer noch gespielt

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Zum ersten Mal Solitaire: Am 22.05.1990 kam Windows 3 heraus - und mit ihm eines der meistgespielten Videospiele der Welt. © Microsoft

Ob in der Mittagspause, zwischen zwei Meetings oder eine kleine Partie nach Feierabend - das Software-Kartenspiel "Solitaire" haben Millionen von Menschen gespielt. Und um die 35 Millionen Menschen spielen es nach Angaben von Microsoft heute noch. Kein Wunder, wer einen Windows-PC nutzte, ob privat oder beruflich, fand es bereits vorinstalliert auf dem Betriebssystem vor. Es benötigte dank seiner einfachen Grafik kaum Speicherplatz, war sehr einfach und schnell zu lernen. Legendär war die spezielle Animation zum Schluß des Spieles, wenn die Kartendecks in unendlichen Schleifen über den Bildschirm hüpften.

Eigentlich ein Lernprogramm

Tatsächlich war das Spiel als Lernhilfe für die 1990 mit Windows 3.0 eingeführte Mausbedienung gedacht. Was McIntosh-Nutzer schon kannten, war für viele Windows-Nutzer brandneu. Das Kartenspiel sollte auf einfache Art vermitteln, wie man mit der Maustaste etwas anklicken und bewegen kann - in dem Fall Karten, die richtig sortiert werden müssen. Eine Art Drag n`Drop-Kurs also. 

Auf über hundert Milliarden Computern im Einsatz

Microsoft Solitaire ist seitdem eines der meistgespielten Computer-Spiele der Welt und in die "World Video Game Hall of Fame" aufgenommen. Es kam zwei Jahrzehnte lang vorinstalliert auf jeden Windows-PC mit - also auf über einhundert Milliarden Computern - und wurde erst ab Windows 8 nicht mehr standardmäßig ausgeliefert. Aber, die Mittagspause ist trotzdem gerettet: Heute kann man es als App sogar auf Android- oder iOS-Smartphones laden und auf dem Webbrowser spielen. 

"Boss-Mode" als Jobretter?

Ein Praktikant namens Wes Cherry hatte es ursprünglich programmiert, und Gafikdesignerin Susan Keer verlieh ihm den speziellen Look. Cherry hatte ursprünglich sogar eine Art "Boss Mode" eingebaut, eine Art Verschleierungscover mit einem Datenblatt, damit Chefs und Kollegen nicht sauf den ersten Blick merkten, dass da ein Kartenspiel gezockt wurde. Leider wurde es wieder aus dem Programm entfernt - wer weiß, wie viele Karrieren dieser "Boss Mode" sonst gerettet hätte. Einer jedenfalls, der durch zu viel Solitaire-Spielen einst öffentlichkeitswirksam seinen Job verlor, war ein Mitarbeiter des New Yorker Bürgermeisters Michael Bloomberg.