Rems-Murr-Kreis

ADFC-Fahrrad-Klimatest: Wie haben die Städte im Rems-Murr-Kreis abgeschnitten?

Radfahrer
Radwege wie dieser in Waiblingen sind nicht fahrradfreundlich. © GAbriel Habermann

Der ADFC hat zum neunten Mal Radlerinnen und Radler in Deutschland aufgerufen, das Fahrradklima in ihren Städten und Gemeinden zu beurteilen. 230 000 Radfahrer haben Ende vergangenen Jahres mehr als 1000 Städte und Gemeinden benotet. Coronabedingt erlebt das Fahrrad einen Boom. Fünf Millionen Räder und Pedelecs sind 2020 gekauft worden - mehr als Autos. Immer mehr Menschen sind aufs Rad umgestiegen. Doch die Rathäuser haben diese Chance nicht genutzt, die Bedingungen für ihre Radfahrer signifikant zu verbessern.

Und wie ist das Klima für Radfahrer an Rems und Murr? Allenfalls Fellbach kann sich mit der Gesamtnote 3,71 im Rems-Murr-Kreis sehen lassen: Das reicht für Platz 118 unter 415 Städten zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern. Die Städte Waiblingen, Schorndorf, Winnenden und Backnang haben beim Fahrrad-Klimatest 2020 allesamt schlechte Noten erhalten – und liegen unter der Durchschnittsnote aller deutschen Städte von 3,9. Am Dienstag hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) die radfreundlichsten Kommunen in Deutschland ausgezeichnet. Die Städte und Gemeinden an Rems und Murr sind meilenweit von einer solchen Trophäe entfernt.

Rebecca Peters, ADFC-Vizebundesvorsitzende, kritisierte bei der Präsentation der fahrradfreundlichsten Städte die Verschlafenheit in den Rathäusern bei der Verkehrswende: Gerade in der Corona-Zeit fehlten handfeste Signale für mehr Fahrradfreundlichkeit. Nur wenige Großstädte, die die leer gefegten Straßen zu Radwegen umwidmeten, zeigten Mut, politischen Willen und aktives Handeln. Dies sei von den Teilnehmenden belohnt worden. Der Alltag für Radfahrende ist aber weiterhin geprägt von schlechten Radwegen, Angst und Stress mit Autos und Lastwagen. Bei der Umfrage gab es die schlechtesten Noten für den laschen Umgang mit Falschfahrern, schlechte Baustellenführung und schmale Radwege. Gut benotet wurde die Erreichbarkeit der Stadtzentren oder die Öffnung von Einbahnstraßen für Radverkehr in Gegenrichtung. Und darauf kommt es Radfahrern an: ein gutes Sicherheitsgefühl auf der Straße, die Akzeptanz von Radfahrenden durch andere Verkehrsteilnehmer sowie ein konfliktfreies Miteinander von Rad- und Autoverkehr.

Waiblingen: Note 4,06

Unter den 110 bewerteten Städten zwischen 50 000 und 100 000 Einwohnern erreichte Waiblingen die Note 4,06. 224 Radler haben sich an der Umfrage beteiligt und gaben ihre Bewertungen ab. Schlechte Beurteilungen gab es vor allem für die Akzeptanz (66 Prozent schlechte Noten), Fahrradförderung in jüngster Zeit (67 Prozent), die Falschparkerkontrolle (72 Prozent) und Ampelschaltungen für Radler (78 Prozent). 77 Prozent fühlten sich nicht sicher auf dem Rad in Waiblingen, 74 Prozent gaben Konflikte mit Autofahrern zu Protokoll. Ausgesprochen unzufrieden sind Waiblinger Radler mit ihren Radwegen, den Abstellmöglichkeiten und der Baustellenführung. Gutes hatten sie zu berichten von der Erreichbarkeit des Stadtzentrums oder der Wegweisung.

Fellbach: Note 3,71

Fellbach ist auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Kommune. Die 73 Radfahrer unter dem Kappelberg honorierten diese Bemühungen und bewerteten ihre Stadt mit der überdurchschnittlichen Note von 3,71. Unter den 415 Städten mit 20 000 bis 50 000 Einwohnern bedeutet dies Rang 118.

Besser als anderswo ist der Spaß am Radeln (60 Prozent positive Bewertungen). Aber auch in Fellbach überwiegen die Klagen über fehlende Sicherheit, Ärger mit Auto- und Lkw-Fahrern und schlechte Radwege.

Schorndorf: 4,06

Die Daimlerstadt steht auf Platz 278, bekommt von den 140 Radlern die Note 4,06, aber in Sachen Fahrradfreundlichkeit tut sich aus Sicht der Radler wenig bis nichts.

Winnenden: 4,06

Winnenden (Rang 280) hat ebenfalls die Note 4,06. Auch am Zipfelbach geschieht zu wenig, um die 95 Radfahrer zu überzeugen.

Backnang: 4,15

Am schlechtesten unter den Städten an Rems und Murr hat Backnang (Rang 309) abgeschnitten: Note 4,15. Doch immerhin geht’s aus Sicht der 200 Radler, die sich am ADFC-Klimatest beteiligt haben, in Sachen Fahrradfreundlichkeit etwas aufwärts. Die Stadt Backnang hat sich im Ranking verbessert.

Der ADFC hat zum neunten Mal Radlerinnen und Radler in Deutschland aufgerufen, das Fahrradklima in ihren Städten und Gemeinden zu beurteilen. 230 000 Radfahrer haben Ende vergangenen Jahres mehr als 1000 Städte und Gemeinden benotet. Coronabedingt erlebt das Fahrrad einen Boom. Fünf Millionen Räder und Pedelecs sind 2020 gekauft worden - mehr als Autos. Immer mehr Menschen sind aufs Rad umgestiegen. Doch die Rathäuser haben diese Chance nicht genutzt, die Bedingungen für ihre Radfahrer

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