VfB Stuttgart

Quarantäne und Restrisiken: Sven Mislintat und Pellegrino Matarazzo über den Liga-Restart

Sven Mislintat
VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. © ZVW/Benjamin Büttner

Ohne die Corona-Pandemie hätte der VfB Stuttgart an diesem Sonntag (17.05.) sein letztes reguläres Rundenspiel gegen den SV Darmstadt 98 absolviert – und im Anschluss daran am liebsten vor tausenden Fans auf dem Cannstatter Wasen die Rückkehr in die 1. Liga gefeiert. Stattdessen geht es am Wochenende vor leeren Rängen und unter strengen Auflagen gegen den SV Wehen Wiesbaden. Die heiße Schlussphase der Saison – neun Spieltage stehen noch aus – beginnt für die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo nach acht Wochen Corona-Zwangspause mit einem Kaltstart.

Quarantäne im Schlosshotel

Das Team hat sich - wie im Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgesehen – vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in „eine Quarantäne-Maßnahme“ begeben. Trainer und Spieler sind im „Schlosshotel Monrepos“ in Ludwigsburg untergebracht, trainiert wird auf dem Clubgelände in Bad Cannstatt. „Wir konnten vom ersten Moment an eine positive Energie freisetzen. Die Mannschaft strahlt eine bemerkenswerte Ruhe und Reife aus“, sagt Trainer Matarazzo. Neben den Einheiten auf dem Platz und Taktikbesprechungen im Hotel gibt es für die einkasernierten Kicker einen Gemeinschaftsraum mit einer Dartsscheibe, einer Playstation und einer Tischtennis-Platte - die strengen Hygiene- und Abstandsregeln müssen jederzeit eingehalten werden.

Geisterspiel-Simulation im leeren Stadion

Am Mittwoch wird in der leeren Stuttgarter Arena beim Trainingsspiel Elf-gegen-Elf der Ablauf eines Geisterspiels simuliert. „Es geht um das komplette Programm“, erklärt Matarazzo. Die Abläufe sollen sitzen, damit sich die Mannschaft am Sonntag in Wiesbaden voll auf die 90 Minuten auf dem Platz fokussieren kann. Die Kabine und der Besprechungsraum werden umgebaut, Trainer und Spieler werden mit einem Nasen-Mund-Schutz auf der Bank sitzen. Matarazzo: „Ich möchte sehen wie es ist, das Spiel mit einer Maske von der Seitenlinie zu beobachten.“ Lachend ergänzt er: „Und sie dementsprechend abzuziehen, wenn ich den Schiri anschreien muss.“

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VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo. © ZVW/Danny Galm

„Das sind im Moment die Bedingungen, unter denen wir alle funktionieren möchten“, meint Sportdirektor Sven Mislintat. Dabei ist die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 1. und 2. Liga nicht unumstritten. Vor allem nach den jüngsten Corona-Fällen bei der SG Dynamo Dresden. Die Mannschaft des Zweitliga-Letzten befindet sich aufgrund von zwei positiven Corona-Tests auf Geheiß des dortigen Gesundheitsamtes in Quarantäne und kann nicht wie geplant gegen Hannover 96 und die SpVgg Greuther Fürth spielen. „Das kann jeden treffen. Insofern ist es die gleiche Voraussetzung für alle“, findet Mislintat und ergänzt: „Wir sind am Ende abhängig von den Entscheidungen der Gesundheitsämter.“

„Wir haben nicht alles in der Hand“

Auch Pellegrino Matarazzo sieht das ähnlich. „Wir haben nicht alles in der Hand“, so der 42-Jährige. „Man hat schon das Gefühl, dass es ein sehr gut ausgearbeitetes Konzept und trotzdem ein fragiles Konstrukt ist. Deshalb ist es wichtig für uns, jedes Spiel wie ein Finale anzugehen.“ Restrisiken werde es in der aktuellen Situation immer geben, betont Sven Mislintat. Dennoch sieht er den deutschen Profifußball mit dem Konzept der Taskforce und der DFL „gut aufgestellt.“ Bedenken, auflaufen oder trainieren zu wollen, habe kein Spieler geäußert.

Vor dem Liga-Restart am Wochenende steht am Donnerstag (14.05.) noch eine weitere DFL-Mitgliederversammlung auf dem Plan. Auf der Agenda der Video-Konferenz der 36 Proficlubs steht unter anderem die Verankerung des Konzepts der „Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb“ als Anhang in die Spielordnung. Zudem soll über die Erhöhung des Auswechselkontingents auf fünf Spieler entschieden werden. Eine Regeländerung, die aus Sicht von Pellegrino Matarazzo Vor- und Nachteile mit sich bringt: „In den ersten Spielen wäre es sicherlich ein Vorteil, um der Verletzungsproblematik ein bisschen aus dem Weg zu gehen.“

Was passiert bei einem Corona-Fall?

  • „Wie uns der VfB mitgeteilt hat, erfolgen regelmäßige Testungen“, erklärt Sven Matis, der Sprecher der Stadt Stuttgart auf Nachfrage unserer Redaktion. Matis weiter: „Im Falle von positiven Testergebnissen, wird unser Gesundheitsamt informiert. Dieses zieht die notwendigen Konsequenzen. Hierzu gehören auch Quarantänemaßnahmen, wenn diese geboten sind.“
  • Doch nach welchen Kriterien wird entschieden, ob das gesamte Team oder lediglich die betroffene Person isoliert wird? Im Fall der SG Dynamo Dresden – beim Zweitliga-Schlusslicht wurde nach zwei positiven Corona-Tests das komplette Team in Quarantäne geschickt - erklärte der Dresdener Stadtsprecher Kai Schulz: „Die lokalen Gesundheitsämter sind gehalten nach den Grundsätzen des RKI zu entscheiden. Es gibt keine Vereinbarung zwischen der DFL und staatlichen Stellen, die eine Abweichung von diesem Grundsatz zuließe.“
  • Die Richtlinien des Robert Koch-Instituts (RKI) sagen aus, dass bei jedem positiven Covid-19-Befund das Gesundheitsamt den Fall untersucht und versucht, die Ansteckungskette zu rekonstruieren.