Rems-Murr-Kreis

Aggressiver Schwarzfahrer und Ladendieb am Amtsgericht Waiblingen verurteilt

SymbolfotoSBahn
Kontrolleure der S 3 sowie Zugbegleiter deutschlandweiter Verbindungen waren als Zeugen im Amtsgericht geladen. Der Angeklagte wurde schließlich wegen 24-fachen Schwarzfahrens und weiterer Delikte zu einer Haftstrafe verurteilt. © Gaby Schneider

Eine Mammutverhandlung mit 27 (!) Zeugen ist da im Waiblinger Amtsgericht über die Bühne gegangen. Sie alle waren geladen, um gegen einen Angeklagten auszusagen, der direkt aus der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall kam. Er musste sich wegen Schwarzfahrens in 24 Fällen, dreimaligen Ladendiebstahls und wegen drei Fällen von Bedrohung, Beleidigung und eines der vorsätzlichen Körperverletzung verantworten. Verurteilt wurde er nach der mehr als dreistündigen Verhandlung wegen sechsmal Schwarzfahren, Körperverletzung und Diebstahl zu einer Gesamtstrafe von acht Monaten Freiheitsentzug. Darin eingeschlossen sind mehrere noch nicht vollstreckte Vorverurteilungen.

Der 23-jährige Angeklagte, der vor einigen Jahren aus Afrika nach Europa gekommen ist und vor Gericht auf die Dienste einer Dolmetscherin angewiesen war, berief sich in der Verhandlung auf sein Recht zu schweigen. Er sagte weder zu seiner Person noch zu den ihm vorgeworfenen Taten etwas.

Für das Gericht ist er gleichwohl kein Unbekannter. Er hat es alleine in den vergangenen zwei Jahren auf zehn Vorstrafen gebracht, darunter auch Verurteilungen durch das Waiblinger Amtsgericht.

Fahrgastkontrolleure aus der S 3 im Zeugenstand

Wenig ergiebig waren aber auch die Beiträge der Mehrzahl der Zeugen. Es handelte sich bei ihnen um Fahrgastkontrolleure, die zwischen dem 31. Dezember 2020 und dem 1. April 2021 die Personalien des Angeklagten in der S 3 zwischen Stuttgart und Backnang, unter anderem in Schwaikheim als Schwarzfahrer notiert hatten, sowie um Zugbegleiter, die zwischen Stuttgart und München, Cuxhaven und Hamburg, Köln und Mannheim, Basel und Offenburg, Münster und Essen sowie Hannover und Stuttgart unterwegs waren.

Sie würden durchschnittlich zehn Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis jeden Tag herausfischen, da könnten sie sich nicht mehr an jeden Einzelnen erinnern, dessen Personalien sie vor über einem Jahr notiert hätten, lautete fast unisono die Aussage.

Sie kontrolliere jeden Tag mehr als 200 Personen in der S-Bahn, erklärte zum Beispiel eine 37-Jährige, circa 30 Prozent davon hätten keinen gültigen Fahrausweis. Mindestens zehn Prozent der Fahrgäste auf der Strecke zwischen Basel und Freiburg seien „schwarz“ unterwegs, so eine weitere Auskunft.

Da in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle zudem keine Unterlagen oder Aufzeichnungen vorhanden waren, auf die zurückgegriffen werden konnte, konnten letztendlich vor Gericht nur sechs Schwarzfahrten mit dem Angeklagten direkt in Verbindung gebracht werden.

In Remshalden und Fellbach in Supermärkten gestohlen

Sehr gut an ihn erinnern konnten sich dagegen zwei Sicherheitsmitarbeiter der Bahn, die er im Februar, als sie ihn aufforderten, die Musik in seinem Mobiltelefon leiser zu stellen, ebenso wie einen weiblichen Fahrgast als „Nazis“ und „Arschlöcher“ beschimpft und angekündigt hatte, sie „to fuck“ und „to kill“. Bei einem der Sicherheitsleute beließ er es nicht bei der Ankündigung, sondern ging ihm derart massiv an die Gurgel, dass dessen Kehlkopf gequetscht wurde und der Geschädigte eine Woche im Krankenstand war.

In lebhafter Erinnerung war er auch den Mitarbeiterinnen von Supermärkten in Remshalden und Renningen geblieben, die ihn dabei ertappten, wie er seinen mit Energydrinks und Cola gefüllten Rucksack an der Kasse vorbeischmuggeln wollte. Einem Supermarkt-Mitarbeiter in Fellbach, der ihm nach einem Diebstahl Hausverbot erteilt hatte, erwiderte er, dass ihn das nicht interessiere.

Die Justiz kommt nicht hinterher

Bemerkenswert sei, so der Richter in seiner Begründung des Urteils, die Beharrlichkeit, mit der der Angeklagte Straftaten begehe, letztendlich Bagatelldelikte, die sich aber doch zu einer beachtlichen Menge aufsummierten, die eine längere Haftstrafe unumgänglich mache.

Zudem agiere der 23-Jährige mit einer Rückfallgeschwindigkeit, die so wohl vom deutschen Gesetzgeber nicht vorhergesehen sei: Er werde so oft und so schnell verurteil, dass die Justiz mit dem Eintragen in das Bundeszentralregister nicht nachkomme.

Richter kann keinen positiven Beitrag im Zusammenleben erkennen

Er könne keinen positiven Beitrag erkennen, den der Angeklagte seit seiner Ankunft in Deutschland zum Zusammenleben der Menschen geleistet habe, und wenn er seine Haltung nicht ändere, sei ihm wohl auch keine positive Zukunft beschieden, so der Richter vor der Rückfahrt des erneut Verurteilten nach Schwäbisch Hall.

Eine Mammutverhandlung mit 27 (!) Zeugen ist da im Waiblinger Amtsgericht über die Bühne gegangen. Sie alle waren geladen, um gegen einen Angeklagten auszusagen, der direkt aus der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall kam. Er musste sich wegen Schwarzfahrens in 24 Fällen, dreimaligen Ladendiebstahls und wegen drei Fällen von Bedrohung, Beleidigung und eines der vorsätzlichen Körperverletzung verantworten. Verurteilt wurde er nach der mehr als dreistündigen Verhandlung wegen sechsmal

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