Rems-Murr-Kreis

116 117: Die unbekannte Notrufnummer

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Im Gegensatz zu 112 ist die Nummer des Notfall- und Bereitschaftsdienstes recht unbekannt. © Joachim Mogck

Waiblingen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rennt mit seinen Vorschlägen zur Verbesserung der Notfallversorgung im Rems-Murr-Kreis offene Türen ein. Schon heute werden in der Integrierten Leitstelle des DRK Notrufe über 112 wie auch 116  117 entgegengenommen. Im Gegensatz zu 112 ist die Nummer des Notfall- und Bereitschaftsdienstes recht unbekannt.

Der DRK-Kreisverband Rems-Murr begrüßt die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn, sieht allerdings ebenfalls noch Verbesserungsbedarf. DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler betont, dass die Initiative des Ministers, Anrufe über eine gemeinsame Notfallleitstelle entgegenzunehmen, im Rems-Murr-Kreis bereits seit 2015 durchgeführt wird.

Die Notrufnummer kennt bereits der Nachwuchs im Kindergarten auswendig. Bei lebensbedrohlichen Notfällen wählt man die 112. Deutlich unbekannter sei die Nummer des kassenärztlichen Notfall- und Bereitschaftsdienstes.

Wann wird 116 117 angerufen?

Bei allen nicht lebensbedrohlichen Beschwerden vermittelt die 116 117 an 24 Stunden täglich einen Bereitschaftsdienst, wenn der Patient dringend ärztliche Hilfe benötigt. Bei schweren Unfällen und lebensbedrohlichen Notfällen wählt man die 112. Welche Nummer getippt wurde, sehen die Mitarbeiter in der Integrierten Leitstelle (ILS) und somit wird eine Vorselektion getroffen, erläutert DRK-Kreisgeschäftsführer Sven Knödler die aktuelle Praxis im Landkreis. „Spahns Vorschläge werden im Kreis bereits umgesetzt“, so Knödler.

Wer nimmt die Notrufe entgegen?

Egal, ob jemand im Kreis die 112 oder die 116 117 wählt, alle landen seit 2015 in der Integrierten Leitstelle des DRK mit Sitz in Waiblingen. Bei der 116 117, der Nummer der ärztlichen Bereitschaftsdienste, nehmen ausgebildete medizinische Fachangestellte/Arzthelferinnen den Anruf entgegen. Sie sind vor allem zu jenen Zeiten im Einsatz, wenn der zuständige Hausarzt eines Patienten nicht erreichbar ist, sprich vor allem auch an Feiertagen und am Wochenende. Sind mitunter tagsüber keine entsprechenden Kräfte in der Leitstelle, übernehmen die Leitstellen-Disponenten diese Aufgabe. Dies sind notfallmedizinisch und feuerwehrtechnisch ausgebildete Fachkräfte, die eine umfangreiche zusätzliche leitstellenspezifische Ausbildung genossen haben.

Die Mitarbeiter der Leitstelle für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erkennen schnell, ob ein Notfall vorliegt. Dann wird der Anrufer mitsamt den bereits vermerkten Daten sofort an einen ILS-Disponenten übergeben. „Das System mit zwei getrennten Nummern, die beide bei unseren sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern in der Integrierten Leitstelle als zentraler Anlaufstelle ankommen, hat sich bewährt und steigert die Effizienz der Hilfeleistung.“ Sven Knödler betont: Rettungsdienst, ärztliche Bereitschaftsdienste und Notfallambulanzen der Krankenhäuser arbeiten sehr gut zusammen.

Was läuft im Rettungsdienst schief?

Knödler begrüßt, dass in dem vorliegenden Diskussionsentwurf die medizinische Notfallversorgung eigenständig geregelt werden soll. Der Fehlanreiz, dass der Rettungsdienst Notfallpatienten ins Krankenhaus befördern muss, um einen Rettungseinsatz abrechnen zu können, würde damit abgeschafft. Denn viele Menschen mit gesundheitlichen Problemen wählen die 112, obwohl sie bei niedergelassenen Ärzten besser aufgehoben wären. Und genau dieses Problem wird im Kreis bereits seit 2015 angegangen. Die Mitarbeiter der Leitstelle können den Hilfesuchenden früh eine erste Einschätzung geben, ob der Einsatz des Rettungsdienstes erforderlich ist, oder eine Versorgung durch den niedergelassenen Arzt beziehungsweise ärztlichen Bereitschaftsdienst oder gar ein zeitnaher Arzttermin ausreichend ist. Unproblematische Erkrankungen, welche auf der Notrufnummer 112 eingehen, können an den diensthabenden Kassenarzt verwiesen werden.

Wie viele Bürger riefen 116 117 an?

Im ersten Halbjahr 2019 haben von 13 988 Anrufen auf der 116 117 rund 1000 Anrufe durch den Rettungsdienst bedient werden müssen. Das sei ein erheblicher Zeitvorteil, da der Anrufer – trotz des Anrufes auf der falschen Rufnummer 116 117 – abschließend bearbeitet werden konnte. Bei 8669 Anrufen wurde ein Arzt zum Hausbesuch entsandt und 2546 Anrufer wurden an die zuständige Notfallpraxis verwiesen.

Allerdings gelte es, die weiteren Schritte im Blick zu haben, die auf den Anruf folgen, so Sven Knödler. Wenn die Mitarbeiter der Leitstelle einen ärztlichen Bereitschaftsdienst vermittelt haben, müsse man auch sicherstellen können, dass die Patienten binnen einer kurzen Zeitspanne vom ärztlichen Bereitschaftsdienst behandelt werden. Insofern müssten im Zuge von Spahns Initiative auch die notwendigen Strukturen und Ressourcen bereitgestellt werden, unter anderem Fachpersonal und Fahrzeuge, hält Sven Knödler fest.