Rems-Murr-Kreis

1. Mai im Rems-Murr-Kreis: Idylle, Ruhe und die Erinnerung an den Beginn einer großen Liebe

1. Mai Hanweiler Sattel
Glücklich am 1. Mai: Hier sitzen zwei sehr gute Freunde am Hanweiler Sattel und gucken über Korb und weit ins Land hinaus. © Gabriel Habermann

Gemächlich und unspektakulär startete der Rems-Murr-Kreis heuer in den Wonnemonat Mai. Die meisten gingen einfach schön spazieren. Ein Feiertagsrundgang, der vom Hanweiler Sattel in die Innenstadt und von dort die Rems flussaufwärts durch die Talaue nach Beinstein führte, zeigte: Die Reisigbesen waren in der Walpurgisnacht wie schon vergangenes Jahr unbenutzt in der Ecke stehen geblieben. Kobolde und sonstige Geister, die in coronafreien Jahren am 30. April unterwegs sind, um Klingeln zu putzen, Gartentüren auszuhängen, Schilder umzudrehen oder sonstigen Schabernack zu verüben, haben ihre Aktivitäten wohl auf Halloween verlegt oder hielten sich an die Ausgangssperre. Tanz und Unterhaltung gab’s auch nirgendwo. Sogar die Polizei hatte also einen ruhigen Feiertag.

Spaziergänger, Jogger, Radfahrer: Am Hanweiler Sattel war Platz für alle

Der Wanderparkplatz am Hanweiler Sattel präsentierte sich zwar um die Mittagszeit wie gewohnt fast vollständig mit Autos zugestellt, aber der stetige Strom Spaziergänger, Radfahrer und Jogger verlor sich mühelos im Wald, auf den Wiesen und zwischen den Reben. Selbst der Spielplatz beim verbarrikadierten Schützenhaus – in guten Jahren Brennpunkt quirligen Lebens – vermittelte an diesem Tag einen sehr entschleunigten Eindruck. Eine fünfköpfige Familie hat es sich um die Grillstelle mit Kindern und Hund gemütlich gemacht, beschallte sich und die Umgebung mit Musik von der Konserve und bemühte sich, ein Feuer in Gang zu halten und mit den Feinheiten des Schwenkrostes zurechtzukommen.

Auf Bänken und auf der Schaukel hatten sich Paare niedergelassen und genossen Aussicht und Zweisamkeit, während Spaziergänger und Wanderer an ihnen vorbeiparadierten, die einen in fester Alltagskleidung, die anderen zünftig in Kniebundhose und in festen Trekkingschuhen, auf dem Kopf Hut oder Mütze und auf dem Rücken ein prall gefüllter Rucksack. Beiden Gruppen gemeinsam war der Anorak – es drohte immer wieder Regen.

Kinder entern das Piratenschiff in der Talaue

Geradezu unspektakulär alltäglich präsentierten sich auch die Erleninsel und Waiblingens grünes Herz in der Talaue: Familien, die ihre Sonntagnachmittagsrunden drehten, Paare auf den Bänken, Kinder, die unter den wachsamen Augen ihrer Mütter das Piratenschiff enterten. Ein Hauch von Hektik stellte sich ein, als auf dem Spielplatz neben der Brücke zum Schwanen ein Ehepaar seinem Teenagernachwuchs am Kicker zeigte, dass auch ältere Generationen wissen, was ein Dreh ist und wie man den Ball versenkt.

Und während sich vor dem Testzentrum im Foyer des Bürgerzentrums eine kleine Schlange Wartender bildete, diskutierten nur wenige Meter entfernt, etwas abseits, drei fröhliche Zecher, was hierzulande ihrer Ansicht nach alles schiefläuft und was sie ändern würden, wenn sie König von Deutschland wären. Den Anstoß dazu hatte ihnen Rio Reisers Lied aus dem Jahr 1986 geliefert, das fröhlich aus einem scheppernden, altmodischen Transistorradio plärrte. Umtriebiger wurde es allenfalls im Skaterpark, in dem sich ein knappes Dutzend zehn-, zwölfjähriger Buben versammelt hatte und bemüht war, sich gegenseitig auszustechen. Das sei so in Ordnung, merkte eine Mutter an, die das Geschehen nicht aus den Augen ließ, schließlich müssten die Kinder raus aus den vier Wänden und sich bewegen.

Ein Schaffer auf dem Stückle, ein Herr, der Goldene Hochzeit feiert

In den Beinsteiner Seeäckern, zwischen dem Südufer der Rems und der alten B 29, mühte sich währenddessen ein einsamer Schaffer auf einem Stückle mit einem Spaten, ein Beet für die Aussaat vorzubereiten, während nicht allzu weit von ihm entfernt, hinter einer immergrünen Hecke, sich eine kleine Gesellschaft um einen Holzkohlegrill versammelt hatte, dessen weißer Rauch himmelwärts säuselte.

"Maiele stecken" für die Liebste

Auf der „Rialtobrücke“ erzählte ein älterer Herr, der mit seinem Dobermann unterwegs war, begeistert und begeisternd, wie er vor über einem halben Jahrhundert in der Hexennacht mit einem Freund zusammen heimlich in den Garten eines Nachbarn eingestiegen war, mit einem Fuchsschwanz eine kleine Birke gefällt, sie mit vorher selbst angemalten bunten Bändern geschmückt und schließlich seiner damaligen großen Liebe, die bei ihren Eltern im siebten Stock eines Hochhauswürfels wohnte, vor der Wohnungstür als Maibaum „gesteckt“ hatte. Dies habe sie derart beeindruckt, dass sie heuer Goldene Hochzeit feiern.

Gemächlich und unspektakulär startete der Rems-Murr-Kreis heuer in den Wonnemonat Mai. Die meisten gingen einfach schön spazieren. Ein Feiertagsrundgang, der vom Hanweiler Sattel in die Innenstadt und von dort die Rems flussaufwärts durch die Talaue nach Beinstein führte, zeigte: Die Reisigbesen waren in der Walpurgisnacht wie schon vergangenes Jahr unbenutzt in der Ecke stehen geblieben. Kobolde und sonstige Geister, die in coronafreien Jahren am 30. April unterwegs sind, um Klingeln zu

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