Rems-Murr-Kreis

Auch Korber Weingärtner verlassen Remstalkellerei

Kelter Korb Steinreinach Remstalkellerei
Die Genossenschaftswengerter in Korb und Steinreinach kehren der Remstalkellerei den Rücken. Ihren Jahrgang 2022 werden sie an die Weingärtner-Zentralgenossenschaften abliefern. © ZVW/Gabriel Habermann

Weinstadt/Korb.
Die Mehrheit war klar und deutlich: 87 Prozent der Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Korb und Steinreinach stimmten am Mittwochabend für die Kündigung des Liefervertrages mit der Remstalkellerei. Nach der Abstimmung herrschte Erleichterung, berichtete ein Teilnehmer. Die rund 100 Mitglieder mit rund 40 Hektar Rebfläche werden 2022 ihren ersten Jahrgang nicht mehr an die Remstalkellerei liefern, sondern nach Möglingen zur Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG).

Mit der WG Korb und Steinreinach verabschiedet sich die zweite Ortsgenossenschaft. Vor einem Jahr hatten die 48 Weingärtner in Stetten mit ihren gut 50 Hektar Rebfläche die Konsequenzen aus den unterdurchschnittlichen Erlösen gezogen und ihre Mitgliedschaft aufgekündigt. Sie werden ab 2021 ihre Trauben zur privaten Weinkellerei Kern in Rommelshausen bringen. Darunter die aus den exklusiven Weißweinlagen Pulvermächer und Häder.

Die außerordentliche Generalversammlung der Weingärtnergenossenschaft Korb und Steinreinach in der neuen Kelter in Korb war mit 74 von etwa 100 Mitgliedern gut besucht. Bei der Abstimmung wurden 68 von 74 Stimmen mit Ja abgegeben. Dies entspricht einer Zustimmung von 87 Prozent der anwesenden Mitglieder zur Kündigung des Liefervertrages bei der Remstalkellerei. Inzwischen gibt es bereits Anfragen von Mitgliedern anderer Ortsgenossenschaften zur Aufnahme mit ihren Rebflächen bei der WG Korb und Steinreinach.

Traubengeld weit unter dem Durchschnitt in Württemberg

Die Unzufriedenheit der Wengerter mit der Remstalkellerei ist nur allzu gut verständlich. Das Traubengeld, also der Lohn der Weingärtner, liegt weit unter dem Durchschnitt in Württemberg. Dem Vernehmen nach liegt der Erlös für die Jahrgänge 2014 bis 2018 bei 5500 bis 8600 Euro je Hektar. Remstalkellerei-Geschäftsführer Peter Jung hat diese Zahlen auf Nachfrage weder dementiert noch bestätigt.

Grund genug für viele Wengerter, sich nach Alternativen umzusehen. Eine Möglichkeit ist, sich einen anderen Abnehmer für ihre Trauben zu suchen. Doch das ist auf dem Weinmarkt nicht so einfach. Auch private Weingüter können ihre Flächen nicht beliebig ausdehnen. Also versuchen die Wengerter, ihre Weinberge zu verkaufen oder zu verpachten. Im Winzer-Service, einem bundesweiten Onlineportal, sind eine Reihe von Wengert im Remstal ausgeschrieben. Die WG Korb und Steinreinach wählte eine dritte Möglichkeit und tritt geschlossen bei der Remstalkellerei aus.

Krise mit längerer Vorgeschichte

Wie berichtet, steht die Remstalkellerei vor einem harten Schnitt. Nicht mehr ausgeschlossen wird, dass die Genossenschaft ihre Gebäude in Beutelsbach veräußert, die Weine bei der WZG ausbauen lässt und nur noch vermarktet. Die Krise hat eine längere Vorgeschichte. Seit Anfang des Jahrzehnts habe die Remstalkellerei am Markt vorbei produziert, kritisierte Vorstandsmitglied Christoph Schwegler die Geschäftspolitik in der Vergangenheit. „Dies ist uns nun auf die Füße gefallen.“ Aus seiner Sicht sei zudem versäumt worden, mehr Weine über die WZG zu vermarkten. Die hat mit ihrer bundesweiten Vertriebsstrategie im Gegensatz zur Remstalkellerei keine Probleme, das württembergische Nationalgetränk, den Trollinger, zu vermarkten.

Die Remstalkellerei blieb hingegen auf ihrem Trollinger sitzen. Jahrgang für Jahrgang füllten sich die Tanks. Im Herbst 2018 zog die Geschäftsleitung die Notbremse, stoppte die Auszahlung des Traubengelds und kündigte an, die übervollen Tanks zu leeren. Diese sogenannte Offenwein-Vermarktung sorgte auch bei der Infoveranstaltung der Remstalkellerei am Dienstag für Diskussionen. Die geringeren Erlöse schlagen sich zwangsläufig aufs Traubengeld nieder. Doch für Peter Jung hat es keine Alternative zur Offenwein-Vermarktung gegeben. Bei den Weintrinkern seien die aktuellen Jahrgänge gefragt. Weine aus den Vorjahren im Regal verderben den Preis, verteidigt Jung die Strategie.

Weinstadt/Korb.
Die Mehrheit war klar und deutlich: 87 Prozent der Mitglieder der Weingärtnergenossenschaft Korb und Steinreinach stimmten am Mittwochabend für die Kündigung des Liefervertrages mit der Remstalkellerei. Nach der Abstimmung herrschte Erleichterung, berichtete ein Teilnehmer. Die rund 100 Mitglieder mit rund 40 Hektar Rebfläche werden 2022 ihren ersten Jahrgang nicht mehr an die Remstalkellerei liefern, sondern nach Möglingen zur

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