Warten auf «Brems-Effekte»

Rekord von fast 20.000 Neuinfektionen in Deutschland - Zahl der schweren Corona-Fälle steigt

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Krankenhaus-Bett
Ein Krankenhausbett zur Behandlung von Corona-Patienten in einer Behelfsklinik. Foto: Peter Steffen/dpa © Peter Steffen
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Corona-Schutz
«Mundschutz tragen» lautet die Devise - denn die Zahlen der Neuinfektionen sind weiterhin hoch. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa © Hauke-Christian Dittrich

Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat mit 19 990 Fällen binnen eines Tages einen bisherigen Höchstwert erreicht. Dies ging aus Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstagmorgen hervor. Den bislang höchsten Wert seit Beginn der Pandemie hatte das RKI am vergangenen Samstag mit 19 059 Fällen gemeldet. Am Donnerstag vor einer Woche lag die Zahl bei 16 774.

Insgesamt haben sich dem RKI zufolge seit Beginn der Pandemie bundesweit 597 583 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert (Stand: 05. 11., 00.00 Uhr). Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus stieg bis Donnerstag um 118 auf insgesamt 10 930. Das RKI schätzt, dass rund 391 600 Menschen inzwischen genesen sind.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag in Deutschland laut RKI-Lagebericht am Mittwoch bei 0,81 (Vortag: 0,94). Das heißt, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Zudem gibt das RKI in seinem Lagebericht ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Der Wert bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Mittwoch bei 0,92 (Vortag: 0,98). Er zeigt das Geschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Zahl der schweren Corona-Fälle steigt

In der zweiten Corona-Welle in Deutschland nehmen schwere Fälle zu. Die Zahl der registrierten Toten im Zusammenhang mit dem Virus erhöhte sich innerhalb eines Tages deutlich um 151 auf nun insgesamt 10.812, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit.

Das ist nach RKI-Angaben der höchste Anstieg binnen 24 Stunden seit dem 6. Mai. Auch in Intensivstationen der Krankenhäuser werden - wie befürchtet - zusehends mehr Corona-Patienten behandelt. Die Zahl neuer Infektionen bleibt vorerst hoch. Politik und Mediziner diskutieren über mehr Schutz für das Gesundheitspersonal und Risikogruppen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat als Ziel ausgegeben, wieder in eine Region von 50 Infektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner zu kommen. Dann könnten Gesundheitsämter Kontakte infizierter Menschen nachverfolgen. Aktuell liegen beim RKI 41 Mitteilungen zu Engpässen dabei von Gesundheitsämtern vor, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Die Bundeswehr hilft laut Verteidigungsministerium derzeit mit 5350 Soldaten, etwa in Gesundheitsämtern und bei Corona-Tests.

Auf einen zumindest leicht gebremsten Anstieg könnten erste Anzeichen hindeuten. Die Reproduktionszahl (R-Wert) lag laut RKI-Lagebericht am Mittwoch bei 0,81 (Vortag: 0,94). Das heißt, dass ein Infizierter im Mittel etwas weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert am Mittwoch bei 0,92 (Vortag: 0,98). Er zeigt das Geschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

Ob das leichte Sinken der R-Werte ein stabiler Trend oder eine Schwankung sei, könne man noch nicht sagen, hatte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag gesagt. Um in eine wieder kontrollierbare Lage zu kommen, müsse die Reproduktionszahl weiter sinken und eine längere Zeit deutlich unter 1 liegen, bei 0,7 oder noch niedriger. Daten des Corona-Monitors des Bundesinstituts für Risikobewertung hatten gezeigt, dass sich die Befragten schon in der vergangenen Woche vorsichtiger als zwei Wochen zuvor verhielten. Bis sich Effekte des Teil-Lockdowns zeigen, dauert es wegen der Zeit von Ansteckung zu Symptomen, Test und Erfassung nach RKI-Angaben zwei bis drei Wochen.

Seit Anfang September steigt der Anteil älterer Menschen unter den Covid-19-Fällen laut RKI wieder. Das sei «besorgniserregend, da diese Personen schwerer an Covid-19 erkranken, ein höheres Sterberisiko haben und häufiger eine intensivmedizinische Therapie benötigen». Die Zahl intensivmedizinisch behandelter Covid-19-Fälle hat sich demnach in den vergangenen zwei Wochen von 879 Patienten (20.10.) auf 2388 Patienten (3.11.) fast verdreifacht. Aktuell waren im entsprechenden Register bundesweit etwa 7200 noch belegbare Intensivbetten erfasst.

Die SPD dringt auf einen gesicherten Schutz der Mitarbeiter im Gesundheitswesen. «Wir müssen verhindern, dass das Gesundheitssystem dadurch zusammenbricht, dass das Personal der Gesundheitsämter, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser ausfällt», sagte Fraktionsvize Bärbel Bas. Im Land Bremen sollen Risikogruppen von Mitte November an kostenlose FFP2-Masken erhalten. «Gedacht sind die Masken für ältere Bürgerinnen und Bürger, also ab 65 Jahre aufwärts, und für Menschen mit Vorerkrankungen», sagte Senatssprecher Christian Dohle.

Generell nur Risikogruppen vor dem Virus zu schützen, wäre aus Sicht der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek weder möglich noch machbar. Das RKI liste Vorerkrankungen auf, die ein Risiko für einen besonders schweren Verlauf haben. Lege man diese Liste zugrunde, seien das 21,9 Millionen Menschen, sagte Ciesek im NDR-Podcast (Dienstag). «Wenn man sich jetzt mal überlegt was das bedeutet: 21,9 Millionen Menschen sollen geschützt werden vor den restlichen 60 Millionen, dann glaube ich merkt man, wie irrsinnig und wie schwierig das ist.»

© dpa-infocom, dpa:201104-99-202424/6