Rems-Murr-Kreis

Auenwald: Hat jemand arglosen Frauen K.-o.-Tropfen ins Glas geträufelt?

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Vorsicht ist nicht nur wegen des Alkoholgehalts in diesen Getränken geboten. © Schneider

Die Aussagen der Frauen ähneln sich sehr. Sieben Personen haben sich inzwischen nach einer Veranstaltung in Auenwald am Samstag, 24. Juli, bei der Polizei gemeldet, darunter ein Mann. Vier Frauen sind bereits vernommen. Sie alle berichten von „Filmriss“, Aussetzern, Erinnerungslücken. Der Verdacht liegt nahe, jemand hat bei dieser Veranstaltung, einem Konzert nahe Schloss Ebersberg in Auenwald, absichtlich Leute mit k.o.-Tropfen schachmatt gesetzt.

Bewiesen ist bisher nichts. Das Ergebnis einer Blutuntersuchung steht immer noch aus, berichtet Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier, aber: Dass mehrere Personen Ähnliches berichten, darf durchaus als Indiz gelten – hier stimmt was nicht. Hinweise auf sexuelle Übergriffe liegen indes nicht vor, so Biehlmaier auf Nachfrage.

Zuerst hatte eine 21-jährige Frau am Sonntagmittag, 25. Juli, Anzeige gegen unbekannt erstattet. Mit dem Ergebnis der Untersuchung einer Blutprobe dieser Frau rechnet die Polizei in Kürze.

Substanzen sind nur kurze Zeit nachweisbar

Die Chancen stehen nicht besonders gut, dass diese Untersuchung Habhaftes ergibt: K.-o.-Tropfen lassen sich meist nur wenige Stunden nach Einnahme noch nachweisen. Wobei’s natürlich darauf ankommt, um welche Substanz es sich genau handelt.

Fakt ist: Zwei Frauen hatten noch auf der Veranstaltung das Bewusstsein verloren. Ein Rettungsdienst rückte an.

Alle Personen, die sich mittlerweile bei der Polizei gemeldet haben, hatten dieselbe „Sommergärtle“-Veranstaltung besucht. Im Zuge dieser Reihe laden die Gemeinde Auenwald, Vereine und private Veranstalter den Sommer über zu Konzerten und was sonst noch draußen Spaß macht aufs Gelände unterhalb des Schlosses Ebersberg ein. Den Details kommt in diesem Fall besondere Bedeutung zu: Mit dem Schloss Ebersberg selbst hat das „Sommergärtle“ nichts zu tun. Das Schloss wird von der Pfadfinderschaft St. Georg bewirtschaftet und verwaltet, und am besagten Samstag, 24. Juli, feierte dort ein Paar seine Hochzeit. Als es in den ersten Meldungen zum mutmaßlichen K.-o.-Tropfen-Fall hieß, Frauen seien nach einer Veranstaltung auf Schloss Ebersberg aus ungeklärten Gründen in Bewusstlosigkeit verfallen, fühlte sich die Hochzeitsgesellschaft diskreditiert, besorgte Bürger richteten besorgte E-Mails an die Gemeindeverwaltung, und Thomas Wölfle von der Gemeinschaft St. Georg beklagte „enorme Rufschädigung“.

Noch offene Fragen und laufende Ermittlungen

Diese Dinge sind inzwischen geklärt, Missverständnisse ausgeräumt, der K.-o.-Tropfen-Fall ist eindeutig dem „Sommergärtle“ zugeordnet – und viele Fragen bleiben offen. Die Ermittlungen laufen, heißt es bei der Polizei: Es sind noch Zeugen zu vernehmen, Informationen auszuwerten und all das. Laut Sprecher Rudolf Biehlmaier hat es die Polizei immer mal wieder mit Verdachtsfällen zu tun, wonach K.-o.-Tropfen der Grund für Filmrisse gewesen sein könnten – das Problem bleibt die Nachweisbarkeit. Ein Fall wie jener jetzt in Auenwald ist der Häufung wegen durchaus als bemerkenswert und ungewöhnlich einzustufen, bestätigt Biehlmaier.

Der Auenwalder Ordnungsamtsverantwortliche Roland Schmidt versichert, die Antennen seien nun „ganz ganz steil gestellt“, zumal die Sommergärtle-Reihe noch lange nicht endet. Die Gemeinde nimmt nun die Veranstalter „noch mehr in die Pflicht“, berichtet Schmidt, und das heißt konkret: Eine Art „Bannmeile“ wurde definiert, innerhalb derer Leute vom Sicherheitsdienst rund um den Festplatz Personen kontrollieren können und sollen. Es sind mehr Ordner im Einsatz als bisher, und das neue Sicherheitskonzept läuft auf „viel mehr Überwachung“ hinaus.

Ganz egal, um welchen feuchtfröhlichen Anlass es sich handelt – Vorsicht bleibt die Mutter der Porzellankiste. Die Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ leistet Aufklärungsarbeit, zumal diese Substanzen, heimlich ins Getränk gemischt, „einen kompletten Blackout verursachen. So machen sie es dem Täter leicht, sein Opfer zu bestehlen oder es sexuell zu missbrauchen.“ Unerträglich ist das für die Betroffenen, wenn sie sich nach dem Erwachen Übles ausmalen müssen – aber nicht wissen, was wirklich passiert ist.

Die Mittel sind farb- und geruchlos

Im Freundeskreis aufeinander achten und schnell reagieren, sollte jemandem schwindlig werden und plötzliche Schläfrigkeit auftreten, obwohl der Alkoholkonsum sich in Grenzen hielt – das wär' ratsam. Bei Verdacht, es könnten K.-o.-Tropfen eine Rolle spielen, kommt es auf Schnelligkeit an: Sofort ins Krankenhaus, damit sich ein Nachweis noch führen lässt, und gleich die Polizei informieren, so lautet der Rat.

Laut Polizei nutzen Täter oftmals GHB (Gammahydroxybutyrat), auch bekannt als Liquid Ecstasy. „Es werden aber auch andere farb- und geruchlose Medikamente und Beruhigungsmittel verwendet“, heißt es auf den Infoseiten von Polizeiberatung.de. Auf offene Getränke immer ein Auge haben und von Unbekannten keine Getränke annehmen, rät die Polizei.

Wer arglosen Leuten solche Substanzen unterjubelt, macht sich der gefährlichen Körperverletzung schuldig und verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz. Nur wenn Betroffene schnell Anzeige erstatten, besteht die Chance, Täter zu fassen. Aber, so heißt es beim Weißen Ring, „viele schämen sich, suchen die Schuld bei sich. Doch Schuld hat nur der Täter.“

Die Aussagen der Frauen ähneln sich sehr. Sieben Personen haben sich inzwischen nach einer Veranstaltung in Auenwald am Samstag, 24. Juli, bei der Polizei gemeldet, darunter ein Mann. Vier Frauen sind bereits vernommen. Sie alle berichten von „Filmriss“, Aussetzern, Erinnerungslücken. Der Verdacht liegt nahe, jemand hat bei dieser Veranstaltung, einem Konzert nahe Schloss Ebersberg in Auenwald, absichtlich Leute mit k.o.-Tropfen schachmatt gesetzt.

Bewiesen ist bisher nichts. Das

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