Europol

Organisiertes Verbrechen breitet sich in der EU weiter aus

Waffe
Laut Europol war die Bedrohung der EU und ihrer Bürger durch das organisierte Verbrechen noch nie so groß wie jetzt. Foto: Jan-Philipp Strobel/picture alliance/dpa © Jan-Philipp Strobel

Lissabon (dpa) - Das organisierte Verbrechen breitet sich nach einem Bericht von Europol immer weiter in der Europäischen Union aus und durchdringt das legale Leben.

Noch nie sei die Bedrohung der EU und seiner Bürger so groß gewesen, warnt die europäische Polizeibehörde am Montag in einer in Lissabon vorgelegten Analyse des organisierten Verbrechens. Mit Drogen- und Menschenhandel, Cybercrime und Betrug würden Milliarden verdient. Die Banden würden auch immer gewalttätiger.

Der umfassende Bericht, der alle vier Jahre erstellt wird, wurde in Lissabon gemeinsam mit der derzeitigen portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft präsentiert.

Deutlich wird nach der Analyse, wie eng die Unterwelt mit der legalen Welt verwoben ist. Netzwerke seien wie Wirtschaftsunternehmen organisiert, mit verschiedenen Management-Ebenen. Mehr als 80 Prozent nutzten legale Geschäftsstrukturen und mehr als 60 Prozent der Banden auch regelmäßig Korruption als Mittel. Die Geldwäsche sei professionell organisiert und ein paralleles Finanzsystem der Unterwelt errichtet worden. Banden würden alle Möglichkeiten nutzen, um europäische Volkswirtschaften zu unterlaufen. Die Folgen seien gravierend, warnte EU-Kommissarin Ylva Johansson. «Das organisierte Verbrechen bedroht unsere Wirtschaft, Gesellschaft, den Rechtsstaat und die Demokratie.»

Das organisierte Verbrechen macht innerhalb der EU und pro Jahr nach Schätzungen von Europol einen Profit von 140 Milliarden Euro. Nur ein Prozent der Vermögenswerte aus kriminellen Handlungen würde von Ermittlern aufgespürt und konfisziert.

Europol warnt zudem davor, dass Kriminelle die Corona-Pandemie und die langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Folgen ausnutzen würden. Dies könnten «ideale Bedingungen» für Verbrecher sein, um Bürger, Unternehmen und öffentliche Instanzen ins Visier zu nehmen, sagte Europol-Chefin De Bolle. So würden Banden die Chance ergreifen und etwa Restaurants übernehmen, die durch die Krise in Konkurs gegangen seien. Verbrecher würden Impfstoffe und Medikamente fälschen und die Ängste der Menschen ausnutzen. Die Europol-Chefin wies auch auf die zunehmende sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet während der Pandemie hin.

Auf der Grundlage von tausenden von Fällen und Daten von Ermittlern und Sicherheitsdiensten aus der EU erstellten die Europol-Experten die umfassende Analyse. 70 Prozent der Banden sind demnach in mindestens drei EU-Staaten aktiv. Gut 40 Prozent der Banden sind aktiv im Drogenhandel, das weitaus größte kriminelle Geschäft in der EU. Die Union ist dem Bericht zufolge inzwischen der größte Markt für Kokainhandel aus Südamerika, auch Produktion und Handel von synthetischen Drogen habe zugenommen.

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