VfB Stuttgart

Probelauf für Geisterspiele und ein kurioser Vorschlag

Bundesliga-Fortsetzung
Bei einer Saison-Fortsetzung wären Geisterspiele in der Bundesliga der Normalfall. Foto: Bernd Thissen/dpa © dpa

Frankfurt/Main.
FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach - das wäre der Schlager der Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende gewesen. Stattdessen: Ein nervenaufreibendes Warten der Proficlubs auf grünes Licht aus der Politik und das ungeklärte Szenario mit Geisterspielen in der Coronavirus-Pandemie. Nach der Mitgliederversammlung der DFL gibt es neue öffentliche Bedenken gegen eine Fortsetzung der Saison ohne Zuschauer. Der langjährige Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer rät Vereinen, im Falle einer Fortsetzung der Saison das von seiner Task Force erarbeitete Konzept vor dem Ernstfall in einem Probelauf durchzuspielen.

Kein DFB-Pokalfinale am 23. Mai in Berlin 

Erwartbar war die Absage des für den 23. Mai im Berliner Olympiastadion terminierten DFB-Pokalfinals. Wie der Deutsche Fußball-Bund nach einer Videokonferenz des Präsidiums mitteilte, bleibt der Wettbewerb auf unbestimmte Zeit ausgesetzt und das Endspieldatum offen. Noch nicht einmal gespielt ist das Halbfinale mit den Partien FC Bayern München gegen Eintracht Frankfurt und 1. FC Saarbrücken gegen Bayer Leverkusen. 

Nachbesserungen am Plan der Deutschen Fußball Liga zur Fortsetzung der Bundesligasaison forderte der Deutsche Städtetag. Das Konzept reiche nicht aus, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Deutschen Presse-Agentur. «Wir müssen damit rechnen, dass sich Fans vor den Stadien treffen. Die Städte halten es deshalb für sehr wichtig, das Stadionumfeld noch stärker in den Blick zu nehmen.» Das Konzept dürfe sich nicht nur auf den Infektionsschutz bei Spielen oder auf die Unterbringung und Hygiene der Spieler konzentrieren. Vor der Saison-Unterbrechung hatten jedoch mehrere Fan-Organisationen ausdrücklich erklärt, sich nicht vor den Arenen treffen zu wollen.

Wie das RKI das DFL-Konzept bewertet

Der Probelauf eines Geisterspiels in der Liga ist laut Meyer Teil des Plans der Task Force. «Wir werden in einem Stadion die gesamten Abläufe einmal simulieren. Denn der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Irgendwas haben wir vielleicht übersehen. Sobald wir wüssten, dass es losgehen soll, wird dieser Termin gemacht», sagte der 52-Jährige im Interview der Deutschen Presse-Agentur. 

Weiter gibt es keinen Termin, wann Geisterspiele mit maximal rund 300 anwesenden Personen und unter strengsten Hygienemaßnahmen gestartet werden könnten. Der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, hat am Freitag das DFL-Konzept tendenziell positiv bewertet. «Was dort drinsteht und was die Überlegungen angeht, das mit einer Quarantäne zu lösen: Das scheinen mir durchaus vernünftige Überlegungen zu sein», sagte er. 

Die Zuständigkeit zur endgültigen Bewertung sieht er allerdings nicht beim RKI. Es handele sich um ein Problem des Arbeitsschutzes. «Das sind Fußballprofis. Das ist deren Job, und insofern gibt es da ein Konzept, das von der Arbeitsschutzseite erstellt worden ist.» 

Liquidität bis zum geplanten Saisonende am 30. Juni gesichert

Angesichts ihrer Existenznöte sehnen die Clubs natürlich Spiele herbei. Die DFL hat sich mit «fast allen» Medienpartnern auf eine Vorauszahlung der noch ausstehenden TV-Prämien geeinigt und den Vereinen Liquidität bis zum geplanten Saisonende am 30. Juni gesichert - falls gespielt werden kann und somit keine Rückzahlungen erforderlich sind. Die vierte und letzte Rate der Fernsehgelder umfasst rund 300 Millionen Euro. Die DFL schließt aber auch den Worst Case nicht aus, «dass wir auch in einigen Monaten nicht spielen werden. Dann wäre die Bundesliga irgendwann ein Kollateralschaden dieser Corona-Krise», hatte DFL-Chef Christian Seifert gesagt. 

Als großer Kritiker von Geisterspielen lehnt Gesundheitsexperte Karl Lauterbach einen Neustart der Bundesliga auch aus Gründen der Vorbildfunktion weiter ab. «Wir müssen den jungen Leuten die Botschaft vermitteln: Haltet Abstand, tragt einen Mundschutz, das Virus ist gefährlich», sagte der SPD-Politiker in einem Interview des Bayerischen Rundfunks. «Alle drei Botschaften werden durch einen Bundesliga-Start konterkariert.» Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) kritisierte die Pläne. «Ich bin dagegen, dass wir zuerst diejenigen privilegieren, die am meisten Geld auf den Tisch legen», sagte der Ministerpräsident MDR Aktuell. 

Neustart mit Gesichtsmasken?

Die DFL betonte stets: Die nationale Gesundheit habe immer Vorrang. Dass die Spieler sich wegen der unvermeidlichen Kontakte auf dem Platz mit Gesichtsmasken vor einer möglichen Ansteckung schützen könnten, wurde laut Meyer als Maßnahme nicht erwogen. «Prämisse war: Auf dem Platz bleibt alles unverändert. Wenn Spieler mit Masken spielen würden, das fände aus meiner Sicht keine Akzeptanz», sagte er. Das Fußballspiel selbst solle möglichst authentisch bleiben.

Allerdings prüft das Bundesarbeitsministerium nach «Spiegel»-Informationen die Möglichkeit, Profis bei einem Neustart mit Gesichtsmasken spielen zu lassen. Das gehe aus einem Papier des Ministeriums als Reaktion auf das Hygienekonzept der DFL hervor. Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums verwies aber darauf, dass es sich lediglich um einen ersten Entwurf auf Arbeitsebene handele.


TV-Gelder für Bundesliga: keine Einigung mit Eurosport 

Eurosport hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur als einziger Medienpartner der Bundesliga eine Vorauszahlung der noch ausstehenden TV-Prämien abgelehnt. Der Fernsehsender erklärte am Freitag auf Anfrage, dass man «Fragen, die Details unserer Vertragsverhältnisse und Partnerschaften betreffen, nicht kommentiere» und verwies auf «bestehende Vertraulichkeitsregelungen». Eurosport hat die Rechte für die Freitags- sowie zehn Sonntags- und Montagsspiele an DAZN sublizenziert. 

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat sich nach Aussagen ihres Geschäftsführers Christian Seifert vom Donnerstag mit «fast allen» Medienpartnern auf eine Vorauszahlung der noch ausstehenden TV-Prämien geeinigt. Er sprach von einer Ausnahme. Zuerst hatte «Bild» darüber berichtet, dass es sich dabei um Eurosport handele.  

«Es wird möglich sein, den Clubs Liquidität bis 30. Juni zukommen zu lassen», sagte Seifert weiter. «Erste Zahlungen sollen im Mai kurzfristig ausgelöst werden.» Einem Bericht des «Kicker» zufolge sollen die 36 Clubs aus der 1. und 2. Liga zunächst rund ein Drittel der Summe erhalten, die für den letzten Saisonabschnitt seitens der Medienpartner noch fällig wäre bei vertragsgemäßer Beendigung der Saison. Der Rest soll laut «Kicker» anteilig pro ausgetragenem Spieltag ausbezahlt werden.

Größer Medienpartner der DFL ist der Pay-TV-Sender Sky. Große TV-Partner sind zudem ARD und ZDF sowie Eurosport. Es ging um die Zahlung der vierten und letzten Rate der Fernsehgelder, Medienberichten zufolge rund 300 Millionen Euro. Die DFL will die wegen der Corona-Pandemie ausgesetzte Saison bestenfalls bis zum 30. Juni abschließen. Für den Neustart mit Geisterspielen muss die Politik zustimmen.