Grünen-Politiker

Palmer kritisiert nach Facebook-Post «Empörungsrituale»

Boris Palmer
«Es geht hier um etwas viel Größeres als nur um einen Satz», sagt Grünen-Politiker Boris Palmer in einem Interview. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Tübingen (dpa) - Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer will sich für seine umstrittenen Äußerungen allenfalls bei Fußballer Dennis Aogo entschuldigen - sonst nicht.

«Diese Entschuldigungsforderungen sind ja Teil der Empörungsrituale, mit denen versucht wird, Leute mundtot zu machen», sagte der Grünen-Politiker in einem online veröffentlichten Interview der Wochenzeitung «Die Zeit».

«Es geht hier um etwas viel Größeres als nur um einen Satz. Es geht um die Cancel-Culture, in der ich eine ernsthafte Bedrohung für die offene Gesellschaft sehe.» Er halte seinen Kopf aber aufrecht und wolle den Kommentar bei Facebook auch nicht löschen. «O Gott, nein! Das wird mir nachher noch als Schuldeingeständnis ausgelegt.»

Mit Cancel Culture wird der Ausschluss von Personen oder Organisationen wegen Beleidigungen oder Diskriminierung bezeichnet.

Palmer hatte in einem Beitrag über den früheren Nationalspieler Aogo, der einen nigerianischen Vater hat, das sogenannte N-Wort benutzt. Mit diesem Begriff wird heute eine früher in Deutschland gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Die Grünen wollen ihn nun aus der Partei ausschließen.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hatte am Montagabend in der ZDF-Sendung «Was nun?» gesagt: «Ich finde, dass diese Äußerung rassistisch ist und wirklich abstoßend ist und dass er sich dafür entschuldigen hätte müssen.» Weil Palmer das nicht getan hat, habe sie als Parteivorsitzende klar und deutlich Position bezogen.

Der 48-Jährige sagte der «Zeit», sollte Aogo seine «satirische Bemerkung» als beleidigend empfinden, entschuldige er sich bei ihm dafür. «Ich vermute, dass er das nicht verlangen wird.»

«Ich gebe zu: Das war ein misslungener Satireversuch», sagte Palmer. Aus seiner Sicht sei die Überspitzung offensichtlich gewesen. «Erst als ein einzelner Satz abfotografiert wurde und ohne den Kontext auf Twitter zirkulierte, wurde der virtuelle Lynchmob aktiviert.»

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