Rems-Murr-Kreis

Architekturpreis für die Kelter des Weinguts Jürgen Ellwanger in Winterbach

Kelter
Felix Ellwanger, Anne Hieber, Olivia Effenberger und Jörg Ellwanger (von links) vor der Kelter. © Benjamin Büttner

Wer durch Winterbach läuft oder fährt, kann sie kaum übersehen, die Kelter des Weinguts Jürgen Ellwanger an der Bachstraße. Das liegt nicht nur an der Größe des Gebäudes, sondern vor allem am Material: Der Cortenstahl schimmert bräunlich, je nach Lichtverhältnissen changiert die Farbe. Vor allem vor und während der Bauzeit war das Gebäude nicht unumstritten. Inzwischen haben sich die Winterbacher offenbar dran gewöhnt und die Kelter ist mit dem Architekturpreis Wein 2022 ausgezeichnet worden. Ausgelobt wird der Preis von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz mit Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz und des Deutschen Weinbauverbandes.

48 Projekte hatten sich um die Auszeichnung beworben, vier Preise wurden verteilt. „Das ist in der Architekturbranche etwas Besonderes“, sagt die Architektin Olivia Effenberger, die das Projekt geleitet hat. Auch das Gebäude ist etwas Besonderes, das offenbart sich auf den ersten Blick: Der für das Dach und die Fassade verwendete Cortenstahl fällt ins Auge. Anfangs war er silberfarben, hat erst im Lauf der Zeit seine heutige Farbe angenommen. „Das Material rostet auf natürliche Weise“, erklärt die Architektin. Zumindest fast, denn kleine Veränderungen sind bei dem natürlichen Material ebenso wie bei den Giebelwänden aus Beton normal und ausdrücklich erwünscht: „Es ist ein lebendiges Material, das sich immer wieder verändert, genau wie der Wein“, sagt Felix Ellwanger.

Die Kelter ist vor allem ein Arbeitsplatz

Veränderung war es auch, die den Neubau nötig machte, an dessen Stelle zuvor ein in die Jahre gekommenes Doppelwohnhaus gestanden hatte. „Wir sind über die Jahre stetig gewachsen, bewirtschaften inzwischen 27 Hektar und brauchten zusätzlichen Platz“, erklärt Ellwanger. In der neuen Kelter wird oben gekeltert, darunter befindet sich ein neuer Barriquekeller.

Denn in erster Linie soll das Gebäude funktional sein. Es ist ein Arbeitsplatz und kein Showroom, auch wenn es das Zeug dazu hätte: Der Blick kann in der Kelter ungehindert bis unter das spitze, hohe Satteldach schweifen, auf einer ersten Ebene befinden sich die Tanks. Die Trauben werden oben in diese Tanks eingefüllt, von dort geht es für die Früchte im freien Fall direkt in Richtung Keller, denn zu viel Bewegung schadet dem Wein.

Reduktion aufs Wesentliche

Die Funktionalität zeigt sich architektonisch in einer Reduktion aufs Wesentliche, unterstrichen von gestalterischen Details wie zum Beispiel den auf Putz verlegten Leitungen oder dem Hebefaltdach, das sich geschlossen nahtlos in die Fassade fügt, geöffnet aber Wetterschutz für die Traubenanlieferung oder das Hoffest ist.

Zugleich war diese Funktionalität eine Herausforderung für die Architekten. Beispielsweise müssen die Emporen ein Gewicht von 30 bis 40 Tonnen tragen, wenn alle Tanks gefüllt sind. Auch brauchen die Arbeitsräume, sowohl im Keller als auch in der Kelter, ein leichtes Gefälle, so dass Flüssigkeit abfließen kann. Auch ans Material gab es viele verschiedene Anforderungen: Der Boden muss säurebeständig sein und das Gebäude bis zu einer Höhe von 1,50 Metern aus wasserundurchlässigem Beton errichtet sein. Denn das Weingut liegt im Hochwasserrisikogebiet der Rems. „Im Fall eines Hochwassers würde das Gebäude geschwemmt“, erklärt Anne Hieber, eine der Inhaberinnen des ebenfalls in Winterbach ansässigen verantwortlichen Architekturbüros BK2H. Das bedeutet: Das Gebäude würde bei einem Hochwasser geflutet werden, so dass das Gewicht ausreicht, dass es nicht weggeschwemmt wird.

Holztür aus ausgedientem Barriquefass

Entstanden ist mit der neuen Kelter ein Gebäude, das sowohl für Sicherheit und Funktionalität steht als auch für Innovation: Die Ellwangers wollen Moderne und Tradition verbinden, optisch durch die Verbindung aus historischem Fachwerkhaus und futuristischer Kelter. Kleine Details weisen auch am modernen neuen Gebäude in die Historie des Weinguts. Die Eingangstür zum Beispiel, die aus einem alten Barriquefass gefertigt wurde. Und die große Hängeleuchte aus dem Boden eines Weißweinfasses. Die Kelter ist Repräsentations- und Produktionsraum zugleich. „Es macht natürlich mehr Spaß, an einem schönen Ort zu arbeiten“, sagt Kellermeister Jörg Ellwanger. Vor dem Neubau seien die Verhältnisse sehr beengt gewesen. Beugt man sich ein wenig herunter, kann man ihm bei der Arbeit im Barriquekeller übrigens von der Straße aus durch eine Verglasung zusehen.

Info

Einen Blick in die neue Kelter und den Keller kann man auch bei Führungen werfen, die es beim Hoffest des Weinguts geben wird. Das Fest beginnt am Samstag, 21. Mai, um 17 Uhr und am Sonntag, 22. Mai, um 11 Uhr.

Wer durch Winterbach läuft oder fährt, kann sie kaum übersehen, die Kelter des Weinguts Jürgen Ellwanger an der Bachstraße. Das liegt nicht nur an der Größe des Gebäudes, sondern vor allem am Material: Der Cortenstahl schimmert bräunlich, je nach Lichtverhältnissen changiert die Farbe. Vor allem vor und während der Bauzeit war das Gebäude nicht unumstritten. Inzwischen haben sich die Winterbacher offenbar dran gewöhnt und die Kelter ist mit dem Architekturpreis Wein 2022 ausgezeichnet

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