Rems-Murr-Kreis

1100 Anregungen für ein besseres Radwege-Netz

radweg straße symbol symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © Joachim Mogck

Rems-Murr-Kreis.
Wer täglich mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß genau, wo auf seiner Strecke die Gefahren lauern und wie Abhilfe geschaffen werden könnte. Der Rems-Murr-Kreis will sein Radwegenetz ausbauen und verbessern. Mehr als 1100 Meldungen sind bei einer Onlineumfrage eingegangen. Fast die Hälfte der Radler (43 Prozent) klagte über den Zustand der Radwege und forderte den Bau eines straßenbegleitenden Radweges oder die Schließung einer Lücke im Netz. Nahezu ein Drittel (31 Prozent) der Meldungen betraf die Beseitigung von lokalen Gefahrenstellen, wobei der Alte Postplatz in Waiblingen, der Kreisverkehr am Viadukt in Weinstadt-Endersbach und die eine Kreuzung der Alten Bundesstraße mit der Südumgehung (L 1140) besonders ins Auge fielen.

Kann das Rad die Verkehrsprobleme im Ballungsraum Stuttgart lösen?

Radfahren liegt verkehrspolitisch im Trend. Verstopfte Straßen, unpünktliche S-Bahnen und überfüllte Regionalzüge machen den Pendlern das Leben schwer. „Die Verkehrsinfrastruktur im Rems-Murr-Kreis steht durch anwachsende Pendlerströme in und aus dem Ballungsraum Stuttgart vor immer größeren Herausforderungen“, hieß es in einer Vorlage für eine Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses des Kreistags, die der Corona-Krise zum Opfer fiel.

Um die Belastungen besser zu verteilen und dabei eine spürbare Senkung der Umweltbelastung zu erreichen, fördere das Land Baden-Württemberg gezielt das klimaneutrale Verkehrsmittel Fahrrad. Auch der Rems-Murr-Kreis habe sich das strategische Ziel gesetzt, den Radverkehrsanteil bei Alltagswegen deutlich zu erhöhen. Schließlich lassen sich viele Wege schneller, billiger, gesünder und umweltfreundlicher mit Rad zurücklegen. Ein Elektromotor erleichtert zudem die Fortbewegung in hügligen Gegenden wie dem Rems-Murr-Kreis.

Warum hat der Landkreis die Radler online befragt?

Voraussetzung freilich für den Umstieg vom Auto aufs Rad ist ein „attraktives, lückenloses und sicher benutzbares Radwegenetz für den Freizeit- und Alltagsradverkehr im Landkreis“, heißt es in der Vorlage. Das Radwegenetz des Rems-Murr-Kreises solle in erster Linie den Anforderungen der Nutzer gerecht werden. Der Entwurf des landkreisweiten Netzes wurde deshalb im Zeitraum von Mai 2019 bis September 2019 über ein Online-Meldeportal interessierten Bürgern zur Beteiligung zur Verfügung gestellt. Wie die breite Beteiligung mit 1116 Meldungen zeigte, habe sich dies als praktikabel und erfolgreich erwiesen.

Wie baut sich das Radwegenetz zwischen Rems und Murr auf?

Das Grundgerüst für das Radwegenetz des Rems-Murr-Kreises bilden das übergeordnete Rad-NETZ des Landes Baden-Württemberg und das regionalbedeutsame Radverkehrsnetz der Region Stuttgart. Dieses Grundgerüst wird ergänzt durch die touristischen Radrouten im Landkreis und die an der Siedlungsstruktur orientierten Alltagsverbindungen. Die Alltagsrouten bilden die direkten Verbindungen zwischen den Städten und Gemeinden ab.

Seit 2012 wird an einem Konzept gebastelt. 2018 wurde ein Entwurf des Landkreiskonzepts zusammen mit dem Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) überarbeitet. „Die zahlreichen Club-Mitglieder brachten wertvolle Ortskenntnisse und Hintergrundwissen in das Konzept mit ein.“ Der überarbeitete Entwurf wurde im April 2019 im Umwelt- und Verkehrsausschuss präsentiert. Im Anschluss starteten die interkommunale Abstimmung und die Öffentlichkeitsbeteiligung über das Online-Meldeportal. Anhand der Häufigkeit gleichlautender Meldungen konnten bei der Auswertung die größten Schwachstellen im Netz aus Nutzerperspektive identifiziert werden. Diese sollen nun sukzessive ausgeräumt werden.

Was sind die Schwierigkeiten, ein Radwegenetz zu planen?

Knapp 200 Vorschläge zu Streckenänderungen wurden überprüft und in das landkreisweite Radwegenetz eingearbeitet. Der angepasste Entwurf wurde abschließend mit allen Kommunen im Landkreis noch mal abgestimmt. „Im Ergebnis liegt nun ein vollumfänglich abgestimmtes Radwegenetz für den Rems-Murr-Kreis vor.“

Das Problem ist, dass die Radwege nicht aus einer Hand geplant werden. Für die innerörtlichen Verbindungen kümmern sich die Städte und Gemeinden – und die haben oft sehr unterschiedliche Vorstellungen, was aus ihrer Sicht gut und wichtig für die Radler ist. Der Rems-Murr-Kreis ist nur für die Koordination und für die Verbindungen zwischen den Orten zuständig. Nach der Festlegung des Netzes könne nun damit begonnen werden, auf allen Strecken die landesweiten Qualitätsstandards zu erreichen. Außer einem hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandard solle auch eine einheitliche und zentral verwaltete Wegweisung geschaffen werden.

Bereits im Jahr 2018 wurden die Radwege in der Baulast des Landkreises einer Zustandserfassung und -bewertung (ZEB-Radwege) unterzogen. Dieses Verfahren wird derzeit für das gesamte Radwegenetz des Landkreises durchgeführt. In diesem Zuge werde auch die vorhandene Wegweisung erfasst. Auf Grundlage der erhobenen Daten soll ein Kataster mit allen notwendigen baulichen Maßnahmen aufgestellt werden. Dieses wird den jeweiligen Baulastträgern, also auch den 31 Städten und Gemeinden, zur Verfügung gestellt. Alle Bedarfsmaßnahmen werden darin mit einer Kostenschätzung versehen. Die Wegweisung für das gesamte Radwegenetz wird vollständig digital überarbeitet und im gesamten Kreisgebiet angepasst.

Wie ist der Stand der Planung für beide Radschnellwege?

In Planungen sind auch zwei Radschnellwege, also überörtliche Verbindungen vorwiegend für Berufspendler. Durch eine großzügige Förderung des Bundes und des Landes sind diese Radschnellwege für den Rems-Murr-Kreis attraktiv. Außer für Waiblingen-Schorndorf liegt inzwischen eine weitere Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg Waiblingen-Ludwigsburg vor. Die Kosten für die 14,8 Kilometer lange Verbindung werden auf rund 31 Millionen Euro geschätzt.

Rems-Murr-Kreis.
Wer täglich mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß genau, wo auf seiner Strecke die Gefahren lauern und wie Abhilfe geschaffen werden könnte. Der Rems-Murr-Kreis will sein Radwegenetz ausbauen und verbessern. Mehr als 1100 Meldungen sind bei einer Onlineumfrage eingegangen. Fast die Hälfte der Radler (43 Prozent) klagte über den Zustand der Radwege und forderte den Bau eines straßenbegleitenden Radweges oder die Schließung einer Lücke im Netz. Nahezu ein

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper