VfB Stuttgart

„Nicht unsere Kragenweite“: Die Lehren aus dem Dortmund-Spiel

Mario Gomez gegen Borussia Dortmund_0
Mario Gomez nach dem 0:3 in Dortmund: „Auch wenn hier etwas drin war, ist Dortmund nicht unsere Kragenweite. Hannover und Bremen sind es.“ © ZVW/Danny Galm

Dortmund. Sommerliche Temperaturen, ein ausverkauftes Stadion und eine mutige Anfangsphase: Eigentlich war alles angerichtet für einen - aus VfB-Sicht - erfolgreichen Nachmittag im Dortmunder Fußball-Tempel. Dennoch kassierte der Aufsteiger erstmals unter Trainer Tayfun Korkut eine Niederlage. Die Gründe dafür: Ein Dortmunder „Glückstreffer“ und die mangelnden Durchschlagskraft in der Offensive. 

Das 0:3 gegen Borussia Dortmund wird den VfB Stuttgart aber nicht aus der Bahn werfen. Selbst wenn es die bislang höchste Saisonniederlage war. Auch das Ende der Erfolgsserie von zuvor acht Spielen ohne Niederlage unter Trainer Tayfun Korkut wird von den Verantwortlichen nicht zu hoch gehängt. „Uns war immer klar, dass wir auch mal ein Spiel verlieren werden“, sagte beispielsweise Sportvorstand Michael Reschke.

Gomez: „Dortmund ist nicht unsere Kragenweite“

Stürmer Mario Gomez wollte die Niederlage im Signal Iduna Park realistisch eingeordnet wissen: „Auch wenn hier etwas drin war, ist Dortmund nicht unsere Kragenweite. Hannover und Bremen sind es.“ Sein Kapitän Christian Gentner sprach von einem „brutalen“ Ergebnis. Brutal, weil der Aufsteiger mutig und forsch die Anfangsphase vor über 80.000 Zuschauern dominiert hatte.

„Wir haben gut angefangen, richtig gut gespielt und zu wenig daraus gemacht“, bilanzierte Gentner. Den Dortmundern, denen das 0:6 in München noch merklich in den Knochen steckte, kaufte der VfB durch sein aggressives Pressing in den ersten 30 Minuten den Schneid ab. 

Diese „Feldüberlegenheit“ (VfB-Trainer Korkut) konnten die Schwaben allerdings nicht in Torgefahr ummünzen. Dann kam Christian Pulisics’ verunglückte Flanke (38.) und das Spiel stand auf dem Kopf. „Das 0:1 war ein Glücksschuss. Den hat er so nicht gewollt“, beschrieb VfB-Keeper Ron-Robert Zieler das kuriose BVB-Führungstor. Die Stöger-Elf nutzte die Gunst der Stunde und trat vor der Halbzeit aufs Gaspedal. 

Badstuber: „Bei vielen Standards waren wir zu schlampig“

Kurz nach dem Wiederanpfiff erhöhten die Gastgeber auf 2:0 (48./Batshuayi) und wenig später erzielte der spielstarke Maximilian Philipp das dritte Dortmunder Tor (59.). Von diesen beiden Nackenschlägen erholten sich die Stuttgarter nicht mehr.

„Nach dem 0:2 hatten wir nicht mehr die Power, um zurückzukommen“, analysierte Christian Gentner im Nachgang. Der Stuttgarter Kapitän bemängelte zudem selbstkritisch das fehlerhafte Umschaltverhalten seiner Mannschaft: „Das waren wir nicht sauber genug.“ 

Abwehrspieler Holger Badstuber identifizierte auch die Stuttgarter Standardschwäche als weiteres Problemfeld: „Bei vielen Standards waren wir zu schlampig. Wir hatten zig Freistöße und nichts ist daraus geworden“, grantelte der gebürtige Memminger.

Die zweitschlechteste Offensive der Liga

Unter dem Strich lieferte das Duell mit dem Tabellendritten für Trainer Korkut zwei Erkenntnisse: Zum einen kann der VfB, wenn er mutig und aggressiv spielt, selbst auswärts einem Champions-League-Aspiranten Probleme bereiten, zum anderen knirscht es nach wie vor im Offensivspiel. 

Mit mageren 26 Saisontoren stellen die Roten gemeinsam mit dem SC Freiburg hinter dem HSV (23 Tore) die zweitschlechteste Offensive der Liga. 

Vor allem an Kreativität und Durchschlagskraft fehlte es der Korkut-Elf, die sich - wie viele andere Bundesligisten auch - auf ein relativ schnörkelloses Konterspiel und/oder lange Bälle in Richtung der beiden Stoßstürmer Mario Gomez und Daniel Ginczek eingestellt hat. Selbst die nicht immer sattelfeste BVB-Abwehr brachte der harmlose Schwaben-Sturm so kaum in Bedrängnis. 

Einwechslungen brachten keine neuen Impulse

Auch die Einwechslungen verhalfen dem VfB in Dortmund nicht zu einer Sturm-und-Drang-Phase. Die beste Stuttgarter Torchance endete an der Torlatte - und war bezeichnenderweise ein seltener Distanzschuss von Mario Gomez (85.).

Hier mangelt es dem VfB-Kader ein wenig an Substanz. Weder der eingewechselte Jacob Bruun Larsen, noch Berkay Özcan konnten neue Impulse setzen. Vor dem Spiel hatte Korkut seine zweite Reihe noch in die Pflicht genommen: „Wir haben auch Abschlüsse von unseren offensiven Mittelfeldspielern, aber da gilt es noch einen draufzusetzen, damit wir noch torgefährlicher werden und uns nicht nur auf unsere Spitzen verlassen.“

In Dortmund war davon wenig zu sehen. Am nächsten Samstag geht es in der heimischen Arena gegen Mitaufsteiger Hannover 96 (Samstag/15.30 Uhr). Dann soll endlich die ominöse 40-Punkte-Marke geknackt werden, bevor im Schlussspurt mit  Bremen (H), Leverkusen (A), Hoffenheim (H) und Bayern (A) noch vier dicke Brocken auf den VfB warten.