Rems-Murr-Kreis

444 Covid-Intensivpatienten, Winnender Chefarzt appelliert: Kontakte reduzieren!

AdobeStock_414377839
„Ab Montag, 22. November, werden wir keine nicht unbedingt notwendige OP mehr durchführen, um weitere Kapazitäten für die steigende Anzahl von Covid-Patienten freizubekommen“, sagt Dr. Torsten Ade, Chefarzt der Notaufnahme des Rems-Murr-Klinikums Winnenden. © Adobestock/Sascha Kampka

444 Covid-Intensivpatienten müssen derzeit (Stand: Mittwoch, 17.11., 12.15 Uhr) in den Krankenhäusern Baden-Württembergs versorgt und davon 201 beatmet werden. Angesichts der immer angespannteren Lage in den Krankenhäusern appelliert Dr. Torsten Ade von den Rems-Murr-Kliniken an die Bevölkerung: „Bitte reduzieren Sie Ihre Kontakte. Denken Sie jeden Tag morgens daran, abends können Sie bereits auf der Intensivstation liegen, wenn Sie nicht vorsichtig sind.“ In Winnenden und Schorndorf werden momentan 57 Covid-Patienten behandelt, zehn benötigen den Anschluss an Beatmungsgeräte. „Ab Montag, 22. November, werden wir keine nicht unbedingt notwendige OP mehr durchführen, um weitere Kapazitäten für die steigende Anzahl von Covid-Patienten freizubekommen“, sagt Ade, der Chefarzt der Notaufnahme in Winnenden ist.

Die Anzahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern Baden-Württembergs werde sich bis 25. November mindestens noch einmal verdoppeln, auf dann wohl fast 900. Da ist sich Dr. Torsten Ade einig mit zum Beispiel Prof. Dominik Alscher (Vorstandsvorsitzender des Robert-Bosch-Krankenhauses). „Ich sehe momentan noch keine eingeleitete Maßnahme, die diesen Anstieg verhindern wird.“

Die Warnstufe mit 2G und Ausschluss von Ungeimpften vom öffentlichen Leben in vielen Bereichen reiche voraussichtlich nicht aus. „Ein erneuter Lockdown wäre eine Möglichkeit, da wäre ich unter Umständen dafür, aber viel wichtiger ist es jetzt, sofort eigenverantwortlich die Sozialkontakte zu reduzieren und nicht erst auf die Politik zu warten“, sagt Ade. Er persönlich sei in Pandemie-Zeiten, wie jetzt, „kein Freund“ von Weihnachtsmärkten und größeren Menschenansammlungen bei Veranstaltungen, ganz gleich ob 2G oder 3G dort gelten.

„Die vierte Welle müsste jetzt gebrochen werden, um einen weiteren Anstieg der Inzidenzen und den um rund zwei Wochen versetzten Anstieg der Anzahl der Intensivpatienten zu stoppen", sagt Prof. Dominik Alscher vom Roberts-Bosch-Krankenhaus. "Ein Lockdown würde dem Gesundheitssystem helfen. Er wird aber aus mehreren Gründen wohl nicht kommen.“ Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat derweil einen neuen Lockdown nicht mehr ausgeschlossen.

Dr. Torsten Ade findet darüber hinaus, dass Ärzte nicht erst die Freigabe von Booster-Impfungen für unter 70-Jährige durch die Ständige Impfkommission (Stiko) abwarten sollten. „In den Rems-Murr-Kliniken haben wir auch schon vor der Stiko-Empfehlung für über 70-Jährige und Krankenhaus- und Pflegepersonal mit dem Boostern angefangen, bereits im Juli. Das liegt im ärztlichen Ermessen. Und: Ich bin der Meinung, man kann und sollte auch schon nach fünf Monaten nach der letzten Impfung boostern.“

Derweil hat der Stiko-Chef eine Ausweitung der Booster-Empfehlung angekündigt und Hausärzte warnten vor Impfstoff-Verteilungskämpfen.

Die Rems-Murr-Kliniken nehmen auch immer wieder Covid-Patienten aus anderen punktuell überfüllten Krankenhäusern auf, etwa Heilbronn, im Rahmen eines Clustersystems. Die Ressourcen der Krankenhäuser seien begrenzt und die Clusterübernahmen nicht endlos strapazierbar. „Das liegt noch nicht einmal an den Gerätschaften - wir hätten im Notfall 90 Beatmungsgeräte -, sondern am Mangel qualifizierten Personals. Sie müssen die Geräte ja auch bedienen können“, sagt Ade. 

Auch aus dem Krankenhaus-Versorgungscluster Ludwigsburg/Stuttgart, Tübingen, Ulm, Freiburg, Karlsruhe und Heidelberg kommen Hilferufe in Form eines schriftlichen Appells mehrerer Intensivmediziner an die Planungsverantwortlichen im Sozialministerium. Darin heißt es: „Die möglichen Auswirkungen sind nicht nur besorgniserregend für unsere Kliniken in BW, sie werden dann alle Menschen in BW betreffen: Menschen mit akuten intensivmedizinischen Erkrankungen, vom Neugeborenen bis zum hohen Lebensalter, vom Verkehrsunfall, der Schwangerschaft mit Komplikationen, einer Krebserkrankung, einer komplizierten orthopädischen Erkrankung, einem Schlaganfall oder mit Herzinfarkt und vielen anderen intensivmedizinisch notwendigen Behandlungen.“ All diese Patienten könnten bald nicht mehr so gut und zeitnah versorgt werden, weil Pflegende und Ärztinnen und Ärzte vermehrt in der Versorgung von akut erkrankten Covid-Patienten gebunden sind.

Das könne nur durch „uns Bürgerinnen und Bürger in BW“ verhindert werden, so die Intensvimediziner. „Helfen Sie und handeln wir gemeinsam, für uns und unsere Familien: Impfen Sie sich sofort, lassen Sie sich zum dritten Mal impfen, tragen Sie Masken, wo Sie mit anderen Menschen in Räumen zusammenkommen, halten Sie Abstand und testen Sie sich regelmäßig.“

Der Appell ist unterschrieben von

  • Prof. Götz Geldner vom Klinikum Ludwigsburg,
  • Dr. Albrecht Henn-Beilharz vom Klinikum Stuttgart,
  • Prof. Hartmut Bürkle von der Uniklinik Freiburg,
  • Prof. Bettina Jungwirth von der Uniklinik Ulm,
  • Prof. Franz Kehl vom Klinikum Karlsruhe,
  • Prof. Erik Popp von der Uniklinik Heidelberg und
  • Prof. Peter Rosenberger von der Uniklinik Tübingen.

444 Covid-Intensivpatienten müssen derzeit (Stand: Mittwoch, 17.11., 12.15 Uhr) in den Krankenhäusern Baden-Württembergs versorgt und davon 201 beatmet werden. Angesichts der immer angespannteren Lage in den Krankenhäusern appelliert Dr. Torsten Ade von den Rems-Murr-Kliniken an die Bevölkerung: „Bitte reduzieren Sie Ihre Kontakte. Denken Sie jeden Tag morgens daran, abends können Sie bereits auf der Intensivstation liegen, wenn Sie nicht vorsichtig sind.“ In Winnenden und Schorndorf werden

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper