Rems-Murr-Kreis

44-Jähriger aus Fellbach-Schmiden muss wegen versuchtem Tötungsdelikt in die Psychiatrie

Landgericht
Hier, am Landgericht in Stuttgart, erging das Urteil: Unterbringung für den Täter © ALEXANDRA PALMIZI

Über den Stangenstecher, der auf einem Gartengrundstück in Fellbach-Schmiden versucht hat, einen Mann zu töten (wir berichteten), hat das Stuttgarter Landgericht das Urteil gesprochen: Der 44-Jährige wird im Maßregelvollzug untergebracht, wo psychisch Kranke, die eine Gefahr für die Allgemeinheit sind, im Bundesdurchschnitt momentan bis zu sieben Jahre bleiben müssen. In Baden-Württemberg beträgt die Dauer durchschnittlich fünf Jahre und der Trend zu weniger Entlassungen bei den unbefristeten Zwangsunterbringungen in der Psychiatrie geht nach oben.

Für den Richter der Schwurgerichtskammer am Landgericht, Jörg Geiger, war es bei der Urteilsbegründung „nicht nachvollziehbar, welche Gedanken den Angeklagten bei der Tat getragen haben“.

Wie wild auf das Opfer eingestochen

Zwei Tage vor dem 8. April dieses Jahres gegen 10 Uhr auf dem Gartengrundstück in Schmiden war zwischen ihm, der in einem der Gartenhäuschen nächtigte, und seinem 55-jährigen Opfer aus Oeffingen noch alles ganz normal. Der Oeffinger erwies dem führerscheinlosen Ingersheimer Chauffeurdienste und Letzterer verlegte ihm dafür Platten in seinem Garten. Als der Chauffeur den Gartenhelfer, den er nur flüchtig kannte, aber am Tattag abholen wollte, war alles anders.

Nach Überzeugung des Gerichts wollte der 44-Jährige den 55-Jährigen mit der etwa 1,20 Meter langen und drei bis vier Kilo schweren Pflanzstange aus Eisen wirklich umbringen, als er wie wild auf ihn einstach. Die Stiche und Schläge begannen im Garten und setzten sich auf der Flucht des Opfers in sein Auto fort. Sogar ins Innere des Wagens kamen noch Stiche mit der Stange, als der Angreifer die Autoscheiben demoliert hatte. Und zwar gezielt in Richtung Kopf und Oberkörper. Der Oeffinger konnte sich nur vor dem Tode retten, indem er seinen Wagen startete und davonfuhr.

Täter muss dem Opfer, dessen Auto Totalschaden hat,  2528 Euro Schadensersatz bezahlen.

Kraft Urteils muss der Stangenstecher dem Opfer, dessen Auto Totalschaden hat, jetzt 2528 Euro Schadensersatz bezahlen. Der bei der Abwehr der Pflanzstange gebrochene Finger und die Prellungen sind inzwischen verheilt. Nur mit einer Wunde am Fuß hat der 55-Jährige, der auf das Gericht als Zeuge einen traumatisierten Eindruck machte, noch zu kämpfen.

Aus der Sicht von Richter Geiger hat der Stangenstecher aufgrund einer paranoiden, halluzinatorischen, schizophrenen Psychose “völlig irrational gehandelt“. Eine Zwangsunterbringung, so Jörg Geiger, sei aus der Sicht der Kammer „eindeutig zu bejahen“.

Stangenstecher nimmt Urteil an

Im Urteil über den psychisch kranken und deshalb als schuldunfähig einzustufenden Mann stützte sich das Gericht auf ein Gutachten von Professor Dr. Hermann Ebel, dem ärztlichen Direktor der psychiatrischen Klinik Ludwigsburg, und im Großen und Ganzen auf das Plädoyer des Ersten Staatsanwalts, Thomas Hochstein.

Nach der Urteilsverkündung haben sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte Rechtsmittelverzicht erklärt. Mit der Annahme des Urteils signalisierte der Stangenstecher, dass er für sich selber auch keinen anderen Ausweg mehr sieht als die Psychiatrie. Er leidet unter Wahnvorstellungen und fühlt sich von einer albanisch-italienischen Mafia bedroht, welcher er zur Tatzeit auch sein Opfer zuordnete.

Über den Stangenstecher, der auf einem Gartengrundstück in Fellbach-Schmiden versucht hat, einen Mann zu töten (wir berichteten), hat das Stuttgarter Landgericht das Urteil gesprochen: Der 44-Jährige wird im Maßregelvollzug untergebracht, wo psychisch Kranke, die eine Gefahr für die Allgemeinheit sind, im Bundesdurchschnitt momentan bis zu sieben Jahre bleiben müssen. In Baden-Württemberg beträgt die Dauer durchschnittlich fünf Jahre und der Trend zu weniger Entlassungen bei den

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