Rems-Murr-Kreis

9-Euro-Ticket und Tankrabatt weg: Was bedeutet das für Familien? Rechenbeispiel

Geld Geldscheine Bargeld Symbol Symbolbild
Symbolfoto. © Pixabay/moerschy

Alles wird teurer. Das ist kein subjektiver Eindruck. Die Inflation steigt stetig, ebenso die Energiekosten. Von 1. September an fallen zudem das 9-Euro-Ticket sowie der Tankrabatt weg, die die Menschen in den vergangenen Monaten finanziell entlastet haben. Was bedeutet das konkret für Familien? Ein Rechenbeispiel anhand einer fiktiven Familie.

Bernd (50) und Daniela (45) Maier aus Waiblingen haben zwei Kinder, den neunjährigen Leon und die 14-jährige Mila. Leon kommt nach den Sommerferien in die vierte Klasse und ist als Einziger der Familie kaum auf öffentliche Verkehrsmittel oder Autofahrdienst seiner Eltern angewiesen. Seine Grundschule liegt nahe dem Elternhaus und er kann dort zu Fuß hinlaufen. Das 9-Euro-Ticket hatten seine Eltern dennoch für ihn gekauft, denn nie war es günstiger, mit der ganzen Familie einen Ausflug zu machen.

Kosten für Mobilität steigen wieder

Mila ist für den Schulweg zu ihrem Gymnasium auf den Bus angewiesen, auch Daniela Maier fährt die knapp fünf Kilometer lange Strecke zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bernd Maier pendelt zur Arbeit nach Stuttgart. Normalerweise nimmt er das Auto, während des Aktionszeitraumes ist allerdings auch er auf die öffentlichen Verkehrsmittel umgestiegen. Ihr Auto haben die Maiers in den vergangenen drei Monaten fast immer stehen lassen und nur für den Wocheneinkauf und die Fahrt in den Sommerurlaub aus der Garage geholt. Für kleinere Besorgungen, Ausflüge und Besuche bei Verwandten und Freunden hat die Familie in dieser Zeit den öffentlichen Nahverkehr genutzt.

So kamen die Maiers durchschnittlich locker mit einer Tankfüllung durch den Monat, beim 50-Liter-Tank ihres Kombis haben sie für Benzin monatlich von Juni bis August rund 90 Euro ausgegeben. Dazu für jedes Familienmitglied das 9-Euro-Ticket. Die Kosten für die Mobilität lagen in den vergangenen drei Monaten bei rund 126 Euro pro Monat.

Von September an werden diese Kosten deutlich steigen. Bernd Maier wird dann wieder mit dem Auto zur Arbeit fahren, denn das Monatsticket für zwei Zonen für 92,90 Euro ist ihm zu teuer, um diese Individualität aufzugeben. Da er und der jüngere Sohn der Familie folglich kein Ticket mehr für den ÖPNV haben, werden auch sonst wieder viele Fahrten der Familie mit dem eigenen Pkw zurückgelegt, in der Regel tankt die Familie dann zweimal pro Monat. Dies dürfte nach dem Ende des Tankrabatts dann pro Tankfüllung mindestens 105 Euro kosten, die Spritpreise dürften dann wieder deutlich über zwei Euro liegen. Allein für Sprit dürften also mindestens 210 Euro ausgegeben werden, je nachdem, wie stark die Preise steigen, sogar noch mehr.

Wocheneinkauf wird immer teurer

Dazu kommen Kosten für den öffentlichen Nahverkehr, den Mutter und Tochter brauchen: 42,15 Euro für Milas Scool-Abo sowie das VVS-Monatsticket für eine Zone für Daniela Maier: 72,20. Auch ohne die ein oder andere Einzelfahrt, die für Leon oder ein Tagesticket für die ganze Familie ausgegeben wird, kommen so 324,35 Euro zusammen. Knapp 200 Euro mehr wird die Familie allein für ihre Mobilität ausgeben müssen, wenn 9-Euro-Ticket und Tankrabatt wieder wegfallen.

Doch auch in anderen Lebensbereichen müssen die Maiers künftig tiefer in die Tasche greifen. Apropos Wocheneinkauf: Lebensmittelpreise steigen seit Monaten extrem. Laut Statistischem Bundesamt sind Nahrungsmittel in allen Lebensmittelgruppe teurer geworden. Angegeben wird das im Verbraucherpreisindex für Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, die als repräsentativ für den „durchschnittlichen privaten Haushalt“ angesehen werden. Waren die Lebensmittelpreise in den vergangenen 20 Jahren deutlich weniger angestiegen als andere Lebenshaltungskosten, stiegen sie zwischen Juli 2021 und Juli 2022 um 14 Prozent. Allein von Juni bis Juli dieses Jahres sind die Preise für Nahrungsmittel und antialkoholische Getränke um mehr als zwei Prozent teurer geworden. Für den Wocheneinkauf von Familie Maier bedeutet das: Bezahlten sie noch im Juni 200 Euro für ihren Wocheneinkauf, waren es im Juli schon rund 205 Euro und damit mindestens 20 Euro mehr pro Monat.

Gaspreise haben sich vervielfacht

Noch deutlich stärker angezogen haben die Gaspreise. Auch Familie Maier heizt ihre 100 Quadratmeter große Vierzimmerwohnung mit Gas, verbraucht jährlich rund 13.000 Kilowattstunden. 2021 bezahlten sie dafür rund 820 Euro, durchschnittlich also knapp 70 Euro pro Monat. Seither haben sich die Gaskosten laut dem Vergleichsportal Verivox etwa verdreifacht, Familie Maier muss also vermutlich mit rund 1220 Euro im Jahr, bzw. knapp 200 Euro im Monat rechnen. Das macht rund 130 Euro Mehrkosten für Gas pro Monat. Und es wird noch teurer werden. Denn ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht und von 1. Oktober an kommt zusätzlich die Gasumlage auf Verbraucher zu. Sie beträgt 2,4 Cent pro Kilowattstunde, auf die Maiers kommen also vermutlich gut 300 Euro Mehrkosten pro Jahr zu.

Die Beispielrechnung zeigt: Tankrabatt und 9-Euro-Ticket haben Familie Maier finanziell entlastet, konnten die steigenden Lebensmittel- und Energiekosten relativ gut kompensieren. Das Ende dieser politischen Maßnahmen zur Entlastung wird die Beispielfamilie aber nun deutlich spüren. Weitere finanzielle Unterstützung, wie etwa durch die Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro für alle Beschäftigten im September, können die Maiers deshalb dringend brauchen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bekommen das Geld mit dem September-Gehalt ausgezahlt.

Alles wird teurer. Das ist kein subjektiver Eindruck. Die Inflation steigt stetig, ebenso die Energiekosten. Von 1. September an fallen zudem das 9-Euro-Ticket sowie der Tankrabatt weg, die die Menschen in den vergangenen Monaten finanziell entlastet haben. Was bedeutet das konkret für Familien? Ein Rechenbeispiel anhand einer fiktiven Familie.

Bernd (50) und Daniela (45) Maier aus Waiblingen haben zwei Kinder, den neunjährigen Leon und die 14-jährige Mila. Leon kommt nach den

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper