Rems-Murr-Kreis

Ärzte streiken an den Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf

Aerztestreik
Kurz vor der Abfahrt zur Kundgebung in Frankfurt: Ärztinnen und Ärzte aus den Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf protestieren gegen kräftefressende Arbeitsbedingungen und fordern 5,5 Prozent mehr Gehalt. © Gaby Schneider

Warnstreik in den Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf: Die Ärztinnen und Ärzte, die ihr Geld nach dem Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern bekommen, versammelten sich am Donnerstag, um nach Frankfurt zur Kundgebung zu fahren. In den Kliniken gab es einen Notdienst. Die Versorgung, erklärten die Ärzte, sei am Streiktag wie am Wochenende: Notfälle können versorgt werden, Planbares findet nicht statt.

30 Leute waren’s mindestens, die sich in Winnenden an der Bushaltestelle vor dem Rems-Murr-Klinikum zusammengefunden hatten. Nicht alle stiegen in den Bus, der schon wartete, um die Streikenden nach Frankfurt zur großen Kundgebung des Marburger Bundes auf dem Römer zu fahren. Manche hatten schon eine Nachtschicht hinter sich. Andere haben kleine Kinder zu Hause – da wiegt jede Stunde, die nicht daheim verbracht wird, unermesslich schwer. Und viele Stunden können die Medizinerinnen und Mediziner oftmals tatsächlich nicht zu Hause verbringen.

Jedes zweite Wochenende arbeiten die Ärztinnen und Ärzte im Krankenhaus

Jedes zweite Wochenende Dienst sei das Übliche, heißt es. Wenn’s schlecht läuft, könne es auch mehr sein. An den Wochenenddienst schließt sich mitnichten immer ein freier Tag an. In den letzten acht Tagen hätte sie, sagt eine Ärztin, gute 75 Stunden gearbeitet. Wenn nicht sogar mehr.

Die streikbereiten Mediziner haben es recht schwer, ihre Forderungen auf ganz einfache Formeln zu bringen. Denn, erklären sie: In den Krankenhäusern regeln die Abteilungen die Dienste und Schichten ganz unterschiedlich. Es gebe Abteilungen, in denen seien Ärzte 24 bis 26 Stunden am Stück im Dienst – leisten also eine Tag- und eine Nachtschicht auf einen Schlag. Andere Abteilungen machten das nicht so. Doch dann habe man zum Beispiel mehrere Nachtschichten die Woche. Auch unendlich anstrengend. Und so lautet ein Plakat-Slogan: „Ärzte am Limit – Patienten in Gefahr“.

Nur zum Spaß länger da? Ärzte müssen nachweisen, dass sie gearbeitet haben

Überhaupt würden die Arbeitszeitregelungen und -vergütungen wieder angekratzt, heißt es. Wenn nach Schichtende noch weitergearbeitet werden müsse, gelte diese „Anwesenheit“ nicht als „Arbeitszeit“, außer der Arzt könne nachweisen, „dass er nicht zum Spaß länger da war“.

Der Frust ist nicht zu überhören. Genauso wie beim Punkt Nachtschicht: Ab drei Uhr gelte die Zeit im Krankenhaus nämlich nicht mehr als Arbeitszeit – mit der entsprechenden Bezahlung. Sondern, so sagen die Ärzte, als Bereitschaft – mit der entsprechend schlechteren Bezahlung. Und das, obwohl oft genug in den Morgenstunden genauso viel gearbeitet werde wie in den Stunden davor.

Die Ärztinnen und Ärzte leiden unter einer zunehmenden Arbeitsbelastung: Immer mehr Patienten müssten behandelt werden, immer mehr Operationen stünden auf dem Plan. Doch die Anzahl der Ärzte und der Pflegekräfte bleibe gleich. „Wir hatten zwei Jahre lang die Corona-Pandemie“, heißt es.

Die Ärzte und Pflegekräfte hätten aus dem Nichts ganze Abteilungen geschaffen, für die Sicherheit der Menschen gesorgt. Doch die Wertschätzung bleibe aus. Ärztinnen und Ärzte bekämen keinen Corona-Bonus. Bislang stoße auch die Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn – Inflationsausgleich – nicht auf Gegenliebe. Die Begründung sei: Es sei Corona gewesen, jetzt habe man kein Geld mehr.

Wie viele Patientinnen und Patienten vom Streik betroffen waren, ist unbekannt

Der Warnstreik, sagen die Ärztinnen und Ärzte, sei lange geplant gewesen und sehr rechtzeitig bekanntgegeben worden. Für Notfälle blieben Kollegen im Dienst. Das sei zwischen der Gewerkschaft und den Klinikleitungen so vereinbart. Planbare Behandlungen seien verschoben, Patienten für diesen Tag gar nicht einbestellt worden.

Wie viele Patientinnen und Patienten in Winnenden und Schorndorf betroffen sind, kann keiner sagen. Denn es sind so gut wie alle Abteilungen beim Streik dabei: Am Bus standen Mediziner aus der Pneumologie, der Kinderklinik, der Inneren Medizin, der Onkologie und so weiter. Leider, heißt es, würden die Pflegekräfte immer unabhängig von den Ärzten streiken. Es sind unterschiedliche Gewerkschaften. Eine Zusammenarbeit bei Streiks würde die Wirkkraft aber natürlich deutlich steigern.

Warnstreik in den Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf: Die Ärztinnen und Ärzte, die ihr Geld nach dem Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern bekommen, versammelten sich am Donnerstag, um nach Frankfurt zur Kundgebung zu fahren. In den Kliniken gab es einen Notdienst. Die Versorgung, erklärten die Ärzte, sei am Streiktag wie am Wochenende: Notfälle können versorgt werden, Planbares findet nicht statt.

30 Leute waren’s mindestens, die sich in

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