Rems-Murr-Kreis

36 Reparaturstationen nehmen Radlern im Rems-Murr-Kreis die Angst vor Pannen

Fahrradrepaturstation
Eine der 36 Fahrradreparaturstationen im Rems-Murr-Kreis. Ein Teil ist bereits in Betrieb, zum Beispiel die Station in der Ortsmitte von Kernen-Stetten in der Klosterstraße. Foto: Winterling © Winterling

Pumpe, Schraubenschlüssel, Kreuzschlitzdreher, Inbus – alles vorhanden. Eine lockere Schraube ist schnell wieder angezogen, der Platten am Fahrrad im Nu repariert und der Reifen dank Kompressor flugs wieder aufgepumpt. Zwischen Rems und Murr entsteht ein Netz von 36 Fahrrad-Reparaturstationen, das seinesgleichen im Land sucht, sagt Andreas Schwager vom ADFC Rems-Murr, der dieses Projekt mit angestoßen hat. Dank eines Zuschusses von lediglich 15 000 Euro durch den Rems-Murr-Kreis haben 21 Städte und Gemeinden das Angebot des Fahrradclubs genutzt und stellen in ihren Gebieten Stationen auf.

„Die Idee ist nicht neu“, sagt Andreas Schwager. Der passionierte Radfahrer hatte den Wunsch schon lange. Und was möglich ist, zeigte der Blick hinüber in den Kreis Göppingen, wo es seit einigen Jahren schon solche Reparaturstationen gibt. Wer öfters mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß, wie ärgerlich eine Panne am Rad sein kann - wenn kein geeignetes Werkzeug parat ist. Wer künftig im Rems-Murr-Kreis unterwegs ist, hat es nicht weit zu einer Reparaturstation. Und sei’s nur, um den Reifen aufzupumpen, was dank Kompressor und diversen Ventilen kein Problem darstellt. Paten des ADFC vor Ort kümmern sich um die Stationen, damit sie nicht selbst zum Reparaturfall werden. Regelmäßig wollen die Radenthusiasten künftig bei ihren Touren die Stationen abklappern und nach dem Rechten schauen. Bis Sommer sollen die Standorte der Servicestationen auch im Internet abrufbar sein.



Mengenrabatt bei Bestellung von 36 Stationen

Ursprünglich war der ADFC von weniger als den jetzt 36 Stationen ausgegangen. Aber das Interesse der Städte und Gemeinden war groß – allein Fellbach orderte fünf. Die kommunalen Bauhöfe stellten und stellen die Stationen auf. Dank des Großauftrags gab der Lieferant, der polnische Hersteller Ibombo, einen kräftigen Mengenrabatt, erzählt Andreas Schwager.

Die Reparaturstationen sind ein Baustein in der neuen Verkehrspolitik des Rems-Murr-Kreises, die dem Fahrrad eine größere Bedeutung für eine umweltfreundliche Mobilität einräumt. Kehrseite des Radbooms sind freilich steigende Unfallzahlen, vor allem mit Pedelecs, weshalb die Sicherheit auf zwei Rädern erhöht werden soll. So ist ein Projekt „Rad-Helden at school“ für Grundschüler mit Fahrradaktionstagen geplant. Ebenfalls zusammen mit dem Württembergischen Radsportverband sollen bei einem Pilotprojekt „Radspaß, sicher e-biken“ Fahrsicherheitstrainer für Pedelecfahrer ausgebildet werden.

Das Rad hat in der Verkehrsplanung des Landkreises mittlerweile einen festen Platz. Seit 2018 ist Karen Fischer Radwegekoordinatorin und damit Hauptansprechpartnerin im Landratsamt Rems-Murr für alle Fragen rund um den Radverkehr. Im Straßenbauetat von jährlich sechs Millionen Euro sind eine halbe Million fürs Rad vorgesehen. In Arbeit ist ein Radwegekonzept, das die lokalen und überregionalen Radwege miteinander vernetzt und die vielfach vorhandenen Lücken schließt. Vor allem Berufspendler sollen so aufs Rad gelockt werden, damit sie morgens schnell und sicher zur Arbeit und abends wieder nach Hause gelangen.

Land plant 50 Radschnellwege – darunter zwei im Rems-Murr-Kreis

Am Montag hat das baden-württembergische Verkehrsministerium seine Eckpunkte für seine Radpolitik vorgestellt. 2019 haben sich die Ausgaben auf 30 Millionen Euro fast verdoppelt. Die Bedeutung des Fahrrads als leistungsfähiges, klimaschonendes und gesundheitsförderndes Verkehrsmittel sei in den letzten Wochen deutlich geworden, erklärte Verkehrsminister Winfried Hermann. „Jetzt stellen wir die Weichen, um den Radverkehr auf die nächste Stufe zu heben.“ Das ambitionierte Ziel des grünen Verkehrsministers ist, den Anteil des Radverkehrs bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu verdoppeln. Bei Entfernungen von bis zu zehn Kilometern sei das Rad nicht nur schneller und flexibler als Auto, Bus und Bahn – sondern auch billiger. Radeln sei deshalb ein wichtiger Baustein für eine bezahlbare Mobilität für alle.

Ein Schwerpunkt des Landes sind Radschnellwege, von denen bereits 50 in Planung sind. Darunter zwei im Rems-Murr-Kreis, nämlich Waiblingen-Ludwigsburg und Schorndorf-Fellbach. Darüber hinaus will das Land verstärkt Radwege entlang von Landes- und Bundesstraßen bauen, wobei allerdings keine Projekte zwischen Rems und Murr vorgesehen sind.

Auf Initiative von Baden-Württemberg hat der Bund die Straßenverkehrsordnung novelliert, so das Stuttgarter Ministerium. So dürfen Radfahrer nun grundsätzlich nebeneinander fahren, und Autos müssen festgeschriebene Überholabstände gegenüber dem Radfahrer einhalten. Weniger Unfälle erhofft sich der Gesetzgeber auch von der Vorgabe, dass Lastwagen beim Rechtsabbiegen innerorts nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen. Denn Radler befinden sich beim Abbiegen im toten Winkel des Lkw-Fahrers.

Pumpe, Schraubenschlüssel, Kreuzschlitzdreher, Inbus – alles vorhanden. Eine lockere Schraube ist schnell wieder angezogen, der Platten am Fahrrad im Nu repariert und der Reifen dank Kompressor flugs wieder aufgepumpt. Zwischen Rems und Murr entsteht ein Netz von 36 Fahrrad-Reparaturstationen, das seinesgleichen im Land sucht, sagt Andreas Schwager vom ADFC Rems-Murr, der dieses Projekt mit angestoßen hat. Dank eines Zuschusses von lediglich 15 000 Euro durch den Rems-Murr-Kreis haben 21

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