Ostafrika

Heuschrecken-Plage: Experten warnen vor neuer Welle

Heuschrecken-Plage
Ein Schwarm Wüstenheuschrecken von etwa einem Quadratkilometer kann an einem Tag so viel fressen wie 35.000 Menschen. Foto: Joseph Ochieng/Welthungerhilfe/dpa © Joseph Ochieng

Nairobi (dpa) - Mehr als ein Jahr nach Beginn der Heuschrecken-Plage in Ostafrika warnen Experten vor einer womöglich noch verheerenderen neuen Welle.

«In Kenia ist die Lage schlimmer als im vergangenen Jahr», sagte Kenneth Mwangi vom ostafrikanischen Klimazentrum ICPAC der Deutschen Presse-Agentur. Diesmal hätten mehr Bezirke als im Vorjahr von den Heuschrecken berichtet und mehr landwirtschaftliche Gebiete seien betroffen. Die größte Angst sei, dass die Heuschrecken nun mehr Platz finden würden, um Eier zu legen. «Das bedeutet, dass mit der neuen Regenzeit eine größere neue Generation schlüpfen könnte.»

Ende 2019 erlebte Ostafrika die seit Jahrzehnten schlimmste Plage von Wüstenheuschrecken. Millionen der Insekten fielen über Landstriche her und zerstörten Äcker und Weiden. Die Folgen einer solch massiven Verbreitung können immens sein: Ein Schwarm Wüstenheuschrecken von etwa einem Quadratkilometer kann an einem Tag so viel fressen wie 35.000 Menschen. Vor allem Kenia, Äthiopien und Somalia waren schwer betroffen, aber auch die arabische Halbinsel und Pakistan.

Die Plage war bislang schwer in den Griff zu bekommen. Zum einen hat es in Ostafrika 2019 und 2020 viel geregnet, was zu mehr Vegetation und somit mehr Futter für die Insekten führte. Zum anderen konnten sich die Heuschrecken weit ausbreiten: Als ausgewachsene Tiere können die Insekten mit günstigem Wind mehr als 130 Kilometer am Tag fliegend zurücklegen. In Ländern wie Somalia ist die Bekämpfung der Heuschrecken wegen der Konflikte besonders schwer. Außerdem hat die Corona-Krise den Kampf monatelang erschwert.

In diesem Jahr seien die Insekten weniger zahlreich und die Schwärme kleiner als im vergangenen Jahr, sagte Keith Cressman, Experte für Heuschrecken bei der UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO). Das liegt unter anderem an den für die Heuschrecken weniger günstigen Wetterbedingungen: Die vergangenen Monate waren in Ostafrika deutlich trockener als die gleichen Monate im Vorjahr.

Das wird sich aber bald ändern, denn Ostafrika steht nun kurz vor einer langen Regenzeit. Für Bauern ist das die Zeit, in der sie ihre Felder bepflanzen. Das ist für die Heuschrecken sehr günstig, wie Mwangi erklärt. Zum einen brauchen die Insekten demnach feuchte sandige Erde, um ihre Eier zu legen. Zum anderen würden dann die neu geschlüpften Heuschrecken junge Pflanzen als Futter auf den Feldern vorfinden. «Wir glauben, dass dieses Jahr ein größeres Risiko für die Ernte besteht als im vergangenen Jahr», sagt Mwangi - nicht nur in Kenia sondern auch in Äthiopien.

Humanitäre Helfer schlagen daher Alarm. «Wir sind sehr besorgt über die Lebensgrundlagen und die betroffenen Menschen», sagt Celia Breuer von der Welthungerhilfe in Kenia. Denn die Menschen in Ostafrika kämpfen mit mehreren Krisen: Viele seien bereits von der ersten Heuschrecken-Invasion betroffen gewesen, sagte Breuer. Zudem leiden die Bewohner demnach immer wieder unter extremen Wetterbedingungen - von Dürren bis Überschwemmungen - sowie unter der Corona-Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen.

Zwischen August und September 2020 hatten in Kenia ohnehin rund 1,8 Millionen Menschen nicht genug zu Essen, wie Zahlen zur Ermittlung der Nahrungsmittelunsicherheit weltweit zeigen. Für die Bewohner des Landes sei die kommende Regenzeit «ein zweischneidiges Schwert», sagte Breuer: Die Menschen bräuchten den Regen für ihre Ernte, doch zugleich würde der Regen die Heuschreckenplage befeuern.

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