Ein Monat nach Explosion

Beirut hält den Atem an - Retter suchen nach Überlebendem

Nach der schweren Explosion in Beirut
Libanesische und chilenische Rettungskräfte suchen in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes, nachdem sie Signale erhalten haben, dass es einen Überlebenden geben könnte. Foto: Hussein Malla/AP/dpa © Hussein Malla

Beirut (dpa) - Beirut hält den Atem an: Einen Monat nach der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt geht die Suche nach einem möglichen Überlebenden unter einem eingestürzten Haus weiter.

Die Rettungskräfte wollen über drei Tunnel durch die Trümmer zu dem Opfer gelangen. Bislang könne weder bestätigt noch ausgeschlossen werden, dass dort noch ein Verschütteter sei, sagte der Leiter des chilenischen Rettungsteam «Topos» («Maulwürfe»), Francisco Lermanda, am Freitagabend.

Allerdings schwand die Hoffnung, je länger die fieberhafte Suche andauerte. Das chilenische Rettungsteams habe bei den letzten Tests mit den Ortungsgeräten am Nachmittag und am Abend nichts gehört, sagte der libanesische Ingenieur Riad al-Assad, der an den Rettungsarbeiten beteiligt ist, dem libanesischen Sender LBCI.

Seinen Angaben zufolge wollen die Retter am Samstagmorgen damit anfangen, zu einer weiteren Trümmerschicht vorzudringen. Das chilenische Rettungsteam habe 48 Stunden am Stück gearbeitet, sagte Al-Assad. «Wir sind alle todmüde und brauchen eine Pause.»

Mit einem Kran, Schaufeln und Händen räumten die chilenischen und libanesische Einsatzkräfte den ganzen Freitag über die Trümmer des Hauses weg. «Wir werden unsere Arbeit fortsetzen, bis wir die Präsenz einer Person bestätigen oder ausschließen können», sagte Lermanda.

Am Abend gedachte die Stadt mit einer Schweigeminute und Mahnwache der Opfer der Katastrophe. Viele Menschen hielten um 18.07 Ortszeit (17.07 MESZ) - dem Zeitpunkt der Detonation - für eine Minute inne. Autos stoppten. Im Hafen gaben Soldaten der Armee Salutschüsse ab. Geistliche verschiedener Religionen des multikonfessionellen Landes beteten im Beisein von Angehörigen für die Opfer. Glocken läuteten.

Lermanda zufolge hatte am Vortag zunächst der Suchhund «Flash» einen Geruch bemerkt, der auf einen Menschen unter den Trümmern hinweisen könnte. Mit Hilfe von Ortungsgeräten sei eine «sehr schwache Atmung» ausgemacht worden, «anfangs zwischen 18 und 20 Atemzügen pro Minute». Spezialisten zufolge liege die Person in etwa drei Meter Tiefe.

Der Suchhund «Flash» habe während einer Inspektionstour in dem Gebiet plötzlich angeschlagen und sei zu dem Gebäude gelaufen, sagte Eddy Bitar, Mitbegründer der libanesischen Initiative «Live Love Beirut», die die Rettungsarbeiten unterstützt. Viele Libanesen feierten das Tier in den sozialen Medien als Helden.

Aufnahmen eines Laserscanners von zwei verschütteten Räumen dämpften am Freitag jedoch die Hoffnung, nach dieser langen Zeit tatsächlich noch einen Überlebenden zu finden. «Alles, was wir sehen können, ist Schutt», sagte ein Experte dem libanesischen Sender LBCI. «Wenn jemand hier wäre, dann wäre das ziemlich klar.» Es handele sich dabei aber nur um ein vorläufiges Ergebnis.

«Wir hoffen auf ein Wunder», sagte eine Frau, die in der Nachbarschaft lebt und die Rettungsarbeiten verfolgte. Journalisten und andere Beobachter wurden am Freitag mehrfach gebeten, ihre Mobiltelefone auszuschalten, damit ein Ortungsgerät des chilenischen Rettungsteams nicht gestört wird.

Das einst dreistöckige Gebäude, in dessen Erdgeschoss eine Bar war, liegt nur wenige Hundert Meter vom Explosionsort im Hafen entfernt. Die oberen Etagen des Hauses sind größtenteils eingestürzt.

Bei der Explosionskatastrophe am 4. August waren mindestens 190 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 6000 verletzt worden. Der Hafen und große Teile der umliegenden Wohngebiete wurden massiv zerstört. Bis zuletzt wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums noch sieben Menschen vermisst.

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