Rems-Murr-Kreis

Andrea-Berg-Konzerte: Warum alle Beteiligten ein positives Fazit des Modellvorhabens ziehen

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Andrea Berg
Ein Fingerzeig von Andrea Berg genügt, und das Publikum singt die Texte auswendig mit. © Gabriel Habermann
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Andrea Berg
Das Publikum in Feierlaune: Bei allen vier Berg-Konzerten waren jeweils 2000 Besucher mit entsprechendem Nachweis (geimpft, getestet oder genesen) zugelassen. Gesungen, getanzt und geklatscht wurde sowohl auf den Rängen der Tribüne wie auch auf dem Rasen vor der Bühne. © Gabriel Habermann
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Andrea Berg
Gut beschirmt: Andrea Berg bei ihrem vierten Konzert des Heimspiels 2021. © Weirauch

Man kann geteilter Meinung sein, wenn es um die Konzerte von Sängerin Andrea Berg geht, und man kann ebenfalls vieles behaupten – aber eines ist ganz eindeutig: Ihre Fans lässt die 55-Jährige nicht im Regen stehen. So bewiesen beim letzten von vier Konzerten des besonderen Heimspiels 2021 „Steh auf und tanz“, das im Rahmen des Modellvorhabens des Rems-Murr-Kreises (wir berichteten) am Samstag in der „WIRmachenDruck“-Arena in Aspach sein Finale feierte.

Der Wettergott hatte ausgerechnet beim letzten Konzert kein Einsehen. Teilweise war die Künstlerin gar nicht „behütet“, wie sie so gerne oft sagt – aber durchaus gut beschirmt. Eine Berg zögert nicht: Sie zieht ihr Programm souverän durch. Was sich zunächst wie leichter Sommerregen auf der Haut anfühlte, entpuppte sich dann kurz vor Konzertschluss doch als ein heftiges Donnerwetter mit Starkregen.

Erlös des Abschlussabends geht an die Opfer der Flutkatastrophe

Das Fazit des Berg-Teams am Ende: „Trotz oder gerade wegen des Regens war es eine unvergessliche Stimmung, und es hat uns alle noch mehr zusammengeschweißt.“ Noch eine Besonderheit des Abends: Andrea Berg, ihr Team und die an der Veranstaltung beteiligten Unternehmen erklärten am Abschlussabend des besonderen Heimspiels, dass die Erlöse dieses Abends den Opfern und Helfern der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gespendet werden.

Vier Berg-Konzertabende jeweils mit 2000 Gästen und wissenschaftlicher Begleitung: Der Rems-Murr-Kreis zieht ein positives Fazit des Modellvorhabens. „Wir haben einiges ausprobiert und bereits erste Erkenntnisse gewinnen können“, blickt Projektleiterin Anika Fritz zufrieden zurück. Mit der Zusage als Modellvorhaben hatten Veranstalter und Landkreis Planungssicherheit und es konnte ein maßgeschneidertes Hygiene- und Sicherheitskonzept erarbeitet werden. Zur Konzertreihe gehörten auch zwei weitere Events: die Auftritte von „Night Fever – The very best of The Bee Gees“ (10. Juli) und Giovanni Zarrella & Band (23. Juli) mit maximal 999 Besuchern. An allen Abenden wurde deutlich: Die Sehnsucht, das Leben wieder etwas freier genießen zu können, ist groß.

Bei den "besonderen Berg-Heimspielen"  herrschte eine ausgelassene und oft disziplinierte Stimmung - auch wenn Jutta Bogner, die Einsatzleiterin des Sicherheitsdienstes, und ihre Kollegen die Besucher immer mal wieder darauf hinweisen mussten, Abstand zu halten.

Als Andrea Berg  ihre kleine Bühne – einen Strohballenwagen – betrat, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Für eineinhalb Stunden durfte gesungen und getanzt werden – alles unter wichtigen Hygienemaßnahmen und Corona-Regeln. Gerade am Abschlussabend ließ das Publikum es sich nicht nehmen, mit der Sängerin im strömenden Regen zu feiern.

Andrea Berg freut sich auf das nächste Wiedersehen

„Es waren für mich vier tief berührende Heimspiel-Abende – so intensiv, so besonders. Zu spüren, wie die Menschen nach fast anderthalb Jahren ohne Konzerte und persönliche Begegnungen diese Momente genossen haben, war ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Allen, die das Heimspiel 2021 ermöglicht und zu etwas ganz Besonderem gemacht haben, sage ich deshalb von Herzen Danke. Ich freue mich schon jetzt auf unser baldiges Wiedersehen“, äußerte sich die Künstlerin. Besonders dankbar ist Berg auch dem Landratsamt Rems-Murr: „Es ist toll, dass wir dieses Projekt gemeinsam stemmen konnten.“

Den Dank gibt Landrat Dr. Richard Sigel zurück. Sicherheit hatte für das Modellvorhaben oberste Priorität und man wollte mit dem Vorhaben ganz gezielt erproben, welche Regeln bei Großveranstaltungen funktionieren und welche Lockerungen möglich sind. Sigel: „Rückblickend kann ich sagen, es war ein Erfolg und vor allem ein Lichtblick, dass mehr Normalität möglich ist, auch unter besonderen Bedingungen. Ein besonderer Dank gilt Andrea Berg und ihrem Team, dass sie bereit waren, Ungewöhnliches auszuprobieren. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine der erfolgreichsten Sängerinnen Deutschlands ein solches Projekt ermöglicht."

Große Rolle spielte auch die Inklusion

Eine große Rolle spielte auch, wie schon 2019, das Thema Inklusion. Bereits am ersten Konzertabend waren alle Rollstuhlplätze belegt. Rund 100 Menschen mit Behinderung feierten ausgelassen ihr Idol. Insgesamt 200 Freikarten stellte das Berg-Team den stationären Einrichtungen aus dem Landkreis zur Verfügung. „Das war schön zu sehen, mit welcher Begeisterung und Freude alle gemeinsam den Abend genossen haben. Das ist gelebte Inklusion, nach dem ersten inklusiven Heimspiel 2019 war das Inklusion 2.0“, freute sich der Landrat.

Sehr froh über gelungene Konzertabende zeigte sich auch Thomas Deters, Geschäftsführer der AFM Consulting, die als Veranstalter fungierte. Immer wieder betonte er im Vorfeld, wie wichtig es für die gebeutelte Kulturbranche sei, ein Zeichen zu setzen – nicht nur für die Künstler, sondern auch für diejenigen, die im Hintergrund arbeiten – Dienstleister, Techniker, Caterer, Tänzer und und und. Für die Veranstalter sind die traditionellen Heimspiel-Wochenenden immer mit viel Arbeit verbunden, in diesem Jahr kamen durch die coronabedingten Auflagen noch verschärfte Sicherheitsvorkehrungen hinzu. „Es war verständlicherweise viel aufwendiger“, sagt Deters. Der Geschäftsführer der AFM Consulting hebt im Zuge dessen auch hervor, dass die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt, der Gemeinde Aspach und weiteren Beteiligten in der Abstimmung des Hygienekonzepts hervorragend funktioniert habe. So sei er zwar im Vorfeld der Konzerte etwas angespannt gewesen, zugleich aber auch „guter Dinge gewesen, dass alles klappt und die Besucher einen schönen Konzertabend hier bei uns verbringen“. Jetzt, nach diesen Abenden, zeigt sich das Berg-Team sicher: Es hat funktioniert. Schon beim Premierenabend zeigten Sängerin und Fans, dass Veranstaltungen unter Pandemiebedingungen möglich sind.

393 Besucher nutzten Corona-Testmöglichkeit 

Das Veranstaltungsgelände betreten durfte nur, wer einen 3-G-Nachweis vorgelegt hatte. Eine Maskenpflicht galt beim Einlass sowie im Bereich der Gastronomie und Sanitäranlagen. 393 Besucher nutzten das Angebot der Testmöglichkeiten vor Ort und ließen sich an den vier Abenden von dem geschulten Testpersonal des Deutschen Roten Kreuzes auf das Coronavirus testen, berichtet Sina Löhle von der Kreisbereitschaftsleitung des DRK Rems-Murr.

„Die Menschen sind dankbar, dass wir ihnen mit den Testungen die Möglichkeit bieten, doch am Konzert teilzunehmen“, so Löhle. Denn bei einigen Gästen war das negative Testzertifikat etwas älter als 24 Stunden. Vier Helferinnen und Helfer in Schutzausrüstung übernahmen die Testungen jeweils von 17.30 bis 20.30 Uhr. Sie mussten weniger Menschen testen, als sie im Vorfeld erwartet hatten. Alle Tests waren negativ, teilt das DRK mit. Weitere ehrenamtliche Einsatzkräfte halfen beim Auf- und Abbau oder unterstützten den Sanitätsdienst. Der Abend bot auch den ehrenamtlichen Einsatzkräften – nicht nur den 2000 Besuchern – wieder ein Stück Normalität, berichtet Sina Löhle.

Für einen jungen Rotkreuzler war es nach seiner Ausbildung vor einigen Monaten eine Premiere. Sina Löhle: „Das war sein erster Sanitätsdienst. Wir freuen uns, dass wir den Rems-Murr-Kreis bei diesem Pilotprojekt unterstützen konnten“. Viel zu tun hatten die Helfer allerdings nicht. Im Gegensatz zu den normalen Konzerten mit fünfstelligen Besucherzahlen galt es an den vier Abenden lediglich kleinere Zwischenfälle wie Insektenstiche zu behandeln, berichtete Bereitschaftsleiter Jörg Guhr. Erst am letzten Konzertabend musste eine Besucherin mit Schnittwunden am Fuß versorgt werden. Einem Kind konnten die Helfer bei einer Kopfverletzung helfen.

Eine erste Erkenntnis der Wissenschaftler: Wunsch nach detaillierterer Information

Ein wichtiger Baustein des Hygienekonzeptes war zudem die freiwillige Nutzung der „Luca-App“. Landratsamt, Veranstalter und App-Betreiber haben die Akzeptanz des freiwilligen Check-ins erprobt. Ziel dabei war, über das Ausschlussprinzip den Aufwand der Kontaktnachverfolgung zu minimieren. Rund ein Viertel der Konzertbesuchenden haben sich in ihrem Bereich registriert. Wie Besucher die Sicherheit der Konzerte beurteilen, untersucht Dr. Beate Kegler. Die Kulturforscherin und ihr Team waren am zweiten Veranstaltungswochenende persönlich vor Ort und führten Beobachtungen und Befragungen durch. Über eine Online-Umfrage haben die Teilnehmenden die Chance, ihr Feedback abzugeben. Auch wenn die Auswertung der Gespräche und der Online-Befragung, an der man per QR-Code teilnehmen konnte, noch einige Wochen in Anspruch nehmen wird, schildert die Wissenschaftlerin ihre ersten Erkenntnisse: „Insgesamt scheint es sehr gut gelungen, die Gratwanderung zwischen Sicherheitsbedürfnis und Erlebnishunger zu beschreiten. Der überwiegende Anteil an Menschen hat das Konzert sichtlich genießen können und hat sich freiwillig und problemlos an die vermittelten Hygienemaßnahmen gehalten.“

Kegler zitiert Aussagen wie „Wo es sein muss, machen wir es sowieso: Maultäschle auf und Abstand, das ist inzwischen normal.“ (Anmerkung der Redaktion: Maultäschle schwäbisch für Mund-Nasen-Schutz). Die Hauptsache sei, so ein Großteil der Befragten weiter, „dass man endlich wieder feiern kann“. Zum Teil habe es aber auch Wünsche nach detaillierterer Information oder strengeren Auflagen gegeben – zum Teil weniger aus Sorge vor eigener Ansteckung als ganz generell aus dem Wunsch nach klarer Orientierung und eindeutigen Vorgaben. „Andererseits war auch die Sehnsucht nach einem Ende aller Auflagen und größerer Freiheit und Selbstbestimmung klar geäußert worden. Dies spiegelte sich sowohl in den Aussagen des Publikums als auch in denjenigen der dort Beschäftigten wider“, so Kegler weiter. Ein Zwischenergebnis zur Studie wird Ende August erwartet, die endgültige Zusammenfassung dann Ende September.

Für die Gemeinde Aspach ein großer Gewinn

Eine bessere Location als die „WIRmachenDRUCK“-Arena hätte es für solch ein Vorhaben nicht geben können, ist sich Aspachs Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff sicher. Sie ist mit dem Ablauf des Modellvorhabens ebenfalls mehr als zufrieden: „Wir haben wichtige Erkenntnisse gewonnen, wie Großveranstaltungen unter Pandemiebedingungen funktionieren können. Diese Erkenntnisse sind für unser 50-jähriges Gemeindejubiläum im kommenden Jahr sehr wertvoll.“ Das Modellvorhaben sei sowohl eine große Chance wie auch ein großer Gewinn für die Gemeinde gewesen. „Herausforderung war diesmal nicht die Masse an Besuchern, die sonst zu einem Heimspiel von Andrea Berg anreisen, sondern die Einhaltung der Corona-Verordnung rund um das Veranstaltungsgelände“, so Welte-Hauff. Am Samstag hatten sich Vertreterinnen und Vertreter der Städte und Gemeinden aus dem Landkreis zum Modellvorhaben ausgetauscht. Insbesondere die Erarbeitung des Hygiene- und Sicherheitskonzeptes interessierte die Teilnehmenden. Alle Beteiligten sind sich einig, dass Großveranstaltungen auch unter Pandemiebedingungen funktionieren können.

Hinweis: Fans, die nicht beim besonderen Heimspiel 2021 dabei sein konnten, haben für das kommende Jahr zum 15. Heimspiel nur noch die Möglichkeit, für Freitag, 15. Juli 2022, Tickets zu ergattern (www.andrea-berg.de). Der Samstag, 16. Juli, ist bereits ausverkauft.

Man kann geteilter Meinung sein, wenn es um die Konzerte von Sängerin Andrea Berg geht, und man kann ebenfalls vieles behaupten – aber eines ist ganz eindeutig: Ihre Fans lässt die 55-Jährige nicht im Regen stehen. So bewiesen beim letzten von vier Konzerten des besonderen Heimspiels 2021 „Steh auf und tanz“, das im Rahmen des Modellvorhabens des Rems-Murr-Kreises (wir berichteten) am Samstag in der „WIRmachenDruck“-Arena in Aspach sein Finale feierte.

Der Wettergott hatte

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