Kriminalität

Wochenlang vermisstes Mädchen in Australien gefunden

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Vermisstes Mädchen in Australien gefunden
«Wir haben nach der Nadel im Heuhaufen gesucht, und wir haben sie gefunden»: Die vierjährige Cleo Smith war mehr als zwei Wochen verschwunden. Foto: Supplied/WESTERN AUSTRALIA POLICE/AP/dpa © Supplied
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Vermisstes Mädchen in Australien - gefunden
Cleos Mutter, Ellie Smith, schrieb auf Instagram: «Unsere Familie ist wieder vollständig.». Foto: Supplied/WESTERN AUSTRALIA POLICE/dpa © Supplied
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Vermisstes Mädchen
Blick über Carnarvon, 900 km nördlich der Hauptstadt Perth. Foto: Richard Wainwright/AAP/dpa © Richard Wainwright
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Vermisstes Mädchen
Polizisten stehen Wache vor dem Haus, in dem das vermisste Mädchen von der Polizei gerettet wurde. Foto: Richard Wainwright/AAP/dpa © Richard Wainwright
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Verschwundene Vierjährige
Ellie Smith (l) und ihr Partner Jake Gliddon zeigen ein Foto ihrer vermissten Tochter Cleo in der Nähe von Carnarvon im Bundesstaat Western Australia. Foto: James Carmody/AAP/ABC NEWS Pool via AP/dpa © James Carmody

Perth (dpa) - Die erlösende Nachricht kam mitten in der Nacht und sorgte bei vielen in Australien für Freudentränen: Nach zweieinhalb Wochen ist die vierjährige Cleo Smith, die zuvor von einem Campingplatz verschwunden war, wohlbehalten in einem Haus entdeckt worden.

Beamte brachen um kurz vor 1.00 Uhr (Ortszeit) das Gebäude in dem Ort Carnarvon auf und fanden das Mädchen in einem der Zimmer. Ein 36-Jähriger ist Polizeiangaben zufolge in Gewahrsam und wird befragt. Er soll keine Verbindungen zu der Familie gehabt haben.

Im Frühstücksfernsehen sprachen die Moderatoren mit gebrochener Stimme, als sie die gute Nachricht vermeldeten. «Wunder geschehen!», jubelte ein Sprecher im Sender «9News» und drückte damit wohl die Gefühlslage der ganzen Nation aus. Mutter Ellie Smith postete am Morgen auf Instagram: «Unsere Familie ist wieder vollständig.» Darunter kommentierte eine Userin: «Wir sind so unglaublich glücklich und erleichtert für Euch.» Ein anderer schrieb: «Willkommen zuhause, darling girl!»

Das Wunder ist geschehen

Dann endlich ein erstes Foto: Die Polizei von Western Australia veröffentlichte auf Twitter ein Bild, das Cleo munter winkend im Krankenhausbett zeigt, eingehüllt in eine weiße Decke. «Das Wunder, auf das wir alle gehofft hatten», hieß es dazu. Auf einem Video ist der Moment der Rettung zu sehen, wie Cleo von einem Beamten aus dem Haus getragen wird und sich fest an ihn schmiegt.

Bei der Wiedervereinigung mit ihren Eltern habe sie nur «Mummy!» gerufen, dann habe es jede Menge Tränen und Umarmungen gegeben, sagte Obersergeant Cameron Blaine, der alles hautnah miterlebte, bei einer Pressekonferenz. Die Eltern seien außer sich vor Freude gewesen. Mittlerweile sei das Mädchen bereits wieder zuhause. Sie sei körperlich unversehrt, so die Polizei.

Ein Rückblick: Die Blowholes - Meereshöhlen, aus denen die Brandung spritzt - sind ein beliebtes Ausflugsziel am Indischen Ozean. Sie liegen etwa 75 Kilometer nördlich von Carnarvon, wo Cleos Familie lebt. Ellie Smith, ihr Lebensgefährte und die beiden Töchter sind mit dem Zelt unterwegs und hoffen auf ein paar unbeschwerte Tage. Es ist der 16. Oktober, als die Mutter auf dem Blowholes-Campingplatz gegen 6.00 Uhr im Familienzelt aufwacht und feststellt, dass Cleo nicht mehr da ist. Auch ihr kleiner Schlafsack ist verschwunden. Der Schrecken wächst, als klar wird: Der Reißverschluss des Eingangs ist so weit hochgezogen, dass das Kind ihn nicht selber geöffnet haben kann.

Eine Million australische Dollar für Hinweise

Die Polizei steht vor einem Rätsel. Eine 100-köpfige Sonderkommission wird eingerichtet. Die einzige Spur ist die Aussage von Zeugen, die in der Nacht von Cleos Verschwinden ein Auto vom Campingplatz wegfahren sahen. Aber weder die Automarke noch das Nummernschild sind bekannt. Die Regierung von Western Australia setzt schließlich eine Belohnung von einer Million australischen Dollar (rund 650 000 Euro) für Hinweise aus, die zum Auffinden des Mädchens führen - aber alle angeblichen Sichtungen verlaufen im Nichts.

Die verzweifelten Eltern gehen derweil immer wieder mit dramatischen Aufrufen an die Öffentlichkeit - in der Hoffnung, den oder die Täter zu überzeugen, das Mädchen freizulassen. Denn der Spurenlage zufolge gab es nur eine plausible Erklärung: Die kleine Cleo wurde entführt. «Es ist eine bemerkenswert dreiste und schockierende Sache, zu einem Campingplatz zu gehen, ein Zelt aufzumachen und ein kleines Mädchen mitzunehmen», sagte der Premierminister von Western Australia, Mark McGowan, am Mittwoch. «Es ist unfassbar, dass jemand so etwas tut.»

Manche sahen schon Parallelen zum Fall der damals dreijährigen Britin Maddie McCann, die am 3. Mai 2007 in Portugal aus einer Apartment-Anlage spurlos verschwand. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens sorgt bis heute für Schlagzeilen. Als Ermittler im vergangenen Jahr überraschend bekanntgaben, dass ein Deutscher unter Mordverdacht steht, keimte zumindest Hoffnung auf späte Gewissheit auf. Bisher gibt es aber keinen Durchbruch bei den Ermittlungen.

Bei Cleo aber gab es diesen Durchbruch - dank einer unglaublichen Polizeiarbeit, wie der Vize-Polizeichef Col Blanch betonte. «Wir haben nach der Nadel im Heuhaufen gesucht, und wir haben sie gefunden», sagte er dem örtlichen Radiosender 6PR. «Als sie sagte, 'Mein Name ist Cleo', war im Haus kein Auge mehr trocken.» Erfahrene Ermittler seien vor Erleichterung in Tränen ausgebrochen.

«Dies war hartnäckige, methodische Polizeiarbeit», erklärte auch Polizeikommissar Chris Dawson. Die Ermittler hätten Tausende von forensischen Exponaten, Daten und Informationen aus der Gemeinde gesammelt und jeden Hinweis genau geprüft. «Dann tauchte dieser hier auf und sie informierten mich und sagten: "Schauen Sie, wir glauben, wir sind hier auf etwas gestoßen», sagte Dawson. Kurz darauf habe er die Nachricht von der Rettung des Kindes erhalten.

Australiens Premier Scott Morrison bedankte sich via Twitter bei der Polizei. «Was für eine wunderbare, erleichternde Nachricht. Cleo Smith wurde gefunden und ist gesund und munter zu Hause», schrieb er. Die Parlamentarierin Tanya Plibersek meinte via Twitter: «Was diese Familie durchgemacht hat, ist der schlimmste Alptraum aller Eltern.»

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