Rems-Murr-Kreis

Astrazeneca & Co: Rems-Murr-Kreis soll jetzt mehr Impfstoff bekommen als bisher

Kreisimpfzentrum
Das Kreisimpfzentrum in der Waiblinger Rundsporthalle. © ALEXANDRA PALMIZI

Endlich wird ein Dauer-Ärgernis beseitigt: Die Zuweisung von Impfstoff an die Impfzentren der Landkreise soll künftig nach einem gerechteren Verteilmodell ablaufen. Bislang kam der Rems-Murr-Kreis regelmäßig zu kurz. Er wird jetzt wohl mehr Impfdosen bekommen als bisher.

Die Zuteilung der Impfdosen richtete sich bislang nicht nach der Einwohnerzahl eines Landkreises, sondern wurde recht pauschal gehandhabt. Nur die sechs größten Landkreise erhielten zwei Kreisimpfzentren, alle ab Platz sieben – sprich: ab dem Rems-Murr-Kreis – bekamen zwei; und jedes KIZ wurde mit derselben Menge Impfstoff versorgt. Folge: Der Rems-Murr-Kreis bekam halb so viel wie Landkreise, die nur unwesentlich größer sind; und genauso viel wie Landkreise, die viel kleiner sind.

Einigung auf gerechtere Verteilung des Impfstoffs

Jetzt endlich wird der Missstand behoben. In einer Pressemitteilung des Landes heißt es: In einem digitalen Gespräch habe sich Gesundheitsminister Manne Lucha am Montag (10. Mai) mit den Leiterinnen und Leitern der Zentralen Impfzentren auf eine gerechte Verteilung des vom Bund gelieferten Impfstoffs geeinigt.

„Auslöser war, dass der Bund auch im Monat Mai nicht genügend Impfstoff liefert, um die Impfzentren unter Volllast laufenzulassen. Gleichzeitig sollen aber die Impfstoff-Reserven in den Zentren rasch aufgebraucht werden – für einige Impfzentren hat dies zur Folge, dass fast nur noch Zweitimpfungen und keine neuen Erstimpfungen mehr stattfinden können.“

Der Rems-Murr-Kreis wird fortan wohl besser bedient als bisher

Lucha und die Vertreter der Zentralen Impfzentren waren sich einig, dass eine faire Verteilung des Impfstoffs in der Fläche notwendig ist. Gleichzeitig erneuerten sie ihre gemeinsame Forderung an den Bund, den Impfzentren mehr Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Außerdem forderten sie den Bund auf, eine Lösung für Impfstoffmengen zu finden, die über den Pharmagroßhandel an die niedergelassenen Praxen verteilt werden, aber von den niedergelassenen Praxen nicht vollständig abgerufen werden.

In der Pressemitteilung wird Lucha folgendermaßen zitiert: „Wir haben in einem sehr guten Gespräch Lösungen miteinander gefunden.“ Künftig „soll mehr Impfstoff in bevölkerungsreiche Landkreise gehen und dorthin, wo die Impfquoten noch vergleichsweise niedrig sind. Unser gemeinsames Ziel ist, den Impfstoff in die Fläche zu bringen.“ Das bedeutet ganz konkret, dass der Rems-Murr-Kreis fortan wohl besser bedient wird als bisher.

Die Impfzentren arbeiten derzeit noch nicht unter Volllast, weil nicht ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Seitdem auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mitimpfen, erhalten die Bundesländer für ihre Impfzentren eine festgelegte Menge an Impfstoff. Der Bund stellt den Impfzentren der Länder auch in den kommenden Wochen eine begrenzte Menge an Impfstoffen zur Verfügung, die sich trotz insgesamt wachsender Impfstoffmengen nicht erhöht. Für Baden-Württemberg liegen die kommenden Lieferungen bei durchschnittlich etwa 330.000 Impfdosen pro Woche.

Deutlich mehr Menschen unter 60 als erwartet wollen ihre Zweitimpfung mit AstraZeneca wahrnehmen

In der Pressemitteilung heißt es warnend: „Solange der Bund“ immer nur „eine gleichbleibende Impfstoffmenge zur Verfügung stellt, wird dadurch die Zahl der Erstgeimpften nicht mehr so stark steigen wie in den vergangenen Wochen. Baden-Württemberg fordert deshalb schon seit Wochen vom Bund, den Impfzentren mehr Impfstoff zur Verfügung zu stellen.“

Es gebe auch immer wieder Meldungen, dass die niedergelassenen Ärzte wenig AstraZeneca bestellen „und deshalb teilweise Impfdosen von AstraZeneca beim Pharmagroßhandel übrigbleiben“. Aus den Impfzentren gebe es hingegen „keine Hinweise, dass es bei AstraZeneca-Terminen zu ungewöhnlich vielen Absagen oder Nichterscheinen kommt, der Impfstoff wird dort gut akzeptiert“. Eher treffe sogar das Gegenteil zu: „Anders als erwartet möchten deutlich mehr Menschen unter 60 Jahren, die ihre Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten haben, auch die Zweitimpfung mit diesem Impfstoff wahrnehmen. Doch Impfstoff, der im Pharmagroßhandel durch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nicht abgerufen wird, kann aktuell noch nicht an die Impfzentren zur dortigen Verimpfung verteilt werden.“ Das sei ein Ärgernis.

„Dass es bisher keine sinnvolle Regelung durch den Bund für eine Verteilung von Impfstoff vom Pharmagroßhandel an die Impfzentren gibt, darf nicht länger dazu führen, dass Impfstoff in den Regalen des Pharmagroßhandels liegenbleibt. Hier fordern wir vom Bund eine sinnvolle Regelung, die die kurzfristige und pragmatische Umverteilung von Impfstoff, den niedergelassene Praxen nicht abgerufen haben, ermöglicht.“

Kritik von der Opposition

„Was jetzt als Erfolg dargestellt wird, war längst überfällig und ist ein weiterer Beleg für das Missmanagement beim bisherigen Impfen“: Mit diesen Worten kommentiert Jochen Haußmann aus Kernen, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, die Meldung, dass der Impfstoff künftig gerechter an die Landkreise verteilt wird.

Es sei zwar gut, dass fortan „mehr Impfstoff in die bevölkerungsreichen Landkreise gehen“ solle und „dorthin, wo die Impf-Quoten bislang niedriger“ seien. Nur: Es habe doch „von Anfang an massive Kritik“ gegeben an einer Vergabe-Praxis „unabhängig von Bevölkerungszahl und Struktur“. Erst „jetzt wird umgesteuert“.

Endlich wird ein Dauer-Ärgernis beseitigt: Die Zuweisung von Impfstoff an die Impfzentren der Landkreise soll künftig nach einem gerechteren Verteilmodell ablaufen. Bislang kam der Rems-Murr-Kreis regelmäßig zu kurz. Er wird jetzt wohl mehr Impfdosen bekommen als bisher.

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Die Zuteilung der Impfdosen richtete sich bislang nicht nach der Einwohnerzahl eines Landkreises, sondern wurde recht pauschal gehandhabt. Nur die sechs größten Landkreise erhielten zwei Kreisimpfzentren,

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