Rems-Murr-Kreis

Abschied nach 28 Jahren: Sonja und Günther Battermann beenden Motorrad-Trainings

Battermanns Motorrad-Sicherheitstraining
Sonja und Günther Battermann haben viele Motorradfahrerinnen und -fahrer das sichere Fahren gelehrt – künftig möchten sie aber selber wieder mehr unterwegs sein. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wie reagiert man bei einem plötzlich auftretenden Hindernis? Wo ordnet man sich am besten beim Rechts- oder Linksabbiegen innerhalb der Fahrspur ein? Welche Linie fährt man idealerweis in einer Kurve? Schon bald gehören die Tage, an denen Sonja (62) und Günther Battermann (65) ihren Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern wertvolle Tipps für den Straßenverkehr gegeben haben, der Vergangenheit an. Nach 28 Jahren und rund 600 Motorrad-Sicherheitstrainings in Schorndorf hört das Ehepaar zum Ende des Jahres 2022 auf.

Während dieser Zeit hat das Paar so einiges erlebt. Das Verrückteste aber, was ihnen begegnet ist, war ein Sicherheitstraining mit einer Dachdeckerinnung. „Die waren aus dem Raum Heilbronn“, erinnert sich Günther Battermann. Am Sonntagmorgen seien sie durch das Tor und auf den Platz der Straßenmeisterei in Schorndorf reingefahren. Normalerweise werden pro Sicherheitstraining zehn Personen zugelassen. „Wir haben gezählt: Eins, zwei … bei 30 haben wir aufgehört“, lacht Sonja Battermann. „Und dann kam noch ein Veranstaltungswagen, also ein Grillwagen mit Musik und allem Drum und Dran, hinterher. Da war auch gleich für das Mittagessen gesorgt“, ergänzt Günther Battermann.

Für 30 Leute sei der Platz in Schorndorf nicht ausgelegt. Umso erleichterter waren die beiden, als sie spontan auf den Firmenparkplatz eines Autoausrüsters gegenüber der Straßenmeisterei ausweichen durften. „So konnten wir das Ganze ein bisschen entzerren“, schmunzelt Günther Battermann.

Wie kamen die beiden zum Motorrad-Sicherheitstraining?

Angefangen habe alles mit einem Kollegen von Günther Battermann. Battermann ist Polizeihauptkommissar im Ruhestand, seine Frau arbeitet als Erzieherin in einem Kindergarten in Plüderhausen. Damals führte Günther Battermanns Kollege ADAC-Sicherheitstrainings durch und wollte diese auch im Rems-Murr-Kreis anbieten.

Er fragte Günther Battermann, ob der mitmachen wolle. „Ich habe damals weder ein Motorrad gehabt noch eine Ahnung davon, wie man das macht, und hab einfach mal Ja gesagt.“ Zu Beginn boten die beiden zwei Sicherheitstrainings im Jahr an. Im zweiten Jahr sei sein Kollege dann aus- und Sonja an seiner Stelle eingestiegen. Mit der Zeit hat das Ehepaar das Angebot ausgeweitet und Kurse speziell für Frauen eingeführt.

Wird ihnen das Sicherheitstraining fehlen?

„Vermissen werden wir es wohl. Es waren unheimlich nette Leute dabei und es haben sich auch gute Freundschaften entwickelt“, so Günther Battermann. „Was in letzter Zeit allerdings gewaltig genervt hat, ist, dass seit Corona-Beginn Leute sich angemeldet haben und einfach nicht zum Kurs gekommen sind.“ Sie meldeten sich nicht einmal - und wenn das Ehepaar nachfragte, seien zum Teil richtig unverschämte Antworten gekommen. „Das hat uns etwas mehr beflügelt, dass wir wieder mehr privat Motorrad fahren wollen“.

Mit der gewonnenen Freizeit wollen die beiden wieder auf Reisen gehen. Schon einmal war das Ehepaar acht Monate mit seinen Motorrädern unterwegs. Damals fuhren noch beide eine BMW. Mittlerweile ist Günther Battermann zum Leidwesen seiner Frau auf eine Yamaha Ténéré 700 umgestiegen. Die Yamaha wiegt zwar rund 90 Kilo weniger, ist dafür aber auch etwas langsamer unterwegs.

Nun planen sie, mit ihren Motorrädern auf dem Landweg nach Indonesien zu fahren und anschließend mit dem Schiff weiter Richtung Australien.

Das nächste Projekt: Motorradreise nach Australien

Aber was bedeutet das für die Teilnehmer der Motorrad-Sicherheitstrainings? Gibt es keine Kurse mehr? Ein Teilnehmer, der bisher an den Sicherheitstrainings der Battermanns teilgenommen hat, macht gerade die Ausbildung zum Motorrad-Sicherheitstrainer. Die gesamte Ausbildung dauert rund ein Jahr. Allerdings darf er die Kurse nicht alleine anbieten. Daher sei noch nicht klar, ob bereits 2023 Kurse angeboten werden können. Auf der Website findet man die Infos zum neuesten Stand.

Und wie sieht's künftig mit den Battermanns aus? Wird man von ihnen noch etwas hören? Auf ihrer letzten Reise hat Sonja Battermann einen Blog geführt. Der Link zum Blog ist auch auf der Website zu finden. „Wir haben festgestellt, dass der von unheimlich vielen Leuten gelesen wurde – von Leuten, die wir zum Teil gar nicht kennen“, sagt Günther Battermann. Sobald sie ihre nächste Reise antreten, will Sonja Battermann also wieder schreiben. So können diejenigen, die es interessiert, die Reise der Battermanns mitverfolgen.

Wie reagiert man bei einem plötzlich auftretenden Hindernis? Wo ordnet man sich am besten beim Rechts- oder Linksabbiegen innerhalb der Fahrspur ein? Welche Linie fährt man idealerweis in einer Kurve? Schon bald gehören die Tage, an denen Sonja (62) und Günther Battermann (65) ihren Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern wertvolle Tipps für den Straßenverkehr gegeben haben, der Vergangenheit an. Nach 28 Jahren und rund 600 Motorrad-Sicherheitstrainings in Schorndorf hört das Ehepaar zum Ende

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