Rems-Murr-Kreis

510 Covid-Patienten auf Intensivstation: Welchen Kreisen drohen Ausgangssperren?

Ausgangssperre in Schorndorf
Ausgangsbeschränkungen wie während der Dritten Corona-Welle drohen in Baden-Württemberg jetzt, Ende November 2021, zunächst nur Ungeimpften in Hotspot-Kreisen. © Benjamin Büttner

Die Anzahl der Covid-Intensivpatienten in Baden-Württemberg ist am Dienstag (23.11.) auf über 500 gestiegen. Auch deshalb gelten ab Mittwoch (24.11.) nach dem Willen des Sozialministeriums in mehreren Kreisen nächtliche Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte. Wann ist der Rems-Murr-Kreis dran?

Laut Divi-Intensivregister werden mit Stand 7.30 Uhr an diesem Dienstag (23.11.) 503 Covid-Patienten auf baden-württembergischen Intensivstationen behandelt. 255 davon müssen beatmet werden. Und es wird zusehends schlimmer:

  • Die Zahlen von 9.15 Uhr: 502 Covid-Intensivpatienten, 259 am Beatmungsgerät.
  • Die Zahlen von 11.15 und 15.15 Uhr: 507 Covid-Intensivpatienten, 267 am Beatmungsgerät.
  • Dei Zahlen, die das Landesgesundheitsamt am Dienstagabend vermeldete: 510 Covid-Intensivpatienten, 267 am Beatmungsgerät.

Mittlerweile machen die schwer Coronakranken 22,6 Prozent aller Intensivpatienten im Lande aus. In manchen Krankenhäusern sogar viel mehr:

  • Hohenlohekreis: 85,7 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 540 am 22.11. und 507 am 23.11.
  • Landkreis Rottweil: 84,6 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 614 am 22.11. und 629 am 23.11.
  • Stadtkreis Heilbronn: 61 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 590 am 22.11. und 586 am 23.11.
  • Landkreis Sigmaringen: 50 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 536 am 22.11. und 567 am 23.11.
  • Landkeis Ravensburg: 40,7 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 545 am 22.11. und 584 am 23.11.
  • Zollernalbkreis: 42,3 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 506 am 22.11. und 554 am 23.11.
  • Landkreis Esslingen: 40,6 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 509 am 22.11. und 519 am 23.11.
  • Stadtkreis Baden-Baden: 40 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 472 am 22.11. und 507 am 23.11.
  • Stadtkreis Pforzheim: 37,8 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 612 am 22.11. und 604 am 23.11.
  • Landkreis Reutlingen: 35 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 435 am 22.11. und 390 am 23.11.
  • Landkreis Heidenheim: 33,3 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 569 am 22.11. und 599 am 23.11.
  • Landkreis Freudenstadt: 33,3 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 469 am 22.11. und 558 am 23.11.
  • Landkreis Karlsruhe: 31,8 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 450 am 22.11. und 422 am 23.11.
  • Landkreis Waldshut: 30 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 363 am 22.11. und 370 am 23.11.
  • Schwarzwald-Baar-Kreis: 28,3 % der Intensivpatienten sind Covid-Patienten. Inzidenz in diesem Kreis: 600 am 22.11. und 675 am 23.11.

Im Rems-Murr-Kreis sind es 21,6 %. 53 Covid-Patienten werden momentan in den Rems-Murr-Kliniken behandelt, elf davon auf Intensivstation und invasiv beatmet.

Kliniken am Limit

Schon in der vergangenen Woche haben Intensivmediziner im Stuttgarter Raum Alarm geschlagen und von Überbelastung, Verdruss und Patientenverlegungen berichtet. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) warnte erneut am Montag (22.11.) vor einer besorgniserregenden Lage. Kliniken landauf, landab fahren ihr OP-Programm runter, so auch die Rems-Murr-Kliniken.

Sogar Patienten-Verlegungen in andere Bundesländer werden wohl bald bittere Realität. „Wenn die vierte Welle, zum Beispiel durch einen Lockdown, nicht jetzt gebrochen wird, wird sich die Anzahl der Covid-Intensivpatienten in den Krankenhäusern Baden-Württembergs in spätestens zwei Wochen verdoppelt haben“, betonte Prof. Dr. Mark Dominik Alscher, Vorstandsvorsitzender des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK). „Dies als zeitversetzte Nachwirkung der Inzidenzen. Das ist simple Mathematik.“ Das wären dann Ende November/Anfang Dezember landesweit rund 900 Covid-Intensivpatienten, im RBK 90 bis 100: „Für uns und alle anderen Kliniken die definierte Obergrenze. Wir werden dann, wenn noch mehr dazukäme, um Patienten-Verlegungen in andere Bundesländer, die höhere Impfquoten und deren Krankenhäuser weniger belastet sind, nicht herumkommen“, so Alscher.

Patienten-Verlegungen innerhalb des Krankenhausclusters Stuttgart/Ludwigsburg, zu dem auch der Rems-Murr-Kreis und Esslingen gehören, würden jetzt schon gemacht. „Die Landesregierung hat die universitären Kliniken in Tübingen, Heidelberg, Ulm und Freiburg zwar entsprechend mit Finanzmitteln breit aufgestellt. Die haben noch etwas mehr Kapazitäten. Aber auch die werden schnell an ihre Grenzen kommen.“

„Bereits heute Mangelverwaltung“

In anderen Clustern sehe es nicht weniger angespannt aus, sagt Alscher. „Viele Kliniken im Land müssen wie wir jetzt schon tagtäglich über Bettenbelegungen diskutieren, sagen Operationen ab oder verschieben sie, melden wegen Überbelastung die Notaufnahme immer häufiger und länger von der Leitstelle ab. Aber die Menschen kommen ja trotzdem weiter in die Krankenhäuser, auch mit anderen Notfällen als Covid. Wir sind also bereits heute in der Mangelverwaltung.“

Zusätzlich zu den prognostizierten 900 Covid-Intensivpatienten wird es noch die anderen, im Durchschnitt drei- bis fünfmal so vielen (also 2700 bis 4500) stationär aufgenommenen Covid-Patienten geben, die neben allen anderen Patienten behandelt und versorgt werden müssen.

Landesregierung plant Regel-Verschärfungen ab Mittwoch (24.11.)

In drei Hochinzidenz-Kreisen gilt schon seit Montag (22.11.) eine nächtliche Ausgangssperre: Im Schwarzwald-Baar-Kreis (600), im Ostalbkreis (686) und im Kreis Biberach (639) war die Zahl der Corona-Infektionen so sprunghaft angestiegen, dass jetzt Menschen ohne Immunisierung zwischen 21 Uhr abends und 5 Uhr am Morgen nur noch aus triftigen Gründen das Haus verlassen dürfen.

Um der Lage in den Krankenhäusern und des allgemeinen Infektionsgeschehens Herr zu werden, plant die Landesregierung weitere Verschärfungen. Dazu werde eine neue Coronaverordnung wohl noch an diesem Dienstag (23.11.) auf den Weg gebracht, hieß es. Schärfere Regeln könnten dann schon von Mittwoch (24.11.) an gelten:

  • Einführung von 2G-plus für viele Bereiche, etwa bei Veranstaltungen und Konzerten, in Clubs oder Bars und auf Weihnachtsmärkten. Zu Veranstaltungen gelten aller Voraussicht nach auch Theater- und Opern-Aufführungen, Kino, Stadt- und Volksfeste, Stadtführungen und Informations-, Betriebs-, Vereins- sowie Sportveranstaltungen.
    Das heißt, dort haben Ungeimpfte kein Zutritts- oder Teilnahmerecht. Und: Geimpfte oder Genesene müssem dann beim Eintritt ein negatives Testergebnis vorweisen. Diese Regel soll dem Vernehmen nach dann gelten, „wenn an zwei Werktagen in Folge mehr als 450 Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind“. Dieser Wert ist längst überschritten!
  • In Hotspot-Kreisen mit Inzidenzen von über 500 sollen ab Mittwoch Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte gelten. Diese dürfen dann zwischen 21 und 5 Uhr das Haus nicht mehr ohne triftigen Grund verlassen.

Folgende Stadt- und Landkreise kommen dafür jetzt schon infrage:

  • Alb-Donau-Kreis: Inzidenz 560 am 22.11. und 579 am 23.11.
  • LK Biberach: Inzidenz 639 am 22.11. und 710 am 23.11.
  • Bodenseekreis: Inzidenz 553 am 22.11. und 637 am 23.11.
  • LK Calw: Inzidenz 545 am 22.11. und 575 am 23.11.
  • Enzkreis: Inzidenz 607 am 22.11. und 619 am 23.11.
  • LK Esslingen: Inzidenz 509 am 22.11. und 519 am 23.11.
  • LK Heidenheim: Inzidenz 569 am 22.11. und 599 am 23.11.
  • LK Heilbronn: Inzidenz 514 am 22.11. und 532 am 23.11.
  • Hohenlohekreis: Inzidenz 540 am 22.11. und 507 am 23.11.
  • Ortenaukreis: Inzidenz 550 am 22.11. und 564 am 23.11.
  • Ostalbkreis: Inzidenz 686 am 22.11. und 654 am 23.11.
  • LK Ravensburg: Inzidenz 544 am 22.11. und 584 am 23.11.
  • LK Rottweil: Inzidenz 614 am 22.11. und 629 am 23.11.
  • Schwarzwald-Baar-Kreis: Inzidenz 600 am 22.11. und 675 am 23.11.
  • LK Sigmaringen: Inzidenz 536 am 22.11. und 567 am 23.11.
  • LK Tuttlingen: Inzidenz 624 am 22.11. und 613 am 23.11.
  • Zollernalbkreis: Inzidenz 506 am 22.11. und 554 am 23.11. 
  • Stadtkreis Heilbronn: Inzidenz 590 am 22.11. und 586 am 23.11.
  • Stadtkreis Mannheim: Inzidenz 524 am 22.11. und 521 am 23.11.
  • Stadtkreis Pforzheim: Inzidenz 612 am 22.11. und 604 am 23.11.
  • Stadtkreis Ulm: Inzidenz 527 am 22.11. und 520 am 23.11.

Die landesweite Inzidenz betrug am Montag (22.11.) 460. Im Rems-Murr-Kreis lag die Inzidenz bei 454. Die 500er-Grenzmarke ist in unserem Landkreis also auch nicht mehr weit. Womöglich gelten also auch im Rems-Murr-Kreis ab dem kommenden Wochenende (27./28.11.) oder ab der folgenden Woche (29.11. bis 5.12.) Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte ab 21 Uhr.

Die Anzahl der Covid-Intensivpatienten in Baden-Württemberg ist am Dienstag (23.11.) auf über 500 gestiegen. Auch deshalb gelten ab Mittwoch (24.11.) nach dem Willen des Sozialministeriums in mehreren Kreisen nächtliche Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte. Wann ist der Rems-Murr-Kreis dran?

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Laut Divi-Intensivregister werden mit Stand 7.30 Uhr an diesem Dienstag (23.11.) 503 Covid-Patienten auf baden-württembergischen Intensivstationen behandelt. 255 davon müssen beatmet

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