Rems-Murr-Kreis

Achtung! Falsche Bankmitarbeiter wollen Volksbankkonten leer räumen

Voba Schutz
Die Volksbank Stuttgart warnt vor Betrügern: Keiner ihrer Mitarbeiter würde die Kunden nach TAN und PIN fragen. © Gabriel Habermann

Räuber von heute tragen keine schwarzen Masken, sie lauern nicht in dunklen Ecken und reißen keiner alten Oma mehr die Handtasche von der Schulter. Die Räuberbanden von heute wenden keine rohe Gewalt an. Sie sind geschickte Hacker, ausgebuffte Redner und versierte Manipulateure - und sie arbeiten im Team. Das Ergebnis ist das gleiche: Sie bringen andere Leute um ihr Geld. Nach falschen Polizeibeamten und Enkeltrick schwappt eine neue Betrugswelle über den Rems-Murr-Kreis: falsche Bankmitarbeiter.

Bei der Volksbank Stuttgart haben sich binnen weniger Tage rund 20 Kunden gemeldet, dass ein Bankmitarbeiter oder sogar ein „Sicherheitsbeauftragter“ bei ihen angerufen habe und ihnen eine TAN entlocken wollte. TAN steht für Transaktionsnummer, mit der die Betrüger den digitalen Schlüssel in die Hand bekommen hätten, um das Konto des Opfers leer zu räumen. Der Volksbank sind keine Geschädigten bekannt. In einem Fall konnte die Volksbank jedoch erst in letzter Sekunde die Überweisung verhindern.

Kontoverbindungen werden im Internet abgefischt

In der Woche nach Ostern telefonierten mehrere Tage hintereinander angebliche Mitarbeiter Volksbank-Kunden ab. Es gehe um den Kauf eines 6200 Euro teuren TV-Gerätes, erzählten sie ihnen. Der Betrag werde vom Konto abgebucht, könne aber noch gestoppt werden. Dazu benötigte der Anrufer eine TAN ... Ganz offensichtlich hatten die Betrüger ihren Angriff clever eingefädelt und die Überweisung bereits vorbereitet. Die Kontoverbindung der Opfer war zuvor vermutlich im Internet abgefischt worden, beschreibt der echte Volksbank-Mitarbeiter Gerhard P. (Name geändert) die Herangehensweise dieser modernen Bankräuber. Seinen richtigen Namen kann Gerhard P. wie auch seine Kollegin Petra B. nicht nennen. Sie sind Beauftragte für Geldwäsche und angehalten, sich aus der Öffentlichkeit herauszuhalten. Petra B. und Gerhard P. kümmern sich bei der Volksbank aber nicht nur um Geldwäsche, sondern auch um Betrügereien.

Im November 2020 hatte die Kreissparkasse Waiblingen bereits einmal vor betrügerischen Anrufern gewarnt, die sich als Mitarbeiter von Geldinstituten ausgaben. Auch bei erneuter Welle nach Ostern wurden nicht nur Kunden der Volksbank angesprochen, sondern gerieten auch wieder Kunden der Sparkasse ins Visier.

Polizei geht von einer hohen Dunkelziffer bei Anrufstraftaten aus

Die Polizei spricht von „Anrufstraftaten“. Im Bereich des Polizeipräsidiums Aalen zählte die Kripo im vergangenen Jahr mehr als 600 solcher Delikte, zu denen übrigens auch der Enkeltrick, falsche Polizeibeamte oder fingierte Microsoft-Mitarbeiter gehören. Neuerdings versuchen Betrüger, die Corona-Pandemie auszunutzen, um ihre Opfer hereinzulegen. Aufgrund einer neuen statistischen Erfassung ist kein Vergleich mit den Vorjahren möglich. Der Schaden betrug mehr als eine Million Euro.

Die Dunkelziffer der Betrugsversuche dürfte weit höher als die bekannten 600 Delikte umfassen. Die wenigsten Leute zeigen solche Anrufe bei der Polizei an oder melden sie ihrer Bank. Wer nicht auf den Leim geht, legt einfach den Hörer auf. Dennoch sollten auch solche Anrufe gemeldet werden, sagt Gerhard P. Nur dann könne sich die Volksbank auf eine neue Betrugswelle einstellen, ihre Mitarbeiter warnen und die Sicherheitsvorkehrungen hochfahren.

Das Einfallstor für Betrug ist immer der Kunde, sagt Gerhard P. Er vergleicht die Rechenzentren der Banken und Sparkassen mit einem Tresor, der kaum zu knacken ist. Also machen sich die Betrüger an die Schließfächer in diesem Tresor ran, also an die Konten der Kunden. Die seien mit PIN, der persönlichen Identifikationsnummer, und TAN zwar gesichert. Doch oftmals sei der Umgang mit diesen Schlüsseln vergleichbaren PINs und TANs eher fahrlässig. Gar nicht selten befinde sich eine Notiz der PIN im gleichen Geldbeutel wie die Scheckkarte, sei unverschlüsselt im Adresskalender oder im Handy notiert - oder gleich auf die Karte gekritzelt.

Neben der Scheckkarte ist das Konto ein weiteres Angriffsziel der Betrüger. Die gut organisierten Banden fischen Kontoverbindungen ihrer potenziellen Opfer zunächst online ab. „Phishing“ wird die Methode genannt, um über gefälschte E-Mails, Webseiten oder Kurznachrichten an persönliche Daten zu gelangen. 2020 sind beim Polizeipräsidium Aalen die Fallzahlen von „Cybercrime“ um ein Viertel auf 2522 Fälle gestiegen (Schaden: 1,5 Millionen Euro).

„Die Kriminellen agieren häufig aus Callcentern im Ausland“

Liegen den Betrügern die Daten vor, können die Betrüger diese gezielt nutzen. Sei es, um Opfer zu erpressen, sei es, um Online-Bestellungen aufzugeben – oder sich beispielsweise als Bankmitarbeiter auszugeben. „Dank digitaler Telefonie mit moderner Manipulationssoftware können Kriminelle, die häufig aus Callcentern im Ausland agieren, jede beliebige Telefonnummer auf dem Display ihrer vorzugsweise älteren Opfer anzeigen lassen“, beschreibt die Kripo die Tricks: „Das schafft beim Opfer Vertrauen und erleichtert das kriminelle Vorgehen.“

Petra B. warnt davor, die Opfer vorschnell als naiv abzutun nach dem Motto: „Das könnte mir nie passieren ...“ Sie habe bei Präventionsschulungen der Polizei mithören dürfen, wie raffiniert und ausgebufft die Betrüger vorgehen. Wie sie ihre Opfer zutexten, ihnen Angst einjagen und Druck aufbauen. Sind die Opfer einmal in der Schlinge, lassen sie sie nicht mehr los. Um auf Nummer sicher zu gehen, beobachten die arbeitsteilig organisierten Banden ihre Opfer sogar beim Gang zur Bankfiliale oder überreden sie, ihr Mobiltelefon nicht abzuschalten. Wenn das Opfer, es sind oft Senioren, Glück hat, trifft es in der Bank einen aufmerksamen und echten Bankberater, der Verdacht schöpft, wenn der Senior oder die Seniorin einen fünfstelligen Betrag abheben will und fragt nach.

Die Volksbank Stuttgart schult ihre Mitarbeiter auf solche Betrugsmaschen. So konnten Schäden buchstäblich in letzter Minute verhindert werden. Darüber hinaus aber haben die Volks- und Raiffeisenbanken inzwischen elektronische Helferlein im Einsatz, die die zunehmenden Betrügereien im Zahlungsverkehr erkennen und verhindern sollen. Es handelt sich um eine lernende Software, die Unregelmäßigkeiten und Auffälligkeiten erkennt - und reagiert. Sei es, weil der Adressat oder Kontonummern bekannt sind, auf denen zuvor betrügerische Überweisungen gelandet sind; sei es, weil es sich um einen Online-Verkäufer handelt, dem nicht zu trauen ist.

Die Betrugsmaschen kommen in Wellen, weiß Petra B. aus langjähriger Erfahrung. Gestern falsche Polizeibeamte und Enkeltrick, heute angebliche Mitarbeiter von Geldinstituten - und morgen? Gerhard P. betont, dass kein Polizist, kein Bankmitarbeiter und kein seriöser Anrufer jemals um Angaben zur Kontoverbindung oder gar nach PIN und TAN bittet. „Das können keine ehrlichen Menschen sein“, warnt Gerhard P.

Das rät die Polizei

Das Polizeipräsidium zählte im vergangenen Jahr 3307 Vermögens- und Fälschungsdelikte im Rems-Murr-Kreis. Der Rückgang betrug zwar beachtliche 25,7 Prozent, der aber unter anderem mit einer neuen Erfassungsmethode der Callcenter-Betrügereien zusammenhängt. Die Polizei rät, misstrauisch zu sein und folgende Punkte zu beachten:

  • Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
  • Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen den Dienstausweis.
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt. Suchen Sie dabei die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen nicht in Ihre Wohnung, sondern vor der abgesperrten Tür warten.
  • Die Polizei wird Sie niemals unter der Notrufnummer „110“ anrufen beziehungsweise Geldbeträge bitten.
  • Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.

Räuber von heute tragen keine schwarzen Masken, sie lauern nicht in dunklen Ecken und reißen keiner alten Oma mehr die Handtasche von der Schulter. Die Räuberbanden von heute wenden keine rohe Gewalt an. Sie sind geschickte Hacker, ausgebuffte Redner und versierte Manipulateure - und sie arbeiten im Team. Das Ergebnis ist das gleiche: Sie bringen andere Leute um ihr Geld. Nach falschen Polizeibeamten und Enkeltrick schwappt eine neue Betrugswelle über den Rems-Murr-Kreis: falsche

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