Rems-Murr-Kreis

Übergewicht und Rückenschmerzen: Corona fördert die Volkskrankheiten

Adipositas
Laut einer Forsa-Umfrage haben vor allem Menschen mit Gewichtsproblemen in der Pandemie weiter zugenommen. © pixabay

Die Corona-Pandemie hat die Lebensgewohnheiten verändert. Monatelang waren Fitnessstudios geschlossen, das Training im Verein ausgesetzt. Auch im Alltag bewegten sich viele Menschen weniger, weil sie im Home-Office gearbeitet haben. Das Resultat sind lästige Corona-Kilos und Rückenbeschwerden. Davon berichten beispielsweise viele Mitglieder der sieben Fitnessstudios, die die Familie Zott im Rems-Murr-Kreis betreibt.

Verlässliche Zahlen darüber, wie sich die Pandemie auf die Volkskrankheiten Übergewicht und Rückenleiden auswirkt, gibt es noch nicht. Erste Umfragen allerdings zeichnen ein düsteres Bild. So haben das Meinungsforschungsinstitut Forsa und die Technische Universität München rund tausend Deutsche befragt. Etwa die Hälfte der Befragten gab in der Online-Umfrage im April an, dass sie sich weniger bewegen als vor Beginn der Krise.

Übergewichtige doppelt gefährdet

Vor allem bereits bestehende Probleme verschlechtern sich offenbar: Etwa ein Drittel der Befragten, und zwar vor allem jüngere Menschen bis 29 Jahre, hat sich in den vergangenen Monaten zwischen fünf und sieben zusätzliche Kilos angefuttert. Die Folgen der Kombination aus weniger Bewegung und Fast Food sowie kalorienreichen Snacks sind gefährlich. Studienleiter Hans Hauner, Ernährungsexperte am Institut für Ernährungsmedizin der TU München, warnt davor, „dass die veränderte Lebensweise in der gut einjährigen Pandemiezeit Menschen mit Übergewicht sogar doppelt bedroht“.

Denn Übergewicht belastet sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch die Lunge, deren Funktion deshalb eingeschränkt sein kann – ein Risiko bei einer Infektion mit dem Coronavirus. Oft bilden sich bei adipösen Menschen auch Entzündungen im Körper, zum Beispiel im Darm oder im Fettgewebe. Diese schwächen das Immunsystem, und so erhöht sich das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf.

Weniger Arztbesuche im Jahr 2020

Die Pandemie hat nicht nur die Lebensgewohnheiten, sondern auch andere Routinen verändert, wie zum Beispiel Arztbesuche: „Die Versicherten der AOK Baden-Württemberg haben im letzten Jahr aufgrund der Corona-Pandemie weniger oft niedergelassene Ärzte und Ärztinnen aufgesucht“, sagt Nina Lägel, Pressesprecherin der AOK Ludwigsburg-Rems-Murr.

Insbesondere im zweiten Quartal 2020 seien die Arztbesuche zurückgegangen, im Durchschnitt um elf Prozent. „So haben zum Beispiel die Untersuchungen zur Prostata- beziehungsweise Darmkrebsvorsorge im zweiten Quartal 2020 um zehn beziehungsweise 24 Prozent abgenommen.“ Ab dem dritten Quartal 2020 hätten sich die Arztbesuche aber wieder weitgehend auf dem Niveau des Vorjahres eingependelt. Bei der Prostata- und Darmkrebsvorsorge seien die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr sogar gestiegen, es scheine also einen Nachholeffekt gegeben zu haben.

Vorsorgeuntersuchungen nachholen

Pauschal könne man nicht sagen, ob das Risiko unerkannter Erkrankungen durch weniger Arztbesuche steige. „Entscheidend ist, ob Versicherte Vorsorgeuntersuchungen zu einem späteren Zeitpunkt nachholen oder auf die Untersuchungen komplett verzichten“, sagt Lägel. Bei chronisch kranken Patienten könne sich nach Einschätzung der AOK-Experten der Verzicht auf einen Arztbesuch gravierender auswirken, da sich die Erkrankung möglicherweise unbemerkt verschlechtert, wenn vorgesehene Kontrolltermine nicht wahrgenommen werden. Gleichzeitig haben diese Patienten jedoch auch ein höheres Risiko, an Corona zu erkranken.

Für diejenigen, die beim Besuch in einer Praxis Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gehabt hätten, seien deshalb vor allem in der Hochphase der Pandemie die Möglichkeiten zur telefonischen Beratung und Videosprechstunden in der vertragsärztlichen Versorgung ausgeweitet worden. Klar sei aber, dass der virtuelle Kontakt den direkten Arzt-Patienten-Kontakt und einen Praxisbesuch nicht vollwertig ersetzen könne, insbesondere bei der Diagnostik.

Die Corona-Pandemie hat die Lebensgewohnheiten verändert. Monatelang waren Fitnessstudios geschlossen, das Training im Verein ausgesetzt. Auch im Alltag bewegten sich viele Menschen weniger, weil sie im Home-Office gearbeitet haben. Das Resultat sind lästige Corona-Kilos und Rückenbeschwerden. Davon berichten beispielsweise viele Mitglieder der sieben Fitnessstudios, die die Familie Zott im Rems-Murr-Kreis betreibt.

Verlässliche Zahlen darüber, wie sich die Pandemie auf die

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