Umfrage

Was halten die Österreicher wirklich von Deutschland?

Brandenburger Tor
Während der blauen Stunde ist das Brandenburger Tor beleuchtet. (Archivbild). Foto: Christophe Gateau/dpa © Christophe Gateau

Wien (dpa) - Könnten Sie sich vorstellen, eine Partnerschaft mit einem Deutschen/einer Deutschen einzugehen? Für drei von vier Österreichern ist das kein Problem, aber immerhin 23 Prozent sagen «eher nicht» oder «sicher nicht».

Das ist eine der zahlreichen Erkenntnisse einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Deutschen Botschaft in Wien, die das Stimmungsbild der Österreicher beim Blick auf den großen Nachbarn beleuchtet.

«Es handelt sich um eine Art Pionierarbeit», sagt der deutsche Botschafter Ralf Beste. Als gründlich, verlässlich, freundlich, direkt, aber auch rechthaberisch würden die Deutschen in Österreich oft empfunden. Und: Ausgerechnet in den bei Urlaubern beliebten Gebieten wie Tirol ist die Haltung eher kritisch. «Die Zahl derer, die die Deutschen sympathisch finden, nimmt nach Osten hin zu», so Beste.

Österreicher unterscheiden zwischen Deutschen und Bayern

Die Österreicher machen dabei einen großen Unterschied zwischen den Deutschen und den Bayern. Während 78 Prozent der befragten Österreicher der Meinung sind, dass die Deutschen anders ticken, fällt dieser Wert mit Blick auf die benachbarten Bayern auf 32 Prozent.

Viele geben aber zu, dass sie Deutschland gar nicht so gut kennen. Laut Umfrage bezeichnen nur drei von zehn Befragten ihren Wissensstand über Politik, Kultur und Gesellschaft des Nachbarn als «gut» oder «sehr gut». Attraktiv finden die Österreicher vor allem die Städte. Auf der Hitliste ganz oben stünden München, Berlin und Hamburg, mit weitem Abstand gefolgt von Köln, sagt Beste.

Generell wird Deutschland von den Österreichern vor allem als Nachbar, Partner, Freund, Verbündeter oder gar Vorbild gesehen. Nur eine kleine Minderheit denkt den Angaben zufolge an Begriffe wie «Rivale», «abschreckendes Beispiel», «Problem» oder «Gegner».

Gemeinsame Initiativen in der EU positiv bewertet

Eine aus seiner Sicht durchaus angenehme Überraschung sei, dass 70 Prozent der Befragten es für gut hielten, wenn die beiden Länder gemeinsame Initiativen in der EU starteten, meinte Beste. In den vergangenen Jahren hat sich Deutschland aus Sicht der Österreicher verändert - und zwar eher negativ. Dabei spielt unter anderem eine Rolle, dass die Migrationspolitik als zu links/liberal/offen wahrgenommen wird, wie aus den Antworten hervorgeht.

Ein Auswandern nach Deutschland aus beruflichen Gründen kommt für die Mehrheit der Österreicher (55 Prozent) eher nicht oder gar nicht in Frage. Die Deutschen ihrerseits sind die größte Gruppe unter den Ausländern in Österreicher: 235.000 Deutsche haben ihren Erstwohnsitz zwischen Bodensee und Neusiedlersee.

Laut Umfrage stimmt jeder fünfte Österreicher der Aussage zu, es würden zu viele Deutsche im Land leben. Generell gelte: Je älter und gebildeter die Menschen seien, desto positiver sei ihr Deutschland-Bild, hieß es.

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